Wie lange die alten Obstbäume der Familie Schmid schon zum Hof gehören, lässt sich kaum genau sagen. Sicher ist: Schon Franz Schmids Großvater bewirtschaftete die Wiesen mit ihren zahlreichen Obstbäumen. „Als Kind war ich schon dabei, als mein Opa die Äpfel geerntet hat und daraus Most und Saft gemacht wurde“, erinnert sich Franz Schmid. Auch er kümmerte sich lange Zeit im Nebenerwerb um die Streuobstwiese, während auf dem Hof noch Landwirtschaft betrieben wurde. Heute ist die Landwirtschaft verpachtet – geblieben ist die Streuobstwiese. Und vor allem die Leidenschaft der Familie für ihr Obst und für die Natur.
Auf rund 7 000 Quadratmetern stehen insgesamt 74 Bäume. 34 davon sind Apfelbäume, dazu kommen unter anderem Birn-, Zwetschgen-, Kirsch- und Walnussbäume. Besonders vielfältig ist die Auswahl der Apfelsorten. Viele alte Sorten wachsen hier und sorgen dafür, dass der Saft jedes Jahr ein wenig anders schmeckt. Denn nicht nur das Wetter beeinflusst die Ernte, sondern auch die unterschiedlichen Sorten tragen ihren ganz eigenen Charakter bei. Franz Schmid hat dabei einen klaren Favoriten: den Boskop-Apfel.
Ernte mit der ganzen Familie
Gespritzt wird auf der Streuobstwiese des Donauwörther Betriebes nicht. Die Familie setzt auf Natur pur und bewirtschaftet ihren Betrieb nach ökologischen Grundsätzen. Geerntet werden die Äpfel allesamt von Hand – mit Unterstützung von Freunden und der gesamten Familie. Dabei ist Geduld gefragt, denn die verschiedenen Sorten werden zu unterschiedlichen Zeiten reif. Während beispielsweise der Jakob-Fischer-Apfel bereits im August geerntet werden kann, lassen sich andere Äpfel erst Anfang Oktober pflücken.
Ist eine Sorte reif, geht es direkt weiter zur Verarbeitung. Die Äpfel werden regional in Marxheim gepresst. In guten Jahren kommen dabei sechs bis acht Tonnen Äpfel zusammen. Aus einem großen Teil wird dann Saft gepresst, rund 3 000 Liter können abgefüllt werden. So hält sich der Saft aus zertifizierten Bioland-Äpfeln bis zu zwei Jahre und kann auch dabei helfen, ertragsschwächere Erntejahre auszugleichen. Für die Pflege der Streuobstwiese hat die Familie tatkräftige
Unterstützung. Die wohl ungewöhnlichsten Mitarbeiter sind die Schafe. Die Familie hält eine kleine Herde Schafe verschiedener Rassen, die sich hervorragend als natürliche Landschaftspfleger eignen und den Kreislauf in der Landwirtschaft schließen. Sie
interessieren sich vor allem für das Gras und verschonen dabei die Rinde der Obstbäume. Die Äpfel allerdings sind für die Tiere ein wahrer Gaumenschmaus. Auch Bienen fühlen sich auf der Streuobstwiese pudelwohl. Mehrere Bienenvölker der Honigbiene werden von einem Imker aus der Nachbarschaft betreut. Zusammen mit einer großen Zahl wildlebender Insekten sorgen sie dafür, dass die Blüten der Obstbäume bestäubt werden, und sind damit ebenfalls ein wichtiger Teil des natürlichen Kreislaufs auf der Wiese. Zudem wurde das Areal als vogelfreundlicher Garten zertifiziert.
Von Apfel-Beete bis Apfel-Karotte
Familie Schmid ist nicht nur traditionsbewusst, sondern auch experimentierfreudig. Immer wieder entstehen neue Ideen rund um das Obst, das auf der Streuobstwiese reift. So wurden in der Vergangenheit beispielsweise schon Apfelsäfte mit regionaler Roter Beete oder Karotten gemixt, die als Gemüse nicht der Norm für den Supermarkt entsprachen. „Als kleiner Betrieb kann man leichter herumexperimentieren und sich durch Individualität und Regionalität von der Nahrungsmittelindustrie abheben“, findet die Familie. Daher produziert sie auch nach den Grundsätzen: naturrein, regional, normfrei.
Seit etwa sechs Jahren verkauft die Familie ihren Saft als „Die Obstschmiede“ auch gewerblich. Immer freitags kann der Saft
direkt ab Hof gekauft werden. Wenn die Erntezeit beginnt, bietet die Familie außerdem frisches Obst zum Verkauf an. Auf der Website der Familie lässt sich nachsehen, wann bspw. gerade Äpfel erhältlich sind. Auch im Donauwörther Café La Kami wird der Saft der Familie Schmid ausgeschenkt und Kuchen mit dem Obst gebacken. Weitere Gastronomiebetriebe dürfen sich gerne anschließen: „Wir würden uns über weitere Bekenntnisse zu regionalem Genuss freuen“, sagt die Familie.
Eine Zukunft für alte Sorten
Dass die Streuobstwiese auch in Zukunft erhalten bleibt, ist für die Familie eine Herzensangelegenheit. Franz und Monika Schmid haben die Verantwortung inzwischen an die nächste Generation übergeben. Gemeinsam mit ihren Töchtern Magdalena und Caroline soll die Streuobstwiese weitergeführt und behutsam entwickelt werden. Immer wieder pflanzt die Familie auch alte Apfelsorten nach. So bleibt nicht nur die eigene Familientradition lebendig, sondern auch ein Stück regionaler Sortenvielfalt erhalten. Für Caroline Schmid ist der Kauf des Saftes deshalb mehr als nur der Erwerb eines Getränks: „Man tut mit jedem Cent etwas Gutes.“ Wer den Saft kauft, unterstützt einen kleinen Familienbetrieb, entscheidet sich für ein regionales Produkt und trägt gleichzeitig dazu bei, dass die Streuobstwiese auch für kommende Generationen erhalten bleibt.
Dabei geht es der Familie nicht nur um den Erhalt alter Sorten. Sie möchte auch ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist. Denn eine Streuobstwiese ist ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen und liefert zugleich Lebensmittel direkt vor unserer Haustür. Dass dabei nicht jeder Apfel makellos aussehen muss, gehört für die Familie ganz selbstverständlich dazu. „Unsere Äpfel sind ein Naturprodukt“, sagt Monika Schmid. Und manchmal steckt eben auch ein Wurm darin. „Aber wenn dem Wurm der Apfel schmeckt, dann ist er wirklich gut“, sagt sie lachend.