Konjunkturgespräch

IHK: Unternehmen schöpfen Hoffnung, doch der Aufschwung bleibt aus

Von links: Matthias Hausmann (IHK-Regionalgeschäftsführer) und Andreas Dirr, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Donau-Ries. Bild: Thomas Oesterer
Die Unternehmen im Donau-Ries blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Von einem echten Aufschwung ist die regionale Wirtschaft allerdings noch entfernt. Welche Probleme die Betriebe weiterhin beschäftigen und was sie von der Politik fordern.

Die Unternehmen im Landkreis Donau-Ries blicken wieder etwas zuversichtlicher auf ihre wirtschaftliche Lage. Nach schwierigen Monaten scheint sich die Stimmung vielerorts zu stabilisieren. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein. Denn während die Betriebe wieder stärker nach vorne schauen, bleiben Investitionen und Neueinstellungen eine Herausforderung. Das wurde beim Konjunkturgespräch der IHK Schwaben deutlich, bei dem Andreas Dirr, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Donau-Ries, und IHK-Regionalgeschäftsführer Matthias Hausmann die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage einordneten.

Der IHK-Konjunkturindex für den Landkreis ist im Vergleich zum Frühjahr um sieben Punkte auf 110 gestiegen. Damit liegt das Donau-Ries fünf Punkte über dem Durchschnitt Bayerisch-Schwabens. Für die Umfrage wurden im September insgesamt 777 Unternehmen aus der Region befragt, darunter 78 aus dem Landkreis. Besonders deutlich hat sich die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verbessert: Der entsprechende Saldo stieg von 13 auf 21 Punkte.

Betriebe nehmen Entwicklung selbst in die Hand

Passend dazu wurden bei der jüngsten Sitzung der IHK-Regionalversammlung Donau-Ries die aktuellen Ergebnisse mit Vertretern verschiedener Branchen diskutiert. Dirr zufolge zeigte sich dabei ein insgesamt positives Bild: Viele Unternehmen hätten eine stabile Geschäftslage und wollten die Entwicklung aktiv vorantreiben. Auch aus der Industrie und dem Bauumfeld seien positive Rückmeldungen gekommen – wenngleich eine Rückkehr zu früherer Stärke nicht überall erwartet werde.

„Nicht auf gestern hoffen, sondern auf morgen schauen“, beschreibt Dirr die Haltung vieler Unternehmer. Die Betriebe hätten erkannt, dass sie sich auf eine schnelle Verbesserung der Rahmenbedingungen nicht verlassen könnten. Statt abzuwarten, suchten sie deshalb nach eigenen Lösungen, um sich im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu behaupten.

Kaufzurückhaltung und steigende Kosten belasten

Wie angespannt die Lage bleibt, zeigt sich unter anderem beim Konsum. Während kleinere Anschaffungen weiterhin getätigt werden, überlegen Verbraucher bei größeren Investitionen häufig länger. Hohe Preise und wirtschaftliche Unsicherheit führen dazu, dass größere Ausgaben aufgeschoben oder ganz vermieden werden. Das bekommen auch Unternehmen zu spüren, die auf solche Anschaffungen angewiesen sind.

Zusätzlichen Druck verursachen zudem gestiegene Transport- und Logistikkosten. Unternehmen, die Waren aus dem Ausland beziehen, müssen höhere Ausgaben für Container, Fracht und Spedition einkalkulieren. Diese Mehrkosten lassen sich nicht immer vollständig an die Kunden weitergeben, weil die Betriebe gleichzeitig im Wettbewerb mit Anbietern aus dem In- und Ausland stehen.

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage spiegeln diese Herausforderungen wider: 59 Prozent der befragten Unternehmen in Bayerisch-Schwaben sehen die schwache Inlandsnachfrage als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Noch häufiger werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 66 Prozent sowie die Energie- und Rohstoffpreise mit 65 Prozent genannt.

Arbeitskräfte fehlen – trotz steigender Arbeitslosigkeit

Eine weitere Herausforderung für den Landkreis ist und bleibt der Arbeitsmarkt. Zwar bleibt das Donau-Ries eine Region mit einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten bundesweit, zugleich wird es für Unternehmen zusehends schwieriger, geeignete Beschäftigte zu finden. Im September lag die Arbeitslosenquote bei 2,9 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 2,5 Prozent. Insgesamt waren damit fast 300 Menschen mehr arbeitssuchend als im Vorjahr.

Für Dirr ergibt sich daraus eine zentrale Frage: „Wie kriegen wir neuen Arbeitskräfte in den Landkreis?" Einer der Hauptgründe sei demnach der demografische Wandel, der den Bedarf in naher Zukunft weiter verschärfen werde. Unternehmen müssten deshalb zunehmend um Beschäftigte aus anderen Regionen werben – und ihnen mehr bieten als einen Arbeitsplatz. Dazu gehörten auch die Lebensbedingungen vor Ort. Attraktiver Wohnraum, gute Schulen und eine verlässliche Versorgungsinfrastruktur seien entscheidend, um neue Arbeitskräfte für das Donau-Ries zu gewinnen und langfristig zu halten. Die Region habe wirtschaftlich viel zu bieten, müsse aber auch beim Umfeld für Beschäftigte weiter an Attraktivität gewinnen.

IHK fordert verlässliche Rahmenbedingungen

Trotz der verbesserten Stimmung bleiben die wirtschaftlichen Aussichten angespannt. Die Investitionsbereitschaft bewegt sich weiterhin auf niedrigem Niveau. Wenn Unternehmen Erweiterungen oder neue Projekte aufschieben, fehlen zugleich wichtige Voraussetzungen für zusätzliche Arbeitsplätze und langfristiges Wachstum.

Deshalb richten Dirr und Hausmann klare Forderungen an die Politik. Weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und eine Begrenzung der Arbeitskosten seien notwendig, damit die Betriebe wieder verlässlich planen könnten. "Die angekündigten Reformen der Bundesregierung müssten nun umgesetzt werden", so die einhellige Meinung der Verantwortlichen.

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

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