Nach Angaben von Matthias Hausmann, Regionalgeschäftsführer der IHK, ist der Geschäftserwartungsindex – ein zentraler Indikator für die konjunkturelle Entwicklung einer Region – deutlich gestiegen. In Schwaben liegt er aktuell bei 108 Punkten, in Nordschwaben sowie im Landkreis Donau-Ries jeweils bei 106 Punkten und damit wieder oberhalb der Wachstumsschwelle.
„Die Erwartungen steigen, auch wenn die aktuelle Geschäftslage vielerorts noch unter dem Niveau einer zufriedenstellenden Situation liegt“, erklärte Hausmann. Vor allem die Zukunftsaussichten hätten sich zuletzt verbessert. Auch Andreas Dirr, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung, wertet diese Entwicklung als positives Signal, spricht jedoch lediglich von einem moderaten Wachstum. Die Wirtschaft befinde sich nach der Stagnationsphase in einem „Aufschwung auf Raten“.
Strukturwandel prägt die Industrie
Der vorsichtige Optimismus ist laut IHK eng mit den unterschiedlichen Entwicklungen in den Branchen verknüpft. Während Teile der Industrie von Zukunftstechnologien und der wachsenden Verteidigungsbranche profitieren, geraten andere Wirtschaftszweige zunehmend unter Druck. Dirr betont, dass sich die industrielle Landschaft langfristig verändern werde: „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass alte Industrien zurückgehen und neue entstehen.“ Als Beispiel nennt er die regionale Druckindustrie, die durch die fortschreitende Digitalisierung an Bedeutung verliert – zumindest dort, wo eine Anpassung an digitale Geschäftsmodelle bislang ausgeblieben ist. Wie stark wirtschaftliche Veränderungen auch vom Konsumverhalten beeinflusst werden, zeigt sich laut Dirr in der Caravan-Branche. Durch steigende Lebenshaltungskosten greifen selbst Kunden im Premiumsegment zunehmend zu kleineren und günstigeren Produkten.
Eine ähnliche Entwicklung beobachten auch Automobilzulieferer im Landkreis, deren Auftragslage stark von der Situation auf dem Automobilmarkt abhängt. Trotzdem ist im Landkreis mit Ausnahme des Einzelhandels ein positiver Trend zu verzeichnen. Über der Wachstumsschwelle liegen die unternehmensbezogenen Dienstleistungen, das Baugewerbe, das Transportgewerbe, das Reise und Gastgewerbe und die Industrie. „Angesichts zunehmend schlechter Nachrichten aus verschiedenen Unternehmen ist es besonders erfreulich, dass es einen leichten Aufwärtstrend in der für unsere Region besonders wichtigen Industrie sowie dem krisengeschüttelten Baugewerbe gibt, so Hausmann.
Wirtschaft kämpft mit zahlreichen Risiken und Unwägbarkeiten
Gleichzeitig hat die regionale Wirtschaft allerdings auch mit vielen Risiken gleichzeitig zu kämpfen. Neben strukturellen Veränderungen sehen viele Unternehmen steigende Arbeitskosten als zentrale Herausforderung. Rund 60 Prozent der Betriebe bewerten sie inzwischen als größtes wirtschaftliches Risiko. Besonders im internationalen Wettbewerb geraten deutsche Standorte dadurch unter Druck. Verantwortlich dafür sind unter anderem höhere Tarifabschlüsse, steigende Sozialabgaben sowie Anpassungen beim Mindestlohn. Andreas Dirr bekräftigt daher den Wunsch der IHK nach „mutigen Reformen“.
Dazu gehöre ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert und ein Erbschaftssteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze sichert. Demnach stehen in der Region – also nicht nur im Landkreis Donau-Ries - aktuell rund 18.000 Betriebe vor einem Generationswechsel und damit teilweise noch vor einer ungeklärten Zukunft. Davon betroffen seien hauptsächlich Unternehmen in der unteren Mittelschicht mit bis zu 50 Mitarbeiter*innen. Dirr sieht darin allerdings nicht nur Risiken, sondern auch große Chancen: „18.000 Unternehmensübergaben bedeuten auch 18.000 Möglichkeiten, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.“
Verteidigungsindustrie gewinnt weiter an Bedeutung
Für den Landkreis außerdem relevant: Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse entwickelt sich derzeit besonders die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie recht dynamisch. Laut Umfrage prüfen rund 34 Prozent der Unternehmen einen Einstieg oder den Ausbau ihres Engagements in diesem Bereich. Mit einem Konjunkturindex von 110 Punkten liegt die Branche über dem Durchschnitt. Die Basis dieses Wachstums bilden zahlreiche Zulieferbetriebe – zu den prominentesten zählt wohl Airbus Helicopters.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Donau-Rieser Wirtschaft nicht nur in diesem Sektor langfristig zu sichern, fordert die IHK umfangreiche wirtschaftspolitische Maßnahmen. Eine große Rolle als Sprachrohr in die Landes- und Bundespolitik spiele dabei auch der zukünftige Landrat bzw. die Landrätin, der/die am 8. März gewählt wird. Zu den konkreten Forderungen der IHK zählen geringere Steuer- und Sozialabgaben, flexiblere Arbeitszeiten, Bürokratieabbau, niedrigere Energiepreise sowie verstärkte Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung. Hausmann fasste die aktuelle Situation aus Sicht der IHK passend zusammen: „Die Wirtschaft erwartet tiefgreifende Strukturmaßnahmen. Einzelne Reformschritte reichen nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern.“