Der Arbeitskreis besteht aus Fachkräften des Café Connection der Caritas Suchtfachambulanz Donauwörth, der Polizeiinspektionen des Landkreises Donau-Ries, der Präventionsfachstelle und der Kommunalen Jugendarbeit, beide vom Landratsamt Donau-Ries, sowie einer Notärztin aus Donauwörth. Das Thema war diesmal: „Pädagogik zwischen Lust und Last – wenn YouPorn schneller ist als der Lehrplan“.
Die Fortbildung war mit 27 Teilnehmenden sehr gut besucht. Als Referentinnen waren erstmals die Kolleginnen von der Fachstelle sexuelle Bildung des Landratsamtes dabei.
Ziel dieser Treffen ist der regelmäßige Austausch zwischen den Schulen, die Weitergabe von Informationen zu aktuellen Suchtthemen sowie die Vernetzung zwischen den Beteiligten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stefan Graßl, Präventionsfachstelle am Landratsamt Donau-Ries.
Sabrina Trieb, Präventionsbeamtin der Polizeiinspektion Donauwörth, erläuterte die aktuellen Regelungen rund um Pornographie bei Jugendlichen.
Die Begriffe „Sexting“, „Sexortion“ und „Cybergrooming“ wurden anhand von Beispielen erklärt. Generell macht sich strafbar, wer kinder- und jugendpornografische Inhalte in Form von Fotos oder Videos herstellt, versendet, empfängt, weiterleitet oder speichert. Innerhalb einer sexuellen Partnerschaft kann es Ausnahmen geben. Problematisch wird es, wenn die Partnerschaft endet und die Fotos aus Enttäuschung oder Ärger darüber an andere verschickt werden. Es wurde erläutert, wie die Polizei in solchen Fällen vorgehen muss und wie an der Schule konkret mit solchen Problemen umgegangen werden soll.
Die Mitarbeiterinnen der Fachstelle für sexuelle Bildung, Teil der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Landratsamt Donau-Ries, stellten vor, wie sie Kinder und Jugendliche mit ihren Angeboten an den Schulen im gesamten Landkreis begleiten. In den Workshops sprechen die Fachkräfte altersgerecht über Gefühle, Grenzen, Körperwissen sowie die Unterschiede zwischen realer Sexualität und Darstellungen im Internet.
Das Team der Fachstelle zeigte auf, dass bereits Sechstklässler häufig – ob gewollt oder ungewollt – mit pornografischen Inhalten in Kontakt kommen. Es wurden typische Reaktionsmuster der Schülerinnen und Schüler vorgestellt, darunter der Zwiespalt zwischen Faszination und Verstörung sowie die Sorge vor strafrechtlichen Konsequenzen. Die Fachstelle für sexuelle Bildung betonte: „Junge Menschen dürfen sexuelle Erfahrungen sammeln – müssen aber nicht. Das Tempo wird selbst bestimmt!“ Ein zu früher und unfreiwilliger Zugang zu pornografischen Inhalten könne dazu führen, dass die Bedürfnisse der Jugendlichen missachtet werden.
Ein zentrales Anliegen der Fachstelle war es, Kindern und Jugendlichen einen sicheren Raum zu bieten, in dem Fragen und Unsicherheiten erlaubt sind und Gefühle Platz haben. Um auch verstärkt am Lernort Schule über dieses Thema ins Gespräch zu kommen, wurde das Angebot „Porno-Memory“ vorgestellt, das zukünftig für die Arbeit mit höheren Schulklassen verliehen wird.
Niels Pruin von der Caritas Suchtfachambulanz leitet eine Online-Gruppe mit Männern, die eine Pornographie-Nutzungsstörung aufweisen. Der Konsum von Pornographie hat in letzter Zeit auch unter Jugendlichen stark zugenommen, obwohl diese erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Während der Corona-Phase habe der Konsum von Pornos um 60% zugenommen. Jede dritte Suchanfrage im Internet handele von diesem Thema. Auf der Internetplattform „Pornhub“ würde ein Mensch über 350 Jahre brauchen, um alle dort hochgeladenen Videos anzuschauen.
Allein diese Info zeige das enorme Ausmaß dieser Thematik. Ein problematischer Pornographiekonsum beginne meist im Jugendalter und manifestiere sich im Erwachsenenalter. Durch die darin gezeigten Darstellungen und das daraus entstehende Bild von Sexualität und Partnerschaft hätten die Betroffenen häufig große Probleme, ihren Alltag zu bewältigen oder eine Partnerschaft zu führen.
Sabrina Weißenberger, Servicestelle Suchtprävention von der Regierung von Schwaben, erläuterte in einem Power-Point-Vortrag ihre Aufgaben und machte deutlich, wie Lehrkräfte und Jugendsozialarbeiter ihre Angebote nutzen können.
Stefan Graßl präsentierte den Teilnehmenden abschließend noch Infomaterialien wie „Regeln für den Klassenchat“, die Informationsbroschüre für Jugendliche mit dem Titel „Zu nackt fürs Internet“ sowie ein Kartenset für Jugendliche mit wertvollen Tipps zu diesem Thema. (dra)