Innenentwicklung

Baulücken im Kreis sollen geschlossen werden

Positives Beispiel aus Mertingen: Hier wurde der Neubau eines Wohnhauses im Ortskern realisiert. Bild: Landratsamt Donau-Ries
Das Landratsamt ermittelt mit Hilfe der Kommunen Brachflächen und Leerstände in den Stadt- und Dorfkernen, denn dort könnten neue Wohnflächen entstehen. Neben weiteren Projekten hat die Behörde nun eine Online-Immobilienbörse ins Leben gerufen.

Der Wirtschaft im Landkreis geht es gut. Jahr für Jahr entstehen gut 1000 neue Arbeitsplätze in der Region. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Bedarf an Wohnraum ständig wächst. Weil man nicht nur flächensparend bauen möchte, sondern auch die Dorf- und Stadtkerne im Kreis attraktiv halten will, unterstützt der Landkreis Donau-Ries bereits seit 2015 im Rahmen des Konversionsmanagements Kommunen beim Flächenmanagement sowie bei der Vermarktung von Bauland und Leerständen innerhalb der Ortskerne. Eine solche Initiative gibt es neben Donau-Ries erst in zwei weiteren bayerischen Landkreisen. 

356 Hektar könnten bebaut werden

In den vergangenen Jahren hat das Konversionsmanagement 2500 Flächen auf etwa 356 Hektar in den Ortskernen von 27 Kommunen ermittelt. Da etwas über die Hälfte der Kommunen im Landkreis teilgenommen hat, ist anzunehmen, dass diese Zahl bei Betrachtung des gesamten Landkreises Donau-Ries etwa doppelt so hoch ist. Dabei handelt es sich nicht nur um brachliegende Flächen, sondern um alte Hofstellen und leerstehende Gebäude. Mitgezählt wurden auch große ungenutzte Gärten oder Obstbaumwiesen in Dörfern. Weil gerade solche Flächen das dörfliche und ländliche Leben ausmachen, stehen nicht alle Flächen zur Debatte.

Sogenannte "Innenentwicklungslotsen" der Gemeinden treten mit Immobilienbesitzern aus dem Ort in Kontakt, um abzufragen, ob Interesse bestehe, Baulücken und Leerstände an Dritte zu verkaufen. Ein Mehraufwand, der sich lohne, meinen Konversionsmanagerin Barbara Wunder und Landrat Stefan Rößle, denn der Nutzen für die Städte und Gemeinden sei groß. Wenn Baulücken im Ortskern geschlossen werden, werte das das Dorf auf, so Wunder. Auch die Erschließungskosten, die man sonst für ein neues Baugebiet tragen müsste fallen weg. Die Infrastruktur im Ortskern sei schließlich schon vorhanden, fügt Rößle an. 

Genau 100 Flächen und Gebäude haben die Gemeinden dem Landratsamt bereits gemeldet, 40 davon sind bereits verkauft. Hier entstehen Neubauten oder alte Gebäude werden saniert. 

Architekten beraten kostenlos

Nun gehe man einen Schritt weiter, so Barbara Wunder, Konversionsmanagerin. Unter dem Motto "Ortskern aktiv" werden nun weitere Maßnahmen durchgeführt. Eigentümern oder Personen, die Interesse haben, Baulücken oder Leerstände in den historisch gewachsenen Ortskernen zu erwerben, stellt das Landratsamt Gutscheine für Erstbauberatungen durch Architekturbüros aus. Für die Jahre 2019 und 2020 stehen 20 solcher Gutscheine zur Verfügung. Interessenten und Eigentümern erhielten so kostenlose Beratungen durch Architekten, wie sich "qualitativ hochwertiges Wohnen im Dorfzentrum" umsetzten ließe, erklärt Wunder. 

Immobilienbörse für Leerstände und Brachflächen

Neben einer kostenlosen Vortragsreihe zu den Themen "Barrierefreies Wohnen", "energetisches Sanieren" und "Erwerb und Sanierung im Bestand" steht außerdem eine neue Immobilienbörse für innerörtliche Leerstände und Brachflächen zur Verfügung. Interessierte können unter www.donauries.bayern/wohnen Exposés von leerstehenden Gebäuden und Baulücken einsehen und sich über einen Kauf informieren. Lediglich die 27 bislang teilnehmenden Kommunen können Immobilien auf die Plattform einstellen. Als Konkurrenz für Makler oder Immobilienvermittlungen sieht sich das Landratsamt allerdings nicht. Man gehe schließlich gezielt auf Eigentümer zu, die ihre Grundstücke und Gebäude bislang nicht auf dem freien Markt angeboten haben.