Waldfriedhof

Nach dem Leben eins mit der Natur

Waldfriedhof in Donauwörth Bild: Bild: Jennifer Wimmer
Der Wunsch nach einer naturnahen Bestattung wächst – auch im Landkreis Donau-Ries. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst gegen das klassische Erdgrab und für eine letzte Ruhestätte im Wald. In Donauwörth trägt

Der Trend geht in unserer Region eindeutig zu Urnenbestattungen“, erklärt Simon Srownal, Amtsleiter Bürger dienste, Sicherheit und Soziales der Stadt Donauwörth. Gemeinsam mit der Friedhofsverwaltung beobachtet die Stadt seit Jahren, wie sich die Wünsche der Bevölkerung verändern. Deshalb werden die Friedhöfe kontinuierlich an die Bedürfnisse der Menschen angepasst. Ziel sei es, für jede persönliche Vorstellung von Abschied und Erinnerung eine passende Grabstätte anbieten zu können. So ist unter anderem geplant, künftig auch auf dem städtischen Friedhof Urnenbestattungen an Bäumen zu ermöglichen.

Ein Friedhof, der sich dem Wald anpasst

Mit dem Waldfriedhof Silva Terra wurde in Donauwörth 2018 ein Ort geschaffen, an dem Natur und Abschied eng miteinander verbunden sind. Dabei wurde der Wald nicht für den Friedhof umgestaltet. Vielmehr passte sich der Friedhof dem bestehen- den Wald an. Die Natur darf hier ihren eigenen Lauf nehmen. Totholz wird nicht entfernt, solange keine Gefahr besteht. Selbst wenn ein Baum umstürzt, an dessen Wurzeln Urnen beigesetzt wurden, bleibt er als wichtiger Bestandteil des Ökosystems im Wald liegen. „Die Natur regelt das selbst“, beschreibt Srownal das Konzept.

Die letzte Ruhe unter einem Baum

Mehr als 300 Bäume sind inzwischen als Bestattungsbäume ausgewiesen. An rund 130 von ihnen wurde bereits mindestens eine Person beigesetzt. Jeder Baum bietet Platz für bis zu zwölf Urnen, die in einem Umkreis von etwa zwei Metern um den Stamm ihre letzte Ruhestätte finden. Verwendet werden ausschließlich biologisch abbaubare Urnen, die speziell für Bestattungen im Waldfriedhof vorgesehen sind. Angehörige können entweder einzelne Grabstätten erwerben oder einen gesamten Baum reservieren. Neben Gemeinschaftsbäumen gibt es auch Familienbäume, an denen mehrere Generationen einer Familie ihre letzte Ruhe finden können.

Die steigende Nachfrage zeigt sich auch in den Bestattungszahlen. „Während im Jahr 2024 55 Menschen auf dem Waldfriedhof in Donauwörth ihre letzte Ruhe fanden, waren es 2025 bereits 86 Bestattungen“, erklärt Annette Regler von der Donauwörther Friedhofsverwaltung. Auch bei den Kosten gibt es unterschied- liche Möglichkeiten. Diese richten sich zum einen danach, ob nur eine Grabstätte oder ein kompletter Familienbaum gewählt wird, zum anderen spielt auch die Größe beziehungsweise der Stamm durchmesser des Baumes eine Rolle. Eine Grabstätte an einem kleinen Gemeinschaftsbaum kostet für eine Nutzungsdauer von 15 Jahren rund 750 Euro. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, bereits zu Lebzeiten eine oder mehrere Grabstätten oder einen ganzen Baum zu reservieren.

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Friedhöfen zeigt sich beim Grabschmuck. Im Bestattungswald sind ausschließ- lich lose Blumen oder Blütenblätter am Baum erlaubt. Kränze, Gestecke, Grablichter oder andere Dekorationen gehören bewusst nicht zum Konzept. Gerade dieser Gedanke überzeugt laut Simon Srownal viele Menschen. 

Ein Grab muss nicht gepflegt werden. Für Angehörige entfällt damit die Verpflichtung zur regelmäßigen Grabpflege. Ein Fakt, der insbesondere für Familien, deren Angehörige weiter entfernt wohnen oder körperlich nicht mehr dazu in der Lage sind, eine große Erleichterung sein kann. Im Donauwörther Waldfriedhof übernimmt die Natur selbst die Gestaltung der Grabstätte.

 

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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