14. Oktober 2019, 13:42

„Weil das Wir mehr zählt, als das Ich“

Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, war Laudatorin bei der Verleihung des Rieser Heimatpreis an Leonhard Dunstheimer. Bild: Doris Dollmann
Am Sonntagabend wurde der Rieser Heimatpreis an Leonhard Dunstheimer verliehen.

Das hätte sich Leonhard Dunstheimer wohl auch nicht träumen lassen, dass er selbst einmal Preisträger des von ihm 1983 ins Leben gerufenen Rieser Heimatpreises werden wird. Die Raiffeisen-Volksbank Ries eG vergibt die Auszeichnung an Personen oder Institutionen, die sich in besonderer Art und Weise ehrenamtlich um die Rieser Heimat verdient gemacht haben. „Zusammengerechnet 511 Jahre Ehrenamt, Gründer zahlreicher Stiftungen, ein Visionär und Pionier“, mit diesen Worten würdigte die Präsidentin des Bayrischen Landtages, Ilse Aigner, den Preisträger in ihrer Laudatio.

„Was einer nicht schafft, schaffen viele!“ Diesen Genossenschaftsgedanken des Raiffeisen-Gründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen habe Dunstheimer beispielhaft umgesetzt. Mit 23 Jahren war er jüngster Bankvorstand, im Alter von 37 Jahren bereits Vorstandsvorsitzender. Ihm sei es gelungen, 60 einzelne Kassen zum größten Kreditinstitut zusammen zu führen. Mit der Gründung der AGRO setzte er 1994 neue Maßstäbe für den landwirtschaftlichen Handels- und Lagerbetrieb. Gewürdigt wurde mit der Preisverleihung jedoch sein ehrenamtliches und gemeinnütziges Engagement.

511 Jahre Ehrenamt

Zählt man alle Ehrenämter des 71-jährigen zusammen, kommt man auf über 500 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit. Dazu gehören u. a. die Gründung der VRBürgerstiftung im Jahr 2007 nach seinem Eintritt in den Ruhestand, stellvertretender Vorsitzender der Kulturstiftung Harburg, Ehrenvorstand der Anton-Jaumann-Stiftung zur Pflege der Kirchenmusik im Ries, sowie der Stiftung Margarte Jaumann für arme Kinder, Stiftungsvorsitzender der Stiftung „Antonio Rosetti“, stellvertretender Vorsitzender „Glühwürmchen-Kinderkrebs- Stiftung“, um nur einige zu nennen. 2008 gründete er mit seiner Frau Viktoria die „Stiftung Hoffnung“ für die Hilfe bei der Resozialisierung und Unterstützung strafgefangener Jugendlicher in der JVA Niederschönenfeld.

Rieser Heimatpreis das „i-Tüpfelchen“

Seit 1999 ist Dunstheimer Mitglied im Deutschherrenbund, Familiare im Deutschen Orden, Komturei „Isar, Lech, Donau“, 2008 erhielt er die Raiffeisen/Schulze/Delitzsch-Medaille in Gold sowie die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Bayerische Wirtschaft, ein Jahr später den Bayerischen Verdienstorden und 2016 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Seit 2018 ist er zudem Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Reimlingen. Dort spielt er übrigens Trompete im Musikverein. „Diese Auszeichnungen sollten eigentlich schon reichen“, meinte Landrat Stefan Rößle mit einem gewissen Augenzwinkern. „Nicht jedoch, wenn man im Ries wohnt!“ Und so sei der Rieser Heimatpreis das „i-Tüpfelchen“.

Stadt Nördlingen zu Dank verpflichtet

Oberbürgermeister Hermann Faul dankte Dunstheimer im Namen der Stadt Nördlingen, denn ihm sei der Erhalt des Nördlinger Scharlachrennens zu verdanken. Eine besondere Ehre sei es aber auch, dass Ilse Aigner nach Nördlingen gekommen sei. Eigentlich hätte sich die Landtagspräsidentin bereits bei der Eröffnung der Wemdinger Unterführung ins Goldene Buch der Stadt eintragen sollen. Dies holte sie ihm Rahmen der Preisverleihung nach.

Hier bringt mich keiner mehr weg

Er sei fast sprachlos, empfinde tiefe Dankbarkeit und sei besonders berührt. Dennoch fand Dunstheimer, wie immer, die passenden Worte. Typisch Banker, wartete er zunächst mit Zahlen auf: 17.636 Tage sei er jetzt im Ries daheim, und das machten 67,73 Prozent seiner Lebenszeitspanne aus. Eigentlich hätte er nur 5 Jahre bleiben wollen, als er am 01.06.1971 ins Ries kam. Trotz vieler verlockender Angebote aus großen Bankmetropolen ist er aber geblieben, nicht zuletzt aufgrund der Menschen, der Kultur, der Landschaft und den vielen Entwicklungsmöglichkeiten. Einmal, so erzählte er, kam er von einem Verhandlungsgespräch in einer dieser lauten Städte zurück, und sei doch ziemlich zerrissen gewesen. In Belzheim machte er Station und genoss den Blick ins Ries. Eine Stunde später fuhr er dann noch einmal in die Bank, und beim Durchfahren des Reimlinger Tores, der Gebäude rechts und links, fasste er den Entschluss: „Hier bringt mich keiner mehr weg!“.

Urkunde, Trophäe, Preisgeld

Wie Vorstandsvorsitzender der RVB Ries eG, Paul Ritter, in seiner Begrüßung erläuterte, war sich die Jury einig, den diesjährigen Heimatpreis an Leonhard Dunstheimer zu überreichen. Er erfülle mit seinem herausragenden ehrenamtlichen und gemeinnützigen Engagement die Richtlinien, die da sind: Stärkung der Gemeinschaft in sozialer und kultureller Hinsicht, Erhaltung und Pflege der Kulturgüter und traditionellen Werte (Brauchtumspflege) und Förderung der kulturellen Entwicklung. Neben Urkunde und Trophäe ist die Auszeichnung mit 5.000 Euro Preisgeld verbunden. Das werde er zunächst einmal zinsbringend anlegen, so der Preisträger, und später dann für ein kulturelles Projekt im Ries verwenden. Was das sein wird, könne man demnächst in der Zeitung lesen. Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von der kleinen Besetzung der Nördlinger Knabenkapelle unter Leitung von Oliver Körner. Nachdem auch Dunstheimers vier Enkel aus Hamburg gekommen waren, setzte das Orchester mit „Ankers away“ übersetzt „Anker gelichtet“ einen passenden musikalischen Schlusspunkt, wie stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RVB Ries eG Bernhard Ströbele in seinem Schlusswort anmerkte.