Jugendarbeit

JuZe Donauwörth vor dem endgültigen Aus: „Uns fehlt einfach die Perspektive“

Im März musste das JuZe Donauwörth aus den Räumlichkeiten in der Zirgesheimer Straße ausziehen. Seither ist der Verein ohne Bleibe. Bild: Thomas Oesterer
Seit März steht das JuZe Donauwörth ohne eigene Räume da. Nun droht die Auflösung. Bei einer Mitgliederversammlung am Sonntag wollen die Verantwortlichen einen letzten Versuch unternehmen, den Verein zu retten.

Bereits seit 1980 setzt sich die IGJD (Initiativgruppe Jugendtreff Donauwörth e.V.) für das Jugendzentrum in Donauwörth ein. 1981 stellte die Stadt dem Verein erstmals ein Gebäude in der Zirgesheimer Straße zur Verfügung. Doch die Zukunft des JuZe ist seit Jahren ungewiss. Nach Beschwerden über Lärmbelästigungen wurden die Veranstaltungen schrittweise eingeschränkt. Im November 2022 fanden schließlich die letzten Partys statt. Auch die Hoffnung auf einen neuen Standort erfüllte sich bislang nicht. Im März 2026 endete der Mietvertrag für die zuletzt genutzten Räume in der Zirgesheimer Straße.

„Von der Auflösung des Mietvertrags haben wir erst zwei Wochen vor Beendigung erfahren. Das war natürlich erstmal ein Schock“, erinnert sich der Vorsitzende Maximilian Deibler rückblickend. Ein Schock auch deshalb, weil dem JuZe keine Möglichkeit angeboten wurde, dass Inventar - darunter eine hochwertige Musik- und Lichtanlage - einzulagern. Der Verein habe sich zwar über längere Zeit mit der Stadt ausgetauscht, eine konkrete Perspektive sei daraus aus seiner Sicht aber nicht entstanden.

Stadt prüft weitere Standorte

Die Stadt Donauwörth bewertet die Situation der IGJD als „durchaus bedauerlich“. Amtsleiter Simon Srownal erklärt, dass sich die Verantwortlichen der Stadt und die politischen Gremien seit Bekanntwerden der Standortprobleme mit möglichen Lösungen beschäftigten. Dabei seien sowohl bestehende Immobilien als auch unbebaute Grundstücke geprüft worden. Lärmschutzvorgaben und andere baurechtliche Bestimmungen hätten jedoch mehrfach dazu geführt, dass zunächst geeignet erscheinende Objekte ausschieden. Auch die Räume im Wörnitzcenter seien geprüft worden.

Aktuell gebe es zwei theoretisch geeignete Flächen, deren Eignung noch näher untersucht werden müsse. Zuvor wolle die Stadt allerdings die Ergebnisse der Jugendbefragung der Stadtjugendpflege abwarten. Die Verantwortlichen der IGJD seien über die bisherigen Bemühungen informiert worden, so Srownal.

Eine mögliche Lösung im Schwabencenter hatte der Verein ebenfalls geprüft. Ein Test mit der Musikanlage habe jedoch gezeigt, dass die Lärmschutzanforderungen dort nicht einzuhalten seien. Deibler und sein Vorstandskollege Paul Markart kritisieren, dass darüber hinaus keine Alternativen mehr verfolgt worden seien. „Bis auf das Schwabencenter wurde nichts konkretisiert“, schilderte Deibler die damalige Situation.

Zu wenig Mitglieder für einen Neustart

Neben den fehlenden Räumen ist auch die "personelle" Situation schwierig. Der Verein zählt zwar noch rund 25 Mitglieder, der aktive Kern besteht jedoch weitgehend aus der Vorstandschaft. Diese will ihre Ämter nach vielen Jahren aufgeben - Nachfolger sind allerdings keine in Sicht. Auch die finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt, da eigene Veranstaltungen und damit verbundene Einnahmen fehlen.

„Wir wollten nicht einfach nur zweimal im Jahr U16-Partys machen, um irgendwie zu überleben“, erklärte Markart mit Blick auf die Versuche, das Vereinsleben trotz der Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Auch kleinere Aktionen wie Spieleabende seien kaum angenommen worden. Neue Mitglieder zu gewinnen, sei ebenfalls nicht gelungen.

Die Stadt verweist darauf, dass sie dem Verein bereits alternative Möglichkeiten angeboten habe. So sei unter anderem vorgeschlagen worden, regelmäßig einen Club anzumieten, den die IGJD für eigene Veranstaltungen nutzen könnte. Dieses Angebot habe der Verein aus internen Gründen, insbesondere wegen des technischen und logistischen Aufwands, nicht angenommen. "Uns fehlt dabei einfach eine echte Perspektive für die Zukunft", sind sich die JuZe-Vorsitzenden einig.

Am Sonntag geht es um die Zukunft

Bei der öffentlichen Mitgliederversammlung am Sonntag soll deshalb ein letztes Mal ausgelotet werden, ob sich Menschen finden, die den Verein weiterführen wollen. Dazu wurden auch ehemalige Mitglieder eingeladen, die dem Juze weiterhin verbunden sind. Gleichzeitig soll eine Satzungsänderung beschlossen werden, die den Vorstand von bislang vier auf zwei Ämter verkleinern würde. Davon versprechen sich die Verantwortlichen, dass es leichter werden könnte, eine neue Vorstandschaft zu finden.

Eine Auflösung ist damit nicht automatisch beschlossen. Sollte sich jedoch niemand finden, der Verantwortung übernimmt, könnte sie zum letzten Ausweg werden. Der Kreisjugendring habe diesbezüglich laut Stadtverwaltung in der jüngeren Vergangenheit Wege aufgezeigt, den Verein zu erhalten. Dazu zählt laut Srownal das Angebot, die Vorstandschaft kommissarisch zu übernehmen. Diese Möglichkeiten seien bislang von der amtierenden Vorstandschaft nicht in Anspruch genommen worden. 

Auch Holger Hämmerlein (CSU), Jugendreferent der Stadt Donauwörth, betont auf Nachfrage die Bedeutung eines passenden Angebots für junge Menschen: „Jugend braucht eine Heimat und wir versuchen eine Heimat zu finden.“ Jugend und jugendliches Verhalten hätten sich in den vergangenen Jahren - besonders durch und nach Corona - stark verändert, weshalb auch die Angebote auf neue Anforderungen eingehen müssten. Wichtig sei es, die Jugendlichen aktiv bei der Entscheidungsfindung mitzunehmen. Als Grundlage dafür dienen aktuell u. a. die bereits erfolgte Jugendbefragung des Landkreises Donau-Ries und die anstehende Befragung in der Stadt Donauwörth. Gleichzeitig bekräftige er, dass es sich dabei keineswegs um kurzfristige Lösungen handle. "Eine Umsetzung innerhalb des nächsten Jahres ist zwar wünschenswert, allerdings glaube ich, dass der zeitliche Rahmen deutlich größer sein wird", so Hämmerlein. 

Ob dem JuZe Donauwörth ein echt Neustart gelingt, entscheidet sich hingegen vermutlich bereits am Sonntag. Vieles wird dabei davon abhängen, inwieweit Mitglieder und Freunde des Vereins Verantwortung übernehmen wollen und auch können. Eine klare Zukunftsperspektive für neue Räumlichkeiten bleibt dafür wohl ein mitentscheidender Faktor.

Mitgliederversammlung JuZe Donauwörth

Wann: Sonntag, 25.10.2026, 19:00 Uhr 

Wo: Glockenfeldweg 1a, 86609 Donauwörth

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

Telefon: 0906 / 977 598 - 25

toesterer@donau-ries-aktuell.de