24. November 2020, 15:03

Ursprünglich sollte die Psychiatrie nach Nördlingen kommen

Thomas Düll (Mitte) war zum letzten Mal als Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben im Bezirkskrankenhaus Donauwörth. Ihn verabschiedeten (von links) Ärztlicher Direktor Dr. Karel Frasch, dritter Bürgermeister Albert Riedelsheimer, Regionalleiter Stefan Reitsam und Pflegedirektorin Gabriele Bachhuber Bild: Schalk
Der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Düll verabschiedet sich vom BKH Donauwörth und seinen Mitarbeitenden – mit so mancher interessanten Anekdote.

Das Bezirkskrankenhaus (BKH) Donauwörth war der erste Standort, den der scheidende Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll, besucht hat, um sich dort von den Mitarbeitenden und der Krankenhausleitung zu verabschieden. „Ich wünsche dem Haus alles Gute, es hat eine gute Perspektive“, sagte der 57-Jährige, dessen Vertrag über den 31. Januar 2021 hinaus nicht verlängert wird. Es war eine kleine Verabschiedung, leger und im engsten Kreis – und selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygieneregeln zum Schutz vor dem Coronavirus.

Im Juni 1997 wurde Düll Direktor der schwäbischen Bezirkskrankenhäuser, damals noch Eigenbetriebe des Bezirkes Schwaben. „Einen Monat später kam ich nach. Ich begann meine berufliche Laufbahn im BKH Günzburg“, blickte der heutige Ärztliche Direktor des BKH Donauwörth, Privatdozent Dr. Karel Frasch, auf seine berufliche Anfangszeit zurück und darauf, was ihn in all den Jahren mit Thomas Düll verbunden hat. Zum Beispiel, dass der Vorstandsvorsitzende des heute selbstständigen Gesundheitsunternehmens (seit 2008) stets die Idee des Home Treatment unterstützt hat. „Diese Akutbehandlung zu Hause ist zwar defizitär, für die betroffenen Patienten jedoch sehr effektiv. Viele beneiden uns um diese Möglichkeit“, so Dr. Frasch. Der Chefarzt ist außerhalb der Corona-Zeit regelmäßig in aller Welt unterwegs, um bei Kongressen über die Erfahrungen mit Home Treatment zu referieren. „Dabei haben Sie stets meine US-Affinität unterstützt“, sagte Frasch in Richtung Düll.

Die Ausgründung des BKH Günzburg in Donauwörth ab 6. Dezember 2001 sei ein wichtiger Schritt in der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung gewesen, betonte der Ärztliche Direktor. 2016 wurde die Bedeutung des Standortes dadurch manifestiert, indem die bis dato psychiatrische Abteilung des BKH Günzburg zum selbstständigen BKH Donauwörth hochgestuft wurde. Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ist nach wie vor fest in der Donau-Ries Klinik integriert. Damit wurden Frasch Ärztlicher Direktor und Gabriele Bachhuber Pflegedirektorin. Gemeinsam mit Regionalleiter Stefan Reitsam (Augsburg) bilden sie die örtliche Krankenhausleitung. Apropos Bachhuber: Sie sei vom ersten Tag eine sehr große Hilfe gewesen, lobte Düll. Im Frühjahr nächsten Jahres geht sie in den Ruhestand. „Ich hätte nicht gedacht, dass Sie noch vor mir gehen, Herr Düll“, sagte die Pflegedirektorin.   

Frasch, Bachhuber und Reitsam dankten dem Vorstandsvorsitzenden auch im Namen der Belegschaft für die angenehme, langjährige Zusammenarbeit. „Das BKH und ich haben Ihnen viel zu verdanken“, sagte der Ärztliche Direktor. Anton Riedelsheimer kann bestätigen, dass die Kooperation mit dem Vorstand in Augsburg stets gut gewesen ist. Riedelsheimer, der heute nicht nur 3. Bürgermeister der Stadt Donauwörth, sondern auch Mitglied im Verwaltungsrat der Bezirkskliniken Schwaben ist, arbeitet als Sozialarbeiter im BKH Donauwörth.

Auslegung des Standorts nach Donauwörth

Wenn man so lange dabei ist wie Düll und in dieser Zeit so viel erlebt und bewegt hat wie er, dann kennt man so manche Anekdote, die schon längst in Vergessenheit geraten oder nie an die Öffentlichkeit gekommen ist. So zum Beispiel, dass die Psychiatrie ursprünglich nach Nördlingen kommen sollte. Zumindest sahen das die Pläne des Bezirkes und der örtlichen Politik vor. „Am dortigen Stiftungskrankenhaus hätte man aber neu bauen müssen“, erzählt Düll, der in eben dieser Klinik in Nördlingen geboren und getauft wurde. Dass es dann aber  Donauwörth wurde, hatte den Grund, weil eine Station der damaligen nagelneuen Donau-Ries Klinik leer stand (und damit weniger Hürden zu überwinden waren, wie zum Beispiel die Aufnahme ins Krankenhausbauprogramm des Freistaates, die damit hinfällig wurde). Außerdem hatte sich eine betagte Frau bereit erklärt, ihr Privatvermögen für ein Stockwerk im baulich noch notwendig gewordenen Anbau einzusetzen, um dort ein Einzelzimmer zu bekommen – für den Fall, dass sie einmal pflegebedürftig wird.  „Dann haben wir, der damalige Bezirkstagspräsident Dr. Georg Simnacher und ich, spontan gesagt: Den Rest finanziert der Bezirk selber“, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende noch ganz genau.

Los ging es 2001 in Donauwörth mit 16 stationären Betten und 24 Plätzen in der Tagesklinik. Das heutige BKH hat eine Station mehr: Es umfasst 40 stationäre Betten und 16 teilstationäre Plätze. Dazu kommt eine Psychiatrische Institutsambulanz. Damit versorgt die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik insbesondere den Kreis Donau-Ries sowie den näheren Umkreis. 

Düll ist zufrieden, dass der Schritt zur Dezentralisierung sich als richtig erwiesen hat. „Die heimatnahe Versorgung ist ein riesiger Vorteil für die Patientinnen und Patienten.“ Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden ist das BKH Donauwörth mittlerweile ganz selbstverständlich ein Teil der Donau-Ries Klinik und der Stadtgesellschaft geworden. „Ich danke Ihnen und allen Beschäftigten und bitte Sie, den Nachfolgern im Vorstand ebenfalls Ihr Vertrauen entgegenzubringen“, so Düll. Er selbst habe sich immer als Teamspieler gesehen. Neben dem Vorstandsvorsitzenden scheidet auch dessen Stellvertreter aus: Winfried Eberhardinger (65) geht zum 1. Februar 2021 in den Ruhestand. (pm)