Ein wichtiger Meilenstein im Berufsleben von 15 jungen Menschen wurde im Gasthof zur Wallfahrt in Wemding gebührend gefeiert. Die Zimmererinnung Donau Ries hatte zur Freisprechfeier eingeladen und konnte zwölf junge Männer und drei junge Frauen offiziell in den Gesellenstand verabschieden.
In einer feierlichen und würdevollen Veranstaltung erhielten die erfolgreichen Nachwuchskräfte ihre Gesellenbriefe. Gleichzeitig wurden zwei besonders verdiente Mitglieder der Zimmererinnung für ihr jahrzehntelanges Engagement ausgezeichnet.
Obermeister Stefan Taglieber zeigt sich begeistert
Für Obermeister Stefan Taglieber war die Feier eine besondere Premiere. Zum ersten Mal begleitete er eine Freisprechfeier in seiner neuen Funktion als Obermeister. Dabei erinnerte er sich auch an seine eigene Freisprechfeier und an das gute Gefühl, etwas Wichtiges geschafft zu haben. In seiner herzlichen und den jungen Menschen zugewandten Begrüßungsansprache fand er zunächst viel Lob für die Leistungen des Nachwuchses.
Zugleich hieß er die zahlreichen Gäste und Ehrengäste herzlich willkommen und gratulierte den frisch gebackenen Gesellinnen und Gesellen zu ihrem Erfolg.
„Ihr habt in der Ausbildungszeit sehr viel gelernt, um in unserem tollen Beruf nun Verantwortung zu übernehmen und mit unserem wunderbaren Werkstoff Holz Sichtbares zu schaffen“, sagte Taglieber. Es erfülle mit Stolz, wenn man später auf ein Bauwerk blicken könne und sagen könne: „Da habe ich mit meinen Händen und meinem Wissen mit gebaut. Das ist mehr als ein Stück Papier.“
Fehler gehören zum Lernen dazu
„Ihr dürft auch Fehler machen, denn daraus lernt ihr. Fehler macht man in der Regel nur einmal.“ Lernen höre im Zimmererhandwerk ohnehin nie auf. Auf der Grundlage des Gesellenbriefes stünden den jungen Fachkräften vielfältige Wege offen. Zum Abschluss seiner Ansprache ermutigte Taglieber die Nachwuchskräfte zu „sauberer Arbeit, Verlässlichkeit, Teamgeist und zum Stolz auf das Geschaffene“.
Auch stellvertretender Landrat Jürgen Leberle überbrachte die Glückwünsche des Landkreises Donau Ries. In seiner Würdigung betonte er, dass tüchtige Handwerkerinnen und Handwerker in der Region dringend gebraucht würden und ihnen gute berufliche Perspektiven offenstünden. Den jungen Gesellinnen und Gesellen gab er einen Wunsch mit auf ihren weiteren Weg: „Ich wünsche euch immer einen sicheren Stand im Leben und auf dem Dach.“
Josef Barta, Kulturreferent der Stadt Wemding, stellte ebenfalls die Bedeutung des Handwerks heraus. Er bezeichnete das Handwerk als „Rückgrat des Mittelstands und der Wirtschaft“. Zugleich forderte er die jungen Zimmererinnen und Zimmerer auf, neugierig zu bleiben und sich stetig weiterzubilden. Nur wer bereit sei, dazuzulernen, könne auch künftig beruflich am Ball bleiben.
Tradition und moderne Zeit sind eng miteinander verbunden
Wie das Zimmererhandwerk den Spannungsbogen zwischen Tradition und Zukunft meistert, zeigte sich an diesem Abend auf besondere Weise. Sämtliche Gesellinnen und Gesellen sowie Unternehmer, Ausbilder und Verantwortliche der Innung waren in der traditionellen Kluft erschienen. Auch Ehrenobermeister Erwin Taglieber ließ es sich nicht nehmen, zu diesem besonderen Anlass seine Berufskleidung zu tragen.
So wurde sichtbar, dass handwerkliche Tradition und moderner beruflicher Anspruch eng miteinander verbunden sind.
Als besonderer Ehrengast war Hans Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, nach Wemding gekommen. In seiner Festansprache lobte er den gelungenen Rahmen der Veranstaltung und gratulierte den jungen Fachkräften zu ihrem erfolgreichen Abschluss. Zugleich erinnerte er daran, dass hinter diesem Erfolg viele Menschen stehen.
Sein Dank galt deshalb den Ausbildungsbetrieben, den Verantwortlichen in der Berufsschule sowie den Eltern und Freunden, die die jungen Menschen während ihrer Ausbildung unterstützt hätten.
Präsident Rauch bezeichnet den Gesellenbrief als Start in einen neuen Lebensabschnitt
Erfahrung, Präzision und Sorgfalt seien ebenso gefragt wie Ideenreichtum. „Qualität entsteht nicht zufällig, sondern braucht ein gutes Verständnis für Material und Wissen“, betonte der Präsident der Handwerkskammer. Gleichzeitig forderte er von der Politik bessere Rahmenbedingungen für das Handwerk. Für die Betriebe werde es durch die Vielzahl an Vorgaben immer schwieriger.
Mit deutlichen Worten kritisierte Rauch die zunehmende Bürokratie: „Die überbordende Bürokratie muss endlich Schluss sein.“ Trotz aller Herausforderungen warb Rauch für Zuversicht. „Wir sind ein starkes Land mit einem starken Handwerk und das sollte uns Mut machen“, sagte er und ermutigte die Anwesenden, positiv auf die Zukunft zu schauen.
Trotz zunehmender Automatisierung sind handwerkliche Fachkräfte unverzichtbar
Den Höhepunkt des Abends bildete schließlich die eigentliche Freisprechung. Kreishandwerksmeister Werner Luther bat die zwölf jungen Männer und drei jungen Frauen aufzustehen, damit sie diesen besonderen Augenblick bewusst erleben und als bleibende Erinnerung mitnehmen konnten. Er gratulierte den neuen Gesellinnen und Gesellen und machte deutlich, dass sie stolz auf das Erreichte und auf ihre erworbenen Kenntnisse sein könnten. „Sie haben alles richtig gemacht und können stolz auf ihre Kenntnisse und ihr Handwerk sein“, sagte Luther.
Auch mit Blick auf die zunehmende Automatisierung, Robotik und Künstliche Intelligenz sieht Luther die Fachkräfte des Handwerks weiterhin als unverzichtbar. Technische Entwicklungen könnten die Arbeit unterstützen, das Wissen und die Erfahrung des Menschen aber nicht ersetzen.
„Auf der Baustelle ist der wichtigste Rohstoff der Mensch“, betonte der Kreishandwerksmeister. Und fügte hinzu: „Unser Wissen kann man nicht downloaden.“
Bei der anschließenden Übergabe der Gesellenbriefe wurde auch der Jahrgangsbeste besonders gewürdigt. Matthias Jaumann aus dem Ausbildungsbetrieb Zimmerei Stark in Auhausen hatte den besten Abschluss des Jahrgangs erreicht. Zum Abschluss rückten zwei verdiente Persönlichkeiten der Zimmererinnung in den Mittelpunkt.
Mit einem Präsent wurden der frühere Obermeister Franz Motz für seine langjährige Tätigkeit und sein großes Engagement für die Innung geehrte.
Auch Günter Enßlin, der über mehr als drei Jahrzehnte als Lehrlingswart und in weiteren Funktionen Verantwortung für den Nachwuchs im Zimmererhandwerk übernommen hat, erhielt ein Präsent und Obermeister Taglieber sagte: „Du hast diese Aufgabe mit großem Erfolg ausgeübt. Wir danken dir dafür.“ (dra)