Amerdingen und das Haus Stauffenberg: Seit über vier Jahrhunderten sind die Wege des Adelsgeschlechts und der heutigen Ries-Gemeinde eng verwoben. Wie eng die Bindung ist, zeigte sich erst wieder am 18. Juni 2026. An diesem Tag wurde einer der größten Solarparks in Bayern eröffnet. Ganze 126 672 Module sind auf rund 52 Hektar Land verbaut und sorgen für eine maximale elektrische Leistung von 76 MWp.
Genauso beeindruckend wie die Leistungsfähigkeit der Anlage ist aber auch der Umstand, dass das Projekt komplett ohne eine EEG-Förderung zustande gekommen ist. „Ich bin grundsätzlich ein Freund davon, Sachen selbst zu machen“, erklärt Camilla Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die dem Haus Stauf fenberg entstammt. Unter anderem mussten verschiedene Gut achten erstellt werden, auch eine Stellungnahme, ob der Solarpark den Schall vom angrenzenden BJV-Schießstand verstärkt, wurde von Experten erarbeitet. „Wir haben selbst das unternehmerische Risiko auf uns genommen und die Projektierung komplett selbst finanziert, denn nur so hatten wir volle Kontrolle über das Projekt.“
Ein erfolgreiches Projekt als Ergebnis guter Zusammenarbeit
Ebenso legte Camilla Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg Wert darauf, die Gemeinde von Anfang an in das Projekt einzubeziehen. „Mir war es wichtig, nicht gegen die Gemeinde zu arbeiten.“ Mit Erfolg! Im Gegensatz zu anderen Projekten dieser Größenordnung gab es keine Bürgerinitiativen oder sonstige Stör feuer. „Das gräfliche Haus ist bei uns in der Gemeinde sehr gut verwurzelt und wird auch sehr gut aufgenommen“, ordnet Amer dingens Bürgermeister Xaver Berchtenbreiter die Situation ein. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut, die Wege sind kurz.“
Das Ergebnis ist ein neuer Wirtschaftsstandort, von dem beide Seiten profitieren. „Natürlich ist der Sinn, Geld zu verdienen“, stellt Camilla Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg klar. Schloss und andere Gebäude der gräflichen Familie wollen erhal ten werden. Für die Gemeinde hingegen fällt neben der Gewerbe steuer ein fester Betrag pro verkaufter Kilowattstunde ab.
Ein privater Investor ergänzt das Team
Ganz allein war das Projekt allerdings nicht zu stemmen. Zwar hätte Camilla Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg den Solarpark gerne komplett selbst finanziert, „das war bei der hohen Investitionssumme aber nicht darstellbar“. Darüber hinaus muss der PV-Park komplett ohne EEG Förderung auskommen. Das macht es schwieriger, ihn allein zu finanzieren und so wurde mit der MaxSolar GmbH ein privater Investor ins Boot geholt, der bereits Erfahrung im Bereich der erneuerbaren Energien gesammelt hat. „Amerdingen zeigt, dass große Photovoltaikprojekte besonders wirksam sind, wenn sie effizient geplant und marktbasiert umgesetzt werden“, blickt Christoph Strasser als Geschäftsführer der MaxSolar GmbH auf den Bau des Solarparks zurück.
(Bürgermeister Amerdingen). (v.l.n.r.) Bild: Bild: Dr Brandl MdB
Nachhaltigkeit ja, aber keine Agri-PV-Anlage
Neben den wirtschaftlichen Aspekten war man aber auch bemüht, der ökologischen Seite gerecht zu werden. Zwar konnte der ursprüngliche Gedanke einer Agri-PV-Anlage, also eine Anlage, die auch landwirtschaftlich genutzt werden kann, aus Kostengründen nicht umgesetzt werden. Dennoch wurde darauf geachtet, möglichst wenig in das Grundstück einzugreifen. Die Pfosten der Solarpaneele wurden nicht mit Fundamenten im Boden verankert, sondern eingerammt. So kann man sie beim Abbau ohne Rückstände aus dem Boden ziehen. Zudem wurde autochthones Saatgut auf dem Gelände ausgebracht, das der Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb entspricht. Dieses bekommt nun zwei Jahre Zeit, heranzuwachsen. Dann wird eine Beweidung mit Schafen vorgenommen, um das Grund- stück zu hegen. Durch die Stromproduktion werden pro Jahr 29 600 Tonnen CO2 eingespart, die Strommenge könnte 23 500 Haushalte ein Jahr lang versorgen.
Und vielleicht wird der Solarpark noch nachhaltiger. Langfristig soll auch das Thema Wasserstoff eine Rolle spielen, wie Camilla Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg verrät. Mit der Unterstützung der Gemeinde kann dann wahrscheinlich erneut gerechnet werden.