24. Mai 2019, 12:45

Eine Hommage an einen außergewöhnlichen Mann

Günther Holzhey vom Museum augenblick. Bild: Doris Dollmann
Die Movie-Bande würdigt Günther Holzhey vom Museum Augenblick

In knapp 30 Minuten gelingt es der AG „Movie-Bande“ der Grundschule Mitte Nördlingen das außergewöhnliche Leben von Günther Holzhey zu skizzieren. Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse haben unter Leitung ihres Förderlehrers Dieter Scholz eine Retrospektive geschaffen, die im gekonnten Schnitt Interviews, alte Fotos und Live-Mitschnitte von Museumsführungen zu einem Film verschmelzen lässt. Dazwischen moderieren die beiden Hauptakteure und erzählen Holzheys Lebensgeschichte. Technisch versiert verwenden die Nachwuchsfilmer hier die „Blue Box“, aber auch andere film- und schnitttechnische Verfahren finden in dem Film Anwendung und zeugen von umfangreichem Knowhow.

Günther Holzhey wurde am 16. Mai 1937 in Leipzig geboren, und lernte zunächst Drucker. Seine große Leidenschaft gehörte jedoch schon immer dem Film und so wollte er eigentlich Kameramann werden. Allerdings ergriff er dann den Beruf des Orgelbauers und widmete sich vor allem kleinen Drehorgeln. 1981 ersteigerte er in London „seine“ Laterna Magica aus dem Jahr 1870. Gemeinsam mit seiner Frau Ruth Baumer zog er in ganz Europa von einem Festival zum anderen und zeigte seine Show, getreu dem Motto „Als die Bilder laufen lernten“. Als er und seine Frau auf dem Heimweg von Salzburg in Nördlingen Pause machten, verliebten sie sich spontan ins „Schlössle“, das damals noch sehr baufällig war. Altoberbürgermeister Paul Kling bot dem Künstler-Ehepaar stattdessen das ehemalige Pfarrhaus an. Der Stadtrat stimmte einer Sanierung zu, und so hielt das Museum „Augenblick“ am Obstmarkt im Schatten des Daniels am 19. Mai 1994 Einzug im Erdgeschoß, die Familie Holzhey im ersten Stock.

Der Nördlinger Maler Alexander Wachtel bezeichnete ihn als optischen Zauberer, der seine Führungen im Museum sehr kindgerecht verpacke. Archivar Dr. Wilfried Sponsel lobte nicht nur die frische humorvolle Erzählweise Holzheys sondern auch seine schriftstellerischen Fähigkeiten. „Von zehn seiner Ideen haben wir mindestens acht umgesetzt“, erzählt Stadtsprecher Rudi Scherer im Interview und erinnert an „Bach am Bach“. Er gab zu, dass er anfangs gar nichts mit diesem Vorschlag anfangen konnte, bis sich herausstellte, dass mit dem Bach die Eger bzw. der Komponist gemeint waren. Es handelte sich um musikalische Darbietungen entlang der Eger vom Oberen zum Unteren Wasserturm. Buchhändler Ralf Lehmann schwärmt vom gemeinsamen Frühstück und den intensiven Gesprächen, denn Holzhey habe seiner Meinung nach eine ganz eigene Sicht auf die Welt. 2006 beteiligte sich der Protagonist ebenfalls bei der „Movie-Bande“ als Schauspieler in einem Mysterie-Film. 2012 erhielten er und seine 2010 verstorbene Frau den Rieser Kulturpreis.

„Immer spontan bleiben! Jahresprogramme sind nichts für mich!“ ist das Lebensmotto des 82-jährigen, dessen Leibspeise übrigens Spaghetti Bolognese ist. Auch das wird in dem Film verraten. Und so verkündete Holzhey bei der Premiere, dass er schon wieder eine neue Idee habe. „Nördlingen ist die Stadt der fünf Tore, wir Menschen haben fünf Sinne! Herr Scherer, wir machen ein Festival der fünf Sinne!“ Scherer quittierte ebenso wie Oberbürgermeister Hermann Faul mit einem sprachlosen Lächeln, „Der Film macht mich größer, als ich eigentlich bin“, würdigte Holzhey die Arbeit der Schüler, die leider nicht zur Uraufführung gekommen waren. Zu sehen gibt es den Film demnächst auf der Internetseite der Stadt Nördlingen, ebenso wie den Film über das Stabenfest, der als Zugabe gezeigt wurde.