1. April 2020, 13:20

Gelebte Gemeinschaft – gestern und heute

Bei der Jubiläumsfeier der Raiffeisengenossenschaft in Ehingen freuten sich die Vereine über Spenden der Raiffeisen-Volksbank Ries (von links): Simon Fröhlich (Bauwagen Broidaloch), Stefan Fackler (RVB Ries), Melanie Frey (Schützenverein Hubertus), Fabian Heller, Alexander Kotz (RVB Ries), Hermann Müller (Soldaten- und Veteranenverein), Matthias Christ (FFW Ehingen), Silke Fackler (Gartenbauverein Ehingen-Belzheim), Gertraud Thorwarth (Gospelchor „Our Voices“), Vorstandsvorsitzender Paul Ritter. Gefeiert wurde, bevor das öffentliche Leben eingeschränkt wurde.
Bild: Silke Hampp
Die Raiffeisengenossenschaft feierte in Ehingen 100-jähriges Gründungsjubiläum. Paul Ritter blickte zurück auf die Aktivitäten des Vereins

70 engagierte Bürger haben sich am 16. August 1919 in Ehingen getroffen und den Spar- und Darlehenskassenverein Ehingen gegründet. Gut 100 Jahre später feierten mehr als 70 Ehinger das Jubiläum ihrer Genossenschaft. Beim Festabend standen engagierte Ehinger im Mittelpunkt.  

Die Aktenlage für die Genossenschaft in Ehingen ist umfangreich und gut, und so konnte Vorstandsvorsitzender Paul Ritter bei der Festrede über interessante Details referieren. Der Landwirt Michael Grögel wurde bei der Gründungsversammlung 1919 zum Vorstand der jungen Genossenschaft gewählt, Stellvertreter ist der Bürgermeister Ulrich Michel. Nach der ersten, harten Bewährungsprobe durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg wird der Verein recht aktiv: 1927 baute der Darlehenskassenverein zusammen mit der Gemeinde und der Molkereigenossenschaft ein Gebäude, das gemeinschaftlich genutzt wurde – Kosten gesamt 13.000 Mark.

Die Ehinger Genossenschaft verband das Geld- und das Warengeschäft miteinander: der Verein finanzierte den Warenbedarf seiner Mitglieder und profitierte von guten Preisen bei Großbestellungen für Saatgut und Dünger.

Gemeinschaftsgeräte wurden angeschafft, zum Beispiel im Jahr 1934 eine Saatgut-Reinigungsanlage, ein Beizapparat und ein Eindos-Apparat. Als in Europa der Zweite Weltkrieg tobt, ist das auch für die Genossenschaft in Ehingen eine schwere Belastungsprobe. 1940 war rund ein Viertel der Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen. Dennoch gingen die Geschäfte weiter und bei der Generalversammlung wurde der Kauf eines Kunstdünger-Streuers beschlossen. Für den Flachsanbau wurde ein guter Abschluss von der Spinnerei Bäumenheim erwartet. 1941 wurde Christian Schreitmüller zum Nachfolger des verstorbenen Vorstands Grögel gewählt. Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte die Genossenschaft ab 1952 unter dem Namen „Raiffeisenkasse Ehingen am Ries“, die erste D-Mark-Bilanz wurde erstellt. In den 60-er-Jahren wurde dann die bargeldlose Milchgeldzahlung eingeführt. 1968 waren die steigenden Anforderungen im Bankwesen so hoch, dass über eine Fusion nachgedacht wurde. Am 10. März 1969 beschlossen die Mitglieder mit 54 zu 9 Stimmen die Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Oettingen. Vorstandsmitglied Friedrich Meyer sowie Aufsichtsratsmitglied Lorenz Luff wurden für die Verwaltung der Raiffeisenbank Oettingen nominiert.

Heute sind, so sagte Vorstandsvorsitzender Paul Ritter, 270 Ehinger Mitglied der Raiffeisen-Volksbank Ries, das ist knapp die Hälfte. Um allen Ehingern eine Freude zu machen, überreichte er Spenden an örtliche Vereine. Die Freiwillige Feuerwehr wird das Geld für die Teeküche im Feuerwehrhaus verwenden, der Gartenbauverein wird Vereinskleidung anschaffen. Mit dem Geld soll ein Jugendgewehr für den Schützenverein gekauft werden, der Bauwagen Broidaloch steckt die Spende in die Ausrichtung der Beachparty. Die Gospelchor-Mitglieder schaffen Notenmappen an und wollen einen Ausflug nach Regensburg mitfinanzieren. Die Fahne des Soldaten- und Veteranenvereins wird mit der Spende restauriert. Insgesamt flossen 1.500 Euro nach Ehingen. (pm)