3. März 2020, 09:26

Ein Staatsfeiertag in Wemding

Von links nach rechts: 1. Vorsitzender Gottfried Hänsel, Marie-Luise Hänsel, Therese Gebert, Bürgermeister Dr. Martin Drexler, Landrat Stefan Rößle, verfolgen aufmerksam den Impulsvortrag von Herrn Dr. Wilifred Sponsel Bild: Monika Nawrath
Verein für ambulante Krankenpflege Wemding würdigt den 29. Februar als „geschenkten Tag“. Stadtarchivar Dr. Wilfried Sponsel referierte über die regionale Adelsgeschichte.

Es muss ein besonderes Ereignis sein, wenn sich an einem Samstagvormittag knapp 200 Gäste in den Saal der Gaststätte „Zur Wallfahrt“ in Wemding drängen. Wenn auch noch alle Bürgermeister der Stadt Wemding, Landrat Stefan Rößle und nicht zuletzt die städtische Geistlichkeit anwesend sind, bedeutet dies, dass es sich um keinen herkömmlichen Samstag handeln kann. Alle vier Jahre begeht der Verein für ambulante Krankenpflege Wemding den 29. Februar als „geschenkten Tag“. An diesem „zusätzlichen“ Tag lud der Verein zu geselligen Stunden mit einem kurzweiligen Programm für die gesamte Bevölkerung.

Von Resonanz überwältigt

Nach der schwungvollen musikalischen Begrüßung durch die Big Band der Anton-Jaumann-Realschule Wemding mit ihren beiden herausragenden Sängerinnen zeigte sich der erste Vorsitzende Gottfried Hänsel über die große Resonanz aus der Bevölkerung überwältigt. Allein der Blick auf die teilnehmenden Gäste, vom jüngsten Vereinsmitglied mit 25 Jahren bis zu mehreren Mitgliedern, die das 90. Lebensjahr bereits überschritten haben, zeigte eindrucksvoll die große Bereitschaft, diesen besonderen Tag gemeinsam zu begehen. Deswegen erklärte Hänsel den 29. Februar kurzerhand zum „Staatsfeiertag in Wemding“.

Impulsvortrag von Dr. Wilfried Sponsel

Dieses Jahr gelang es dem Vorsitzenden mit Herrn Dr. Wilfried Sponsel den Nördlinger Stadtarchivar für einen Impulsbeitrag zu gewinnen. Dr. Sponsel referierte über das Thema „Adelsgeschichte(n) – eine Zeitreise durch die Jahrhunderte in Wort und Bild“. In acht eindrucksvollen Kapiteln im Zeitraum von 1150 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ging es weniger um Klatschgeschichten, sondern vielmehr um die Schicksale und Begebenheiten aus der Geschichte der Adelsfamilien, die über Jahrhunderte hinweg den Heimatraum geprägt haben. So reagierten die Zuhörer überrascht, als sie erfuhren, dass kein geringerer als Wolfgang Amadeus Mozart als arbeitsloser Musiker im Oktober 1777 auf dem Weg nach Paris in Hohenaltheim bei Fürst Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein anklopfte. Mozart, der auf eine Anstellung in der bekannten Hofmusikkapelle hoffte, musste unverrichteter Dinge nach Paris weiterziehen, da dem Fürsten in dieser Zeit aufgrund des Todes seiner Frau nicht nach Musik zumute war. Kaum vorzustellen, welchen Lauf die Geschichte wohl genommen hätte, hätte Mozart die Anstellung in Hohenaltheim erhalten. Mit zahlreichen Verweisen auf die Fürstenfamilie des Hauses Oettingen sowie auf die geschichtliche Stellung der Städte Nördlingen und Wemding begeisterte Dr. Sponsel die anwesenden Gäste in seinem kurzweiligen Impulsreferat.

Miteinander Zeit verbringen

Vor dem gemeinsamen Mittagessen brachte es Stadtpfarrer Wolfgang Gebert auf den Punkt, als er in seinem Grußwort die Frage stellte, wie an einem geschenkten Tag mit der zusätzlichen Zeit umgegangen werden soll: „Vergeudet man die Zeit, verbringt den Tag sinnlos oder begeht man ihn sinnvoll“. Gebert stellte eindeutig klar, dass es ein riesiger Erfolg sei, wenn an einem Samstagvormittag zahlreiche Menschen miteinander Zeit verbringen, die sonst im Alltag weder die Zeit noch die Möglichkeit dazu hätten. Diese gemeinsam verbrachte Zeit führe zu einer starken Gesellschaft, die gerade in der heutigen Zeit dringend benötigt werde.

Bis weit in den Nachmittag saßen viele Gäste beim gemeinsamen Singen bekannter Volkslieder zusammen und verbrachten den 29. Februar so, wie es Gottfried Hänsel in seiner Begrüßung formuliert hatte – als einen geschenkten Tag. (pm)