Stadt Nördlingen

Bürgerversammlung: Warum Nördlingen in Zukunft Prioritäten setzen muss

Baldinger Straße, Stadt Nördlingen Bild: Nina Hellriegel
Bei der Bürgerversammlung der Nördlinger Kernstadt am Dienstagabend standen die Finanzen und die Zukunft wichtiger städtischer Projekte im Mittelpunkt. Dabei wurde eines klar: Nördlingen muss in Zukunft Prioritäten setzen.

„Wir leben einfach in herausfordernden, stürmischen Zeiten.“ Mit diesen Worten fasste Stadtkämmerer Bernhard Kugler bei der Bürgerversammlung der Nördlinger Kernstadt die Lage der kommunalen Finanzen zusammen. Zwar stehe Nördlingen im Vergleich zu anderen Kommunen noch etwas besser da. Doch auch hier werde es zunehmend schwieriger, steigende Ausgaben und notwendige Investitionen zu finanzieren.

Das zeige sich unter anderem bei der Gewerbesteuer. In den Jahren 2022 bis 2024 hatte die Stadt jeweils mehr als 32 Millionen Euro eingenommen. 2025 waren es noch 23,8 Millionen Euro. Für 2026 hält Kugler Einnahmen von rund 25 Millionen Euro für möglich. Ein großer Teil davon dürfte allerdings aus Nachzahlungen für frühere Jahre stammen. Die Erwartungen für das laufende Jahr seien deshalb weiterhin verhalten.

„Die Steuereinnahmen steigen. Das stimmt. Wenn auch nur sehr, sehr moderat“, erklärte Kugler. Gleichzeitig würden etwa die Ausgaben für Personal, Energie und den Unterhalt städtischer Gebäude weiter zunehmen. Die Stadt müsse deshalb ihren Haushalt konsolidieren. Dafür arbeiten Stadtrat und Verwaltung in einer eigenen Arbeitsgruppe an Vorschlägen.

Ein zentrales Ziel lautet, das Investitionsvolumen künftig auf höchstens 20 Millionen Euro pro Jahr zu begrenzen. „Dann muss man überlegen, was wichtiger ist als alles andere“, erklärte Kugler. Dringende Reparaturen, etwa bei einem Wasserrohrbruch oder einem beschädigten Dach, hätten Vorrang vor anderen Vorhaben. Auch die Pro-Kopf-Verschuldung soll bis 2030 unter 1000 Euro bleiben. Aktuell liegt diese bei rund 750 Euro.

Feuerwehrhäuser und Rieser Sportpark mit großem Sanierungsbedarf

Wie groß der Sanierungsbedarf bei städtischen Einrichtungen ist, erläuterte Oberbürgermeister David Wittner am Beispiel der Feuerwehrhäuser. Neun der elf Standorte erfüllten die geltenden Vorschriften nicht mehr. Zwei Gebäude könnten langfristig nicht mehr als Feuerwehrhäuser genutzt werden. Bei den übrigen Standorten sei eine weitere Nutzung teilweise unter bestimmten Auflagen möglich.

Für Schmähingen sei ein Umbau unumgänglich. Wittner brachte die Situation auf den Punkt: „Das Haus kann als Haus gerettet werden, aber nicht als Feuerwehr.“ Gemeinsam mit den Feuerwehrleuten, der Staatsverwaltung und den politischen Vertretern solle nun ein passendes Raumprogramm erarbeitet werden. Dieses solle noch in diesem Jahr feststehen, damit anschließend das Vergabeverfahren für die Architektenleistungen beginnen könne. Ziel sei es, das Vorhaben bis 2030 abzuschließen.

Auch beim Rieser Sportpark bestehe dringender Handlungsbedarf. Die Einrichtung werde von Schulen und zahlreichen Vereinen genutzt, weise am Gebäude jedoch erhebliche Mängel auf. Wittner verwies unter anderem auf eine unzureichende Wärmedämmung, undichte Dächer, Fenster und Türen sowie Wasserschäden, Risse und Probleme in den Sanitärbereichen.

„Der Rieser Sportpark ist eine wunderbare, wirklich wichtige Sporteinrichtung“, betonte der Oberbürgermeister. Da sich die Anlage im gemeinsamen Eigentum der Stadt und des Landkreises Donau-Ries befinde, seien beide Kommunen gefordert. Nachdem ein erster Antrag auf Fördermittel aus einem Bundesprogramm nicht zum Erfolg geführt habe, wolle sich die Stadt erneut um eine Förderung bemühen.

Für beide Vorhaben – die Feuerwehrhäuser und den Rieser Sportpark – nannte Wittner eine grobe Kostenschätzung von jeweils rund 15 Millionen Euro. Diese Zahlen seien allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da bislang keine vertieften Untersuchungen oder detaillierten Planungen vorlägen. Sie sollten zunächst lediglich eine Vorstellung von der Größenordnung der möglichen Investitionen vermitteln.

Glasfaserausbau und Sanierung der Stadtmauer

Auch bei der Infrastruktur stehen in Nördlingen künftig weitere Arbeiten an. Mehr als 2000 Adressen verfügen nach Angaben der Stadt noch nicht über eine gigabitfähige Versorgung. Die geschätzten Kosten für den Glasfaserausbau liegen bei mehr als zwölf Millionen Euro. Ziel sei es, das Projekt bis 2028 abzuschließen, so die Verantwortlichen. 

Zudem werden die Sanierungsarbeiten an der historischen Stadtmauer fortgesetzt. Die Arbeiten in der Hutergasse sind hingegen abgeschlossen, weitere Abschnitte stehen an. Solche Maßnahmen seien nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht wichtig, sondern würden auch den städtischen Haushalt belasten, so Jürgen Eichelmann mit Blick auf die aktuelle Lage. 

St. Georg: Archäologische Funde und Millionenaufwand

Der Nördlinger Stadtbaumeister berichtete außerdem ausführlich von den aktuellen Baufortschritten und Funden rund um die St. Georgskirche. Demnach seien im Zuge der Baustelle rund 165 Gräber freigelegt worden. Zudem hätten die Fachleute eine Brandschicht entdeckt, die mit dem großen Stadtbrand von 1238 in Verbindung gebracht werde. Der Fund könne darauf hindeuten, dass sich Spuren dieses historischen Ereignisses auch im Bereich der Kirche erhalten hätten. Ob die Brandschicht tatsächlich unmittelbar auf den Stadtbrand zurückzuführen sei, lasse sich anhand der vorliegenden Informationen jedoch nicht abschließend beurteilen.

Die Innenrenovierung der Kirche sei mit rund 5,9 Millionen Euro veranschlagt. Zudem müssten rund 70 Epitaphien bearbeitet werden. Die Arbeiten sollen sich bis 2028 erstrecken. 2027 stehen in Nördlingen außerdem zwei ganz besondere historische Jubiläen an: die 600. Wiederkehr der Grundsteinlegung von St. Georg und das 700-jährige Jubiläum der Stadtmauer. Das Programm dazu solle am 12. November vorgestellt werden. 

Die Bürgerversammlung machte deutlich, dass Nördlingen auch in den kommenden Jahren vor großen Aufgaben steht. Viele Projekte sind notwendig, gleichzeitig werden die finanziellen Möglichkeiten enger. Welche Vorhaben wann umgesetzt werden können, hängt daher auch davon ab, welche Prioritäten Stadtrat und Verwaltung künftig setzen.