Große Unterstützung für die berufliche Inklusion im Landkreis: Am heutigen Nachmittag hat Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf die Werkstätten der Donau-Ries-Werkstätten GmbH am Stammsitz in Nördlingen besucht. Im Gepäck hatte sie einen Förderbescheid des Freistaats Bayern in Höhe von bis zu 3,9 Millionen Euro. Mit den Mitteln soll der Standort erweitert und umfassend modernisiert werden. Baubeginn ist nach aktuellem Stand im September 2026.
Modernisierung und neue Plätze geplant
Werkstätten für Menschen mit Behinderung leisten einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Bildung und Beschäftigung. Auch am Nördlinger Standort stehen nun umfangreiche Veränderungen an: Neben der Erweiterung der Förderstätte um zwölf zusätzliche Plätze werden insgesamt 222 Arbeitsplätze an moderne Standards angepasst. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten nachhaltig zu verbessern. Zu den Arbeitsbereichen zählen aktuell u.a. Leichtmontage, Schreinerei, Schlosserei, Wäscherei, und Garten- und Landschaftspflege. Ergänzt wird das Angebot durch eine Förderstätte für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf, in der aktuell 24 Personen betreut werden. Gemeinsam mit rund 100 Mitarbeitenden aus Betreuung, Fachpersonal und Verwaltung sind damit insgesamt etwa 360 Personen am Standort tätig.
Die neuerliche Investition ist Teil eines langfristigen Entwicklungskonzepts der Einrichtung. Bereits seit 2016 laufen Planungen für die bauliche Weiterentwicklung des Werkstattstandorts. Insgesamt umfasst das Projekt ein Volumen von rund 10,2 Millionen Euro. Nach Angaben der Verantwortlichen der Lebenshilfe sollen dabei ältere Gebäudeteile ersetzt beziehungsweise komplett saniert werden. Rund 3.000 Quadratmeter Fläche werden dabei neu strukturiert.
„Inklusion stärkt den Zusammenhalt“
Arbeitsministerin Scharf betonte bei ihrem Besuch die Bedeutung der Werkstätten für gesellschaftliche Teilhabe: „Es ist ein Segen, dass wir Werksätten, wie die Ihre haben. Inklusion stärkt den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Ich setze mich für ein Bayern ein, in dem für alle Menschen – unabhängig ob mit oder ohne Behinderung – Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben möglich sind. Berufliche Inklusion ist dabei ein wichtiger Schlüssel.“
Gerade für Menschen, für die der direkte Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich sei, seien Werkstätten ein wichtiger Bestandteil der Lebensrealität, so die Ministerin weiter. Gleichzeitig würdigte sie das Engagement der Träger und Mitarbeitenden. Auch Manfred Steger, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Donau-Ries, begrüßte die Förderung und verwies auf die jahrelangen Planungen. Die Modernisierung sei dringend notwendig gewesen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden und zeitgemäße Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Dies bestätigte auf Nachfrage auch Thomas Bissinger, Fachbereichsleitung der Donau-Ries-Werkstätten. Demnach sei die Modernisierung auch aufgrund baulicher und organisatorischer Anforderungen notwendig geworden. Vor allem in den Bereichen Brandschutz und Hygiene entspreche der bestehende Gebäudestand nicht mehr vollständig den heutigen Standards. So hätten sich Vorschriften in den vergangenen Jahren deutlich verändert – etwa hinsichtlich der Evakuierungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung im Brandfall. Ziel sei es, künftig noch stärker die Selbstständigkeit der Beschäftigten zu gewährleisten. Auch bei der Lebensmittelhygiene seien Anpassungen erforderlich. Aktuell verlaufen teilweise Arbeitswege durch den Speisesaal, etwa zwischen Lagerung und Zubereitung. Diese sogenannten Kreuzungswege entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen der Lebensmittelkontrolle", so Bissinger. Der Betrieb könne zwar weiterhin aufrechterhalten werden, langfristig sei eine bauliche Lösung jedoch unumgänglich.
Abriss ab Ende 2026 – Fertigstellung voraussichtlich 2029
Eine besondere Herausforderung stellt die Organisation während der Bauarbeiten dar. Im betroffenen Gebäudeteil arbeiten aktuell rund 100 Personen – sowohl Beschäftigte als auch betreute Mitarbeitende. Für sie müssen während Abriss und Neubau Ausweichflächen geschaffen werden. Geplant ist daher ein paralleler Neubau auf einem anderen Teil des Geländes. Ein Teil der Beschäftigten wird dort dauerhaft untergebracht, andere kehren nach Fertigstellung in den modernisierten Hauptbereich zurück.
Der Zeitplan für das Projekt ist bereits konkretisiert: Im September 2026 sollen zunächst vorbereitende Maßnahmen beginnen, darunter die Entkernung der bestehenden Werkstattbereiche sowie der Rückbau technischer Anlagen. Ziel ist es, den Abriss noch bis Ende 2026 abzuschließen. Der eigentliche Neubau soll anschließend etwa im März 2027 starten. Die Bauzeit wird derzeit auf rund eineinhalb bis zwei Jahre geschätzt. Eine Inbetriebnahme der neuen Gebäude ist damit voraussichtlich im Jahr 2029 möglich.