20. Februar 2019, 08:13

Wie man seinen eigenen Strom nutzt

Johann Natzer, Ulrich Reiser, Mario Münch und Michael Scholz (v. l.) lächeln nach dem Vortrag gemeinsam in die Kamera Bild: Matthias Stark
Am Dienstagabend fand im Saal der Sparkasse Donauwörth erstmals das Energieforum statt. Als Referent hatte die Sparkasse den Solarpionier Mario Münch eingeladen. Außerdem sprach mit Ulrich Reiser ein Vertreter der Bayerischen Landesbank.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Donauwörth, Johann Natzer, begrüßte rund 80 Interessierte Zuhörer, darunter viele Unternehmer aus dem Geschäftsgebiet. „Bereits 1972 haben sich die Autoren des Club of Rome in dem Buch Grenzen des Wachstums damit beschäftigt, wie die Menschen mit der Erde umgehen und den dauerhaften Bedarf an Energie stillen,“ erzählte Natzer und schlug den Bogen ins Jahr 2018. „Im letzten Jahr wurden 35% der in Deutschland genutzten Energie aus regenerativen Quellen genutzt. 1990 waren es nur 3,6%.“ Der Vorstandsvorsitzende stellte abschließend eine Frage: „Lohnt sich eine Photovoltaikanlage um den produzierten Strom zu benutzen? Dieser Frage werden wir nun mit dem Vortrag von Mario Münch nachgehen.“

Gemeinsam die Erde bewahren

„Die Franken haben viel erfunden, aber kein Hochdeutsch. Deshalb: Wenn Sie nichts verstehen. Fragen Sie nach. Es gibt also zwei Vorträge zum Preis von einem. Fränkisch für Anfänger und Photovoltaikanlagen für die dezentrale Energieversorgung. Dort sind wir einer der größten Anbieter in Deutschland“, so Mario Münch, der sich selbst als fränkischen Missionar vorstellte.

Seinen Vortrag eröffnete Münch mit einem kurzen Video unter dem Slogan „Gemeinsam die Erde bewahren.“ Der aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammende Münch erzählte von seiner Familie. Lange habe die Familie überlegt, wie man sich für die Zukunft absichert. „Wir hatten Flächen, die für Windkraft geeignet waren. Das war uns aber zu riskant. Darum entschieden wir uns für Photovoltaik und bauten damals mit 166 kw die erste Freiflächenanlage in Deutschland. Mittlerweile betreiben wir Anlagen, welche ein Viertel der Leistung eines Atomkraftwerks haben“, erklärt Mario Münch. Wie die großen Stromkonzerne die Unternehmen in der Hand haben, beschrieb Münch ebenfalls in seinem Vortrag. „Niemand kann sich gegen steigende Stromkosten wehren. Außer man macht sich autark. Und damit tun wir etwas für unsere Welt“, ist Münch sicher. Der Unternehmer machte klar, dass er in seinen Vorträgen Fakten und Lösungen aufzeigen und das Thema als ganzes betrachtet wissen. „Ich werde Ihnen heute einen Überblick über die Chancen der Energiewende für Unternehmen geben. Das bedeutet nicht nur Planungssicherheit, sondern Einsparungen und Wettbewerbsvorteile", informierte Münch die Zuhörer.

 

Mario Münch, der mit seiner Firma Münch Energie die dezentrale Energieversorgung in Deutschland voran treibt, bei seine Vortrag vor rund 80 Besuchern im Sparkasse-Saal. Bild: Matthias Stark

Wandel ist Fortschritt

Es gebe immer einen Zeitpunkt, an dem eine neue Technologie billiger und besser sei als die alte. Den Wandel der Technologie zeigte Münch an Hand von Beispielen aus dem Kommunikationsbereich. So wandelten sich zum Beispiel Telefone mit Wählscheiben erst zu Tastentelefonen, dann wurden sie schnurlos konnten als Handy überallhin mitgenommen werden und verfügen heute als Smartphones über intelligente Technik. "Der Wandel geht immer schneller. Nokia war 1999 Weltmarktführer und mittlerweile ist der Konzern nicht mehr relevant. Auch Banken sind im Wandel, auch Taxifahrer werden mittelfristig überflüssig werden“, fuhr Münch fort ehe er einen Bogen zur Elektrizität schlug. „In China wurden 2017, 54 Gigawatt an Photovoltaikanlagen gebaut. Das hat Deutschland in 15 Jahren geschafft. Und so haben sich die Entstehungskosten für Strom in den letzten Jahren auch reduziert. Von 0,57€ je kw/h im Jahr 2004 auf nun ca. 0,04€ je kw/h im Jahr 2019“, sagt Münch. 

In seinem Vortrag erklärte Münch außerdem, was das Kerngebiet seiner Firma ist „Strom kostet für Unternehmen im Einkauf 18 Cent je kw. Wir produzieren den Strom für 7 Cent für die Unternehmen“, sagt Münch um im gleichen Atemzug einen Vergleich zum Elektroauto zu ziehen: „Volltanken kostet mit eigens erzeugter Energie dann 7,20 Euro und hat eine Reichweite von 500 Kilometern.“ Auch auf Tesla, das amerikanische Unternehmen hat sich auf  Elektrofahrzeuge, Solaranlagen und Solarstromspeicher spezialisiert, ist es in relativ kurzer Zeit gelungen konventionelle Antriebe zu überflügeln und nun den großen Autoherstellern Probleme zu bereiten. Sein Unternehmen so sagt er, sei Tesla im Energiebereich. "Wir bringen die neuen Möglichkeiten bei der Energiegewinnung ohne die Stromkonzerne an die Unternehmen," so der Franke. „Das beste Beispiel für den Wandel ist die Deutsche Post. Das Unternehmen stellt seine eigenen Elektroautos her und benötigt einen Bruchteil an Energiekosten und hat damit einen enormen Marktvorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern", ist Münch sicher.

Autos als Stromspeicher

Wie das funktioniert erklärt Münch an einem Beispiel. Sein Unternehmen arbeitet mit einem Biomarkt zusammen. „Der Biomarkt produziert auf seinem Dach Strom. Die Kunden können nun kostenlos ihr Auto aufladen. Das bringt dem Unternehmen eine längere Verweildauer im Laden, dazu entscheiden sich die Kunden bewusst für den Einkauf dort und nicht bei anderen Marktteilnehmer“, erläutert Münch.

Der Unternehmer stellte noch weitere Leistungen seiner Firma vor: „Wir produzieren beispielsweise Carports mir Photovoltaikanlage. Damit produzieren wir auf bereits versiegelten Flächen Strom für 20.000 Kilometer Reichweite pro Jahr und Parkplatz. Mit einer Photovoltauik-Fläche von 25x25 Kilometern könnten wir den ganzen Energiebedarf aller Autos in Deutschland decken.“ Außerdem stellte Münch noch einen Vergleich an. 1.300 Märkte eines großen Lebensmitteldiscounters sind mittlerweile mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. „Strompreise am Markt liegen momentan bei 17 Cent, Tendenz steigend in den nächsten Jahren auf 25 Cent. Eigens produzierter Strom kostet anfangs 13 Cent, nach 10 Jahren nur noch 4 Cent“, informierte Münch.

Fördermöglichkeiten für Energieeffizienz

Neben Mario Münch hatte die Sparkasse auch Ulrich Reiser von der BayernLB eingeladen, der sich auf die Fördermittel zur Energieeffizienz in Unternehmen spezialisiert hat. „Ich möchte meinen Vortrag auf zwei Punkte beschränken. Energieeffiziente Gebäude und die Optimierung von Produktionsprozessen. Ich möchte Ihnen nun zeigen, wo es entsprechende Fördermittel gibt“, so Reiser. Reiser stellte das Programm EG7 vor. Dort. so Reiser, bekommen kleine und mittelständische Unternehmen einen Zinssatz von nahezu 0% und Tilgungszuschüsse. „Ein energieeffizienzter Neubau ist immer möglich und lohnt sich,“ stellte Reiser fest. „Die Sparkasse bietet nicht nur die Finanzierung sondern auch eine Beratung und ein breites Netzwerk an Spezialisten, zum Beispiel Energieberater“, so Reiser weiter. Reiser stellte ein Beispiel vor: „Ein Unternehmen hat mit uns ein geplantes Energieeffizienz-Haus 100 auf 70 reduziert. Ohne Mehraufwand. Bei Investitionen von rund 12 Millionen Euro gab es nun statt 650.000€ Förderung über 1,15 Millionen Förderung. Effektivzins -2,84%.“

Im Anschluss an beide Vorträge gab es noch die Möglichkeit Fragen an die beiden Experten zu stellen.