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Probestunde Steirische Harmonika (Bild: DRA)

Musik öffnet Herzen Teil 3 – Musik in der Praxis

Im aktuellen blättle ist Musik unser Titelthema. Dieses stellen wir euch in einer mehrteiligen Serie auch online vor. In Teil 3 geht es um die Praxis, hierfür habe ich eine Probestunde in der Harmonika Musikschule im Ries genommen.

Theorie ist schön, aber nun muss ich an die Praxis ran. Dazu muss gesagt werden: Ich spiele kein Instrument. Ich gehe also völlig ohne Vorkenntnisse – übrigens auch ohne viel Theorie- und Notenkenntnis – zu einer Probestunde bei Michael Thum. Er ist Musiker und Lehrer für
Steirische Harmonika und hat in Niederaltheim mit der Harmonika Musikschule im Ries sein Hobby zum Beruf gemacht. Zurzeit hat er rund
40 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 8 und 80 Jahren. „Aber die Nachfrage steigt. Tradition ist wieder ‚in‘ und gerade viele junge
Menschen greifen wieder zu Dirndl, Lederhosen und eben auch zur Steirischen Harmonika“, freut er sich.

Da ich nicht einmal weiß, was genau eine Steirische Harmonika eigentlich ist – ich stelle mir eine Ziehharmonika oder halt „a Quetschn“ vor – frage
ich lieber einmal nach. Michael Thum erklärt, dass es sich um ein Handzuginstrument handelt, das diatonisch ist. Diatonisch? „Das bedeutet ‚wechseltönig‘. Das Instrument macht beim Betätigen einer Taste unterschiedliche Töne je nachdem ob man zieht oder drückt. Es gibt aber auch Gleichtontasten und hinzu kommen die Bässe“, erklärt mir Michael Thum.

Am besten, ich probiere das mal selbst aus und schnalle mir ein Instrument um. Als erstes bemerke ich, dass es schon ein gewisses Gewicht hat. Der Lehrer erklärt mir, dass es die Instrumente in den verschiedensten Ausführungen und Gewichten gibt. Schön finde ich, dass man sowohl im Sitzen, als auch im Stehen spielen kann. „Ich unterrichte nach der Methode von Prof. Florian Michlbauer, das ist eine relativ einfache Lernmethode, man braucht keine Noten lesen können und es stellen sich schnell erste Erfolge ein. Du wirst heute schon ein Lied spielen“, verspricht Michael Thum. Er zeigt mir die Grundhaltung der Finger und schon übe ich die ersten Töne. Die Noten muss ich nicht kennen, ich muss mir lediglich merken, welche Note welchem Finger entspricht. Ob ich auf Druck oder auf Zug spielen muss, sehe ich daran, ob die Noten unter den Notenlinien noch einmal unterstrichen sind (Druck) oder nicht (Zug). Mit nur drei Fingern kann ich so schon das „Hiatamadl“ spielen.

Dann kommen die Bässe hinzu, die werden mit der linken Hand gespielt und sind auf dem Notenblatt durch Buchstaben in Groß- oder Kleinschrift gekennzeichnet. Ich merke, dass die Übung mein Gehirn fordert: Ich muss mit der linken und rechten Hand unterschiedliche Dinge tun, abwechselnd noch ziehen oder drücken und die Noten den Fingern zuordnen. Damit Hirn und Hände harmonisch zusammenspielen braucht
es Übung, meine Melodien klingen noch etwas schief. „Das ist reine Übungssache“, beruhigt mich Michael Thum und ergänzt: „Ich empfehle
lieber häufiger am Tag mal 10 Minuten zu üben, als gleich zwei Stunden am Stück. Anfangs sollte man auch in einem ganz langsamen Takt spielen
und diesen ruhig laut mitzählen oder mit dem Fuß klopfen. Schneller spielen lernt man dann mit der Zeit.“ Takt, fällt mir auf, ist ganz wichtig. Hier
macht sich etwas Theoriekenntnis doch bezahlt, wenn man weiß, was ein Dreivierteltakt oder ein Viervierteltakt ist. Auch was ganze oder halbe
Noten sind. Aber in den Übungsheften ist das alles ganz einfach erklärt und ich habe Spaß an den Übungen, auch wenn es noch etwas unbeholfen
klingt. „Nach 4–6 Wochen geht es leichter, und dann kannst du schon mehrere Lieder spielen. Das Schöne an der Steirischen ist, dass du mit nur fünf Tasten schon rund hundert Lieder spielen kannst“, sagt mein Lehrer und behält recht, nach einigen weiteren Übungen und knapp 30 Minuten spiele ich – etwas schief – „Hans, was tuast denn du da“.

Es hat riesig Spaß gemacht und ich kann eine Schnupperstunde sehr empfehlen. Neben Michlbauer Notenheften für traditionelle Lieder gibt
es übrigens auch Hefte für modernere Stücke aus dem Rock- oder Popbereich oder, jetzt zu Weihnachten, auch mit Weihnachtsliedern. In den nächsten beiden Teilen schaue ich mir dann an, wie Musik im Studio entsteht und wie sie live auf der Bühne gespielt wird.

Über Verena Gerber-Hügele

Chefredakteurin. Hat die Oberaufsicht übers blättle. Macht am liebsten Reportagen, Reiseberichte und Interviews. Auch verantwortlich für Art Direction und Freihandzeichnungen im blättle. Naturverbunden, hält sich zu Hause einen halben Bauernhof.

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