6. Mai 2019, 14:34

„Suche der Stadt Bestes“

Dr. Margot Käßmann und OB Hermann Faul bei der Eintragung in das Goldene Buch Bild: Doris Dollmann
Dr. Margot Käßmann trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Nördlingen ein.

Mit dem Bibelspruch: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohl geht, so geht's auch euch wohl“ oder übersetzt „Kümmert euch um die Wohlfahrt der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zu Jahwe; denn ihre Wohlfahrt ist eure eigene Wohlfahrt!“ Jeremia (29,7) in seinem Brief an die Weggeführten in Babel trug sich die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) in das Goldene Buch ein.

Margot Käßmann war in erster Linie aber privat in der Stadt, denn ihre langjährige Freundin, Dr. Elke Rutzenhöfer aus Baldingen, feierte ihren 60. Geburtstag. So lag es nahe, der Einladung des ev. Bildungswerkes und der Buchhandlung Lehmann zu folgen, um in der St. Georgskirche aus ihrem Buch vorzulesen. „Geschwister der Bibel – Geschichten über Zwist und Liebe“, so der Titel, ist ein Gemeinschaftswerk der beiden Freundinnen. Dr. Rutzenhöfer, die stets betont, Baldingerin und nicht Nördlingerin zu sein, leitet derzeit das Medienhaus der ev. Kirche Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz (EKBO).

Oberbürgermeister Hermann Faul ließ einen Teil der Heimatgeschichte Revue passieren, angefangen von der Entstehung des Rieses über die einst freie Reichs- und Messe-Stadt bis hin zum heutigen Wirtschaftsstandort mit der erfreulich niedrigen Arbeitslosenquote von 1,4 Prozent. Nicht fehlen durfte in seinem Rückblick die Kirchengeschichte. Bekanntlich war Nördlingen bereits in den Anfängen der Reformation bei den Protestanten. Bereits 1518 – ein Jahr nach dem Thesenanschlag Luther's – wurde in Nördlingen erstmals eine Messe in Deutscher Sprache gelesen. Als freie Reichsstadt war Nördlingen jedoch im Zwiespalt zwischen dem katholischen Kaiser und der Reformation. Die Nördlinger protstierten zwar 1529 in Speyer, unterschrieben jedoch den Vertrag von 1530 nicht. Erst 1555 bekannte sich die Stadt beim Augsburger Religionsfrieden offiziell zum evangelisch-luthrischen Glauben. Von da an gab es in der Stadt keine Katholiken mehr. Aufgrund der Flüchtlinge, die nach 1945 nach Nördlingen kamen, sind heute beide Konfessionen gleich stark vertreten. Faul lobte die gute und vor allem gelebte Ökumene der beiden Kirchen.(pm)