Die größten Schätze liegen oft dort verborgen, wo der Blick achtlos vorüberzieht. Zwischen Wiesen, Feldern und sanften Hügeln, rund 1.100 Meter nördlich von Unterwilflingen, befindet sich ein Ort, der auf den ersten Blick kaum auffällt. Und doch öffnet sich genau hier, randlich innerhalb des Riesenkraters gelegen, ein Fenster in eine Zeit, die Millionen Jahre zurückreicht. Mit der offiziellen Einweihung der ursprünglichen Sandgrube am Limberg erhält der Geopark Ries ein neues Geotop und zugleich seinen ersten Standort in Baden-Württemberg.
Den Auftakt der Veranstaltung übernahm der Bürgermeister der Gemeinde Unterschneidheim, Johannes Joas, mit seinem Begrüßungswort.
Was heute ein geologischer Lern- und Erlebnisort ist, wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch genau darin liegt sein besonderer Wert. Der Landrat des Ostalbkreises und stellvertretende Vorsitzende des Geopark Ries, Dr. Joachim Bläse, macht deutlich, dass Geologie nicht im Lehrbuch bleiben dürfe, sondern erlebbar werden müsse. Orte wie dieser seien entscheidend, um Erdgeschichte greifbar zu machen und Menschen direkt an die Spuren der Vergangenheit heranzuführen.
„Es ist ganz wichtig, dass wir die Landschaft erlebbar machen mit ihrem geologischen Erbe für die gesamte Bevölkerung“, sagt auch Geopark Ries-Geschäftsführerin Heike Burkhardt. Die Entstehung des Geotops ist das Ergebnis eines langjährigen Zusammenspiels zwischen Ortschaft und Gemeinde sowie einer grenzüberschreitenden Kooperation zwischen Bayern und Baden-Württemberg.
Geopark Ries feiert Jubiläum
Die Eröffnung fällt in ein besonderes Jahr. Der Geopark Ries feiert 2026 sein zwanzigjähriges Bestehen als Nationaler Geopark und trägt seit 2022 zudem den Titel UNESCO Global Geopark.
Die heutige Geotopfläche geht auf eine ursprüngliche Sandgrube zurück. Im Zuge der Flurbereinigung um 1960 wurde hier Material für den Straßen- und Wegebau gewonnen. Dabei traten geologische Schichten zutage, die heute einen direkten Blick in die Entstehung des Rieskraters ermöglichen.
Gesteinsaufschluss als wichtiger Forschungsstandort
Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Gesteinsaufschluss zu einem wichtigen Standort für die geowissenschaftliche Forschung. Teile der Fläche stehen bereits unter Naturdenkmalschutz. Besondere Bedeutung erhält der Ort durch das gemeinsame Vorkommen der drei Hauptgesteine des Ries-Impakts: Suevit, Bunte Brekzie und Kristallingestein, hauptsächlich Granit.
Auch die Einbindung der Öffentlichkeit spielte im Vorfeld eine zentrale Rolle, denn das Ziel ist es, die Bedeutung des Projekts transparent zu vermitteln und die regionale Bevölkerung einzubeziehen.
Zum Abschluss der Eröffnung führte Geowissenschaftler Fabian Weiß durch das Geotop und erläuterte die geologischen Besonderheiten des Aufschlusses. Zwischen den Schichten wird sichtbar, dass Landschaft nicht bloß ein Raum ist, sondern die Erinnerung an eine Zeit, die größer ist als unser eigenes Maß.