Es ist weiterhin viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt: Rund einen Monat nach dem offiziellen Ausbildungsstart sind bei der IHK Schwaben etwa 700 zusätzliche Ausbildungsverträge für das laufende Jahr eingegangen. „Viele Absolventen beginnen erst spät mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Der Einstellungsprozess in den Betrieben geht damit inzwischen weit in das neue Ausbildungsjahr hinein“, berichtet Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter des Bereichs Bildung bei der IHK Schwaben. Nach wie vor sind Stellen frei. Doch viele Betriebe tun sich schwer.
Die Zahl neuer Auszubildenden ist seit dem offiziellen Start des Ausbildungsjahres am 1. September schwabenweit auf gut 7.600 gestiegen. „Viele junge Menschen entscheiden sich erst spät, wie ihr Weg nach dem Abschluss weitergehen soll“, berichtet Fischer.
Mit Nachvermittlungsaktionen und individuellen Beratungsangeboten hat die IHK Schwaben in den vergangenen Wochen gezielt diese Jugendlichen angesprochen. „Viele sind von der Vielzahl an beruflichen Optionen überfordert. Manche haben auch völlig falsche Vorstellungen von den Berufsbildern. Hier haben unsere Beraterinnen und Berater angesetzt und konkrete Job-Angebote gemacht“, so der Ausbildungsexperte.
Rückgang in der Industrie, deutlicher Anstieg in der Gastronomie
In Nordschwaben liegt die Zahl der Neuverträge damit aktuell bei gut 850. Das sind 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Schwabenweit ist die Zahl der Neuverträge im Vergleich zu 2025 um knapp 6 Prozent zurückgegangen. Über die Branchen hinweg zeigt sich dabei ein differenziertes Bild:
Vor allem in der Industrie hinterlassen die schlechte konjunkturelle Lage und die schleichende Deindustrialisierung Spuren. Die Zahl der Neuverträge in den gewerblich-technischen Berufen ist um 7 Prozent gesunken. Dafür verzeichnet das Hotel- und Gaststättengewerbe ein Plus von 10 Prozent.
Auch im Verkehrs und-Transportgewerbe ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge weiter steigend (+4 Prozent). Zu den gefragtesten Berufen gehört der Verkäufer bzw. Einzelhandelskaufleute, Industriekaufleute, Industriemechaniker sowie Bürokaufleute und Fachinformatiker.
Überblick der Ausbildungsverträge
| Zahl der Ausbildungsverträge zum 1.10.2026 | Zahl der Ausbildungsverträge zum 1.10.2025 | Prozentuale Veränderung | |
| Dillingen | 248 | 263 | -5,7% |
| Donau-Ries | 605 | 630 | -4,0% |
| Bayerisch-Schwaben | 7628 | 8100 | -5,8% |
Immer mehr junge Menschen ohne Abschluss
„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist auf jeden Fall weiter hoch“, berichtet Fischer. Das spiegelt sich auch im IHK-Ausbildungsatlas, der regionalen Lehrstellenbörse, wider. Dort sind aktuell mehr als 1.700 offene Ausbildungsstellen eingetragen, viele davon noch für das laufende Jahr.
Fischer geht allerdings davon aus, dass auch in diesem Jahr zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben werden. Laut einer DIHK-Umfrage konnte im vergangenen Jahr jeder Betrieb im Schnitt 1,5 Stellen nicht besetzen – in fast der Hälfte der Fälle, weil keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Zum Teile fehle es Interessenten an Basiskompetenzen, berichtet Fischer.
So beklagen in einer DIHK Umfrage vier von zehn Betrieben Defizite der Azubis in Mathe, wirtschaftlichem Grundwissen oder Deutsch. Die aktuelle PISA-Studie hat diesen Eindruck bestätigt. Hinzu kommt die steigende Zahl junger Menschen ohne Schulabschluss, die die Betriebe vor zusätzliche Herausforderungen stellt.
Allein in Bayerisch-Schwaben 1.200 junge Menschen ohne Abschluss
Im Schuljahr 2023/24 waren es nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik allein in Bayerisch-Schwaben knapp 1.200 junge Menschen, die die Schule ohne Abschluss der Mittelschule verlassen haben. „Viele Betriebe geben auch jungen Menschen mit Startschwierigkeiten eine Chance.
Für die Unternehmen steigt damit der Aufwand in der Ausbildung enorm“, so der IHK-Ausbildungsexperte. Mit zahlreichen Angeboten unterstützt die IHK Schwaben: Bildungsberater sind in der gesamten Region unterwegs, um Betriebe und Azubis gezielt unter die Arme zu greifen. Der von der IHK Schwaben geförderte Kurs „Fit fürs Lernen“ vermittelt wichtige Grundkompetenzen für den Lernerfolg.
Bei „VerAplus“ engagieren sich erfahrene Fachkräfte im Nachhilfeunterricht. Und das Kombimodell „1+x“ ermöglicht es seit diesem Jahr in bestimmten Berufen, die Berufsschulzeit zu strecken. „Wir dürfen Jugendliche mit schulischen Problemen nicht aufgeben und müssen ihre Potenziale auf jeden Fall nutzen. Gleichzeitig darf die Last nicht allein bei den Ausbildungsbetrieben liegen“, betont Fischer. (dra)
Hotline der Berufsorientierung
Junge Menschen, die an einer Ausbildung interessiert sind, sowie Unternehmen, die ausbilden möchten, können sich an die Hotline der Berufsorientierung der IHK Schwaben unter 0821 3162-100 wenden. Informationen zu den Angeboten der IHK Schwaben gibt es unter ihk.de/schwaben/ausbildung.