Die Oberbürgermeister von Nördlingen (David Wittner) und Aalen (Frederick Brütting) sehen sich innerhalb weniger Monaten zum zweiten Mal gezwungen, einen offenen Brief an Bahnchefin Evelyn Palla zu schicken. Diesmal hat sich jedoch auch Donauwörths Oberbürgermeister Jürgen Sorré angeschlossen, um auf die Missstände der Riesbahn aufmerksam zu machen.
Bereits am 2. Dezember hätten sich David Wittner und Frederick Brütting „mit großer Sorge über die Situation auf der Riesbahn an Sie (Evelyn Palla, Anm. d. Red.) gewandt. Wiederkehrende Zugausfälle, infrastrukturelle Störungen, Personalprobleme, kurzfristige Sperrungen und erhebliche Verspätungen hatten das Vertrauen der Fahrgäste zunehmend beschädigt.“
Trotz einer Antwort am 10. März durch Heiko Büttner, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern, ist aus Sicht der drei Oberbürgermeister seitdem jedoch nicht genug passiert. Es wurde ein Letter of Intent im Dezember 2025 unterzeichnet, welcher die infrastrukturelle Ertüchtigung der Achse Donauwörth-Stuttgart vereinbarte. Ende März 2026 sind weitere Maßnahmen der DB InfraGO konkretisiert worden. Es wird auch anerkannt, dass bereits einige Maßnahmen umgesetzt wurden.
Die Situation der Riesbahn bleibt unbefriedigend
Aber „knapp sechs Monate später müssen wir leider feststellen, dass von einer nachhaltigen Stabilisierung der Riesbahn keine Rede sein kann“, monieren die unterzeichnenden Oberbürgermeister. „Deshalb wenden wir uns heute erneut an Sie, nun gemeinsam als Oberbürgermeister der Städte Donauwörth, Nördlingen und Aalen.“
Vielmehr haben die vergangenen Monate immer wieder zu neuen Einschränkungen auf der Riesbahn geführt. Unter anderem werden Bauarbeiten und Probleme beim kleinen Fahrplanwechsel genannt. Besonders gravierend habe sich dann die Situation im August entwickelt. „Am 2. August 2026 musste der Abschnitt zwischen Wörnitzstein und Donauwörth aufgrund hitzebedingter Gleisschäden gesperrt werden. DB InfraGO stufte die Strecke als unbefahrbar ein, zwischen Donauwörth und Nördlingen musste ein Busnotverkehr eingerichtet werden.“ Die angekündigte Sperrdauer wurde zudem mehrfach überschritten, was zu weiteren Einschränkungen führte.
Auswirkungen bis ins Augsburger Netz
Dazu kommen Anfang September mehrere Langsamfahrstellen zwischen Donauwörth und Aalen. Dazu heißt es in dem offenen Brief: „Auf einem rund 1,6 Kilometer langen Abschnitt bei Wörnitzstein dürfen die Züge derzeit lediglich 20 statt regulär 100 km/h fahren. Nach Angaben von Arverio führt die Summe der Langsamfahrstellen dazu, dass derzeit kein Zug die Riesbahn pünktlich durchfahren kann. Auf der eingleisigen Strecke übertragen sich Verspätungen auf die Gegenrichtung, wiederholt entstehen Verzögerungen von deutlich mehr als 30 Minuten und einzelne Züge müssen zur Stabilisierung des Betriebs ausfallen. Die Auswirkungen reichen bis in weitere Teile des Augsburger Netzes.“ Dass die Schäden laut InfraGO erst im November behoben werden können, sorgt für weiteren Unmut unter den Oberbürgermeistern.
Hierauf erwarten die Oberbürgermeister Antworten
Natürlich sei man sich bewusst, dass Sicherheit Vorrang habe. „Wenn eine für unsere Region zentrale Bahnverbindung jedoch über Monate nur mit derart massiven Einschränkungen betrieben werden kann, stellt sich die Frage nach dem Zustand der Infrastruktur, den vorhandenen Instandhaltungskapazitäten und vor allem nach der tatsächlichen Priorisierung der Strecke“.
Zumal aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität allein 18,8 Milliarden Euro im Jahr 2026 für Erhalt und Digitalisierung der Bundesschienenwege vorgesehen seien. Mit Blick auf diese Finanzmittel und die von der ‚Taskforce zuverlässige Bahn‘ vorgelegten Maßnahmen erwarten die Oberbürgermeister daher Antworten auf folgende Fragen:
- Warum können die bestehenden Gleisschäden erst Mitte November behoben werden? Welche Möglichkeiten bestehen, die Arbeiten vorzuziehen, und welche Maßnahmen werden bis dahin ergriffen, um den Betrieb zu stabilisieren?
- Welche Konsequenzen zieht DB InfraGO aus den hitzebedingten Gleisschäden, um vergleichbare Beeinträchtigungen künftig zu vermeiden?
- Wie ist der aktuelle Stand der im „Letter of Intent“ vereinbarten Infrastrukturmaßnahmen? Welche Maßnahmen sind inzwischen konkret geplant, finanziert oder zur Umsetzung vorgesehen und welche Zeitpläne gelten dafür? Insbesondere bitten wir um einen aktuellen Sachstand zur Geschwindigkeitserhöhung zwischen Möttingen und Nördlingen sowie zur Modernisierung des Bahnhofs Lauchheim.
- Wie stellt die Deutsche Bahn künftig sicher, dass Betreiber, Kommunen und Fahrgäste bei ungeplanten Störungen frühzeitig, einheitlich und verlässlich informiert werden?
Abschließend wird in dem offenen Brief erneut auf den Letter of Intent verwiesen in dem vereinbart wurde, die Riesbahn mit hoher Priorität und im engen Austausch mit allen Beteiligten weiterzuentwickeln.