Die schwäbische Mundart lebt – und wie. Das wurde beim Festakt zur Verleihung des Schwäbischen Mundartpreises der Dr.-Eugen-Liedl-Stiftung im Gasthaus Rose in Mönchsdeggingen eindrucksvoll deutlich.
Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr die Grundschule Mönchsdeggingen sowie der 80-jährige Mundartdichter Max Mayershofer, bekannt als eine Hälfte des Duos „Max und Uli aus Dapfe“. Beide erhielten die Ehrung für ihre besonderen Verdienste um die Pflege der schwäbischen Sprache und Kultur.
Den Festakt eröffnete Schulleiterin Katja Ruf-Lettenmeier – selbstverständlich im Rieser Dialekt. Lange Vorreden brauche es nicht, meinte sie augenzwinkernd: „Fanga mer a, net dass no ebbr verkätzlt.“ Mit diesem herzlichen Einstieg war der Ton für eine Feier gesetzt, bei der die Mundart nicht nur Thema, sondern gelebte Sprache war.
Professor Klaus Wolf, Vorstand der Dr.-Eugen-Liedl-Stiftung, unterstrich den hohen Wert des Dialekts. Wer mit Mundart und Hochdeutsch aufwachse, wachse praktisch zweisprachig auf und bringe dadurch beste Voraussetzungen für das Erlernen weiterer Fremdsprachen mit. Dialekt sei deshalb keineswegs rückständig und altmodisch, sondern eine Bereicherung.
Auch der stellvertretende Bezirkstagspräsident Peter Schiele griff ganz selbstverständlich zum Dialekt. Mit einem Schmunzeln verwies er auf seinen Kalender mit schwäbischen Dialektwörtern und lobte die Arbeit der Stiftung und der beiden Preisträger. Bürgermeisterin Karin Bergdolt bekannte sich ebenfalls zur Rieser Mundart. Auch wenn sie manchmal etwas sperrig und außerhalb der Region nicht überall geläufig sei, möge sie diese gerade wegen ihrer Eigenständigkeit und ihres besonderen Klangs.
Die Laudatio auf die Grundschule hielt Heike Burghardt vom Verein Geopark Ries. Sie bezeichnete die Mönchsdegginger Schule als ein außergewöhnlich kreatives und engagiertes Mitglied im Netzwerk der Geopark-Ries-Schulen. Besonders hob sie hervor, dass Dialekt ein wertvoller Teil des immateriellen kulturellen Erbes sei. Einen wichtigen Beitrag dazu habe die Schule bereits mit dem Projekt „Dialekte im Ries“ geleistet, das maßgeblich von Lehrerin Emily Sartory initiiert und begleitet wurde und auch heute noch auf den Schautafeln im Mönchsdegginger Geotop per QR Code präsent ist .
Wie intensiv sich die Schule mit der Sprache, Geschichte und Kultur des Rieses beschäftigt, konnten die zahlreichen Gäste nicht nur von Frau Burkhardt hören, sondern unmittelbar erleben. Schülerinnen und Schüler der ersten bis dritten Klassen trugen Gedichte in Rieser Mundart vor, die Alexander Schmidt mit ihnen einstudiert hatte. Besonders das Gedicht „Ds Häwädr“ eroberte die Herzen des Publikums.
Musikalisch begeisterte der Schulchor unter der Leitung von Katrin Benning-Lill und Ulrike Seidl mit dem Lied „A ganz Johr Mess“ des Rieser Mundart-Duos Okomod. Die beiden Lehrerinnen hatten bereits im vergangenen Herbst gemeinsam mit Chor und beiden Musikern den Refrain des Mess-Liedes aufgenommen, der auch auf einer CD veröffentlicht wurde. Auch das Begrüßungslied „Hallo“ und der „Rausschmeißer“ „Der schönste Tag in meinem Leben“ zeugten vom musikalischen Können der Chorleiterinnen und der Singfreude der Kinder.
Für große Begeisterung sorgte anschließend eine Original Rieser Kittlschurz Modenschau. Katrin Benning-Lill, Emily Sartory und Annett Schäfer hatten mit den Klassen 4a und 4b die traditionelle Rieser Kittelschürze – den „Kittelschurz“ – ausgiebig erforscht. Interviews mit Zeitzeuginnen, Bildmaterial und fleißige Recherchearbeit führten zu interessanten Stelltafeln, die die Ergebnisse dokumentierten. Höhepunkt war eine Modenschau ganz im Stile der Pariser Haute Couture - mit selbst bedruckten Kittelschürzen, „Blauschurz“ und Blauhemd, welche die Viertklässlerinnen und Viertklässler schwungvoll auf den Laufsteg brachten. Humorvolle Kommentare über Fensterputzen, Bettenbeziehen, die praktischen Taschen oder den schwarzen Kittelschurz im Trauerjahr sorgten für viel Schmunzeln im Publikum.
Auf dem über das normale Maß hinausgehenden Engagement der für das Programm verantwortlichen Lehrkräfte fußt auch der Mundartpreis in vielen Teilen. Hierfür ein großer Dank. Die Laudatio für Max Meiershofer hielt dessen langjähriger Gesangspartner Uli Wiskirchen. Er beschrieb ihn als Dichter und Musiker, der Tradition und Moderne verbindet – vom heimatverbundenen Gedicht bis zum humorvollen „PC-Jodler“ „Guugel, guugel, jahu!“. Außerdem würdigte er den Preisträger als einen Menschen, der seine Mitgeschöpfe mehr liebt als den Konsum und der mit seinem Lied „Denk positiv“ betont, dass Zupacken mehr bringt als Schwarzmalen.
Zum Abschluss betonte Schulrätin Iris Samjdar, Dialekt stifte Identität und Heimat, könne aber auch ausgrenzen. Deshalb solle Mundart gepflegt und zugleich Offenheit gegenüber allen Menschen gelebt werden. Dies sehe sie bei beiden Preisträgern gleichermaßen.
Nach lang anhaltendem Applaus klang die Feier bei Pizza für die Kinder und einem Büfett für die Erwachsenen aus. Während Max Meiershofer die Verwendung seines Preisgeldes noch offenlässt, haben die Schülerinnen und Schüler der Grundschule bereits demokratisch entschieden: Sie möchten gemeinsam in den Schwabenpark fahren und ihren Pausenhof mit einem neuen Spiel- oder Sportgerät bereichern. So kommt der Preis der gesamten Schulgemeinschaft zugute. (dra)