Trinkwasser

Bayerische Rieswasserversorgung: Wie das Nördlinger Ries trotz Wassermangel versorgt wird

Wasserkammer im Hochbehälter Ronheim. Bild: Bayerische Rieswasserversorgung
Sauberes Trinkwasser aus dem Hahn erscheint selbstverständlich, doch im Nördlinger Ries ist die Versorgung eine besondere Herausforderung. Die Bayerische Rieswasserversorgung sorgt mit Brunnen, Hochbehältern und hunderten Kilometern Leitungen dafür, dass die Region jederzeit versorgt ist.

Um ebenjene zu bewältigen, wurde bereits im Jahr 1958 der Zweckverband zur Wasserversorgung Bayerische Riesgruppe gegründet. Der ursprüngliche Gedanke war, Wasser aus Quellen am Rand des Rieses zu beziehen. Schnell zeigte sich jedoch, dass dort nicht genügend Wasser in der gewünschten Quantität und Qualität vorhanden war, um die Region dauerhaft und zukunftsfähig zu versorgen. Die Lösung fand sich schließlich außerhalb des Rieses. Seit Beginn der 1960er Jahre bezieht die Bayerische Rieswasserversorgung ihr Trinkwasser aus drei räumlich getrennten Brunnengebieten mit insgesamt 14 Brunnen in der Nähe von Blindheim, Schwenningen und Steinheim im Landkreis Dillingen. 1962 konnte von dort erstmals Trinkwasser bis nach Nördlingen gefördert werden. In Anwesenheit des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel wurde das Leitpumpwerk Sallmannsberg eingeweiht.

Die Brunnen, aus denen das Trinkwasser gefördert wird, unterscheiden sich deutlich in ihrer Tiefe: Zwei reichen bis in 130 Meter Tiefe, die anderen liegen bei lediglich zehn bis 15 Metern. Sollte es zu Verunreinigungen kommen, bieten insbesondere die tieferen Brunnen ein hohes Maß an Sicherheit. Welche Mengen hier täglich bewegt werden, lässt sich kaum erahnen: Jeden Tag könnten rechnerisch mehr als 1 500 Lkw vollständig mit Wasser gefüllt werden.

Der Weg des Wassers

Bernd Hauber. Bild: Fotohaus Hirsch

Im Hauptpumpwerk Sallmannsberg in Blindheim läuft das Wasser aller drei Brunnengebiete zusammen. Dort wird es aufbereitet bzw. enthärtet. Ursprünglich hat das Wasser, wenn es aus den Brunnen kommt, einen Härtegrad von 21 Grad deutscher Härte, was einem sehr harten Wasser entspricht. Durch die zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage wird dieser Wert auf 13 Grad gesenkt und liegt damit im mittleren Bereich. 

Bernd Hauber, Werkleiter der Bayerischen Rieswasserversorgung, berichtet, dass die Nachfrage nach weicherem Wasser groß gewesen sei. Durch die zentrale Enthärtung, die im Jahr 2010 in Betrieb genommen wurde, sei ein merklicher Unterschied spürbar, etwa beim Trinken oder Händewaschen. Zudem gebe es weitere Vorteile im Alltag: Der Waschmitteleinsatz kann reduziert werden, zudem gibt es deutlich weniger Kalkablagerungen in Wasserkochern und an Armaturen. Aber auch ohne Aufbereitung, so Hauber, sei das Wasser, das aus den Brunnen bei Blindheim gefördert wird, von sehr guter Qualität und auch trinkbar.

Nach der Aufbereitung fließt das Trinkwasser zur Speicherung und anschließenden Weiterverteilung in die Hochbehälter der Rieswasserversorgung. Insgesamt verfügt die BRW über 21 Hochbehälter mit einem Gesamtvolumen von 33 100 Kubikmetern – umgerechnet 33,1 Millionen Liter Wasser. Dieses große Speichervolumen
ist entscheidend, um den Wasserbedarf auch zu Spitzenzeiten zuverlässig decken zu können, etwa wenn während der Halbzeitpause eines WM-Finales viele Menschen das stille Örtchen aufsuchen oder einen kräftigen Schluck Wasser trinken. 

Ebenso beeindruckend ist das Leitungsnetz der Bayerischen Rieswasserversorgung. Es umfasst rund 500 Kilometer Fernleitungen, weitere 600 Kilometer Ortsleitungen sowie nochmals etwa 500 Kilometer an privaten Hausanschlüssen. Rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass dieses System reibungslos funktioniert. Sie stehen bereit, um bei Störungen oder Ausfällen schnell zu reagieren und die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger jederzeit sicherzustellen. Die BRW hat die Aufgabe, eine gemeinsame Wasserversorgungsanlage einschließlich der Ortsnetze zu erreichen, zu betreiben, zu unterhalten, die Anlage im Bedarfsfall zu erweitern sowie Dienstleistungen zu erbringen. Sie versorgt insbesondere die Endverbraucher mit Trink- und Brauchwasser.

Gleichzeitig macht er deutlich, dass Trinkwasser im Alltag oft als selbstverständlich wahrgenommen wird. Erst wenn es zu Problemen kommt, werde vielen Menschen bewusst, welchen Wert frisches Wasser aus dem Hahn hat. Deshalb wünsche er sich, dass sauberes Trinkwasser von den Bürgerinnen und Bürgern deutlich mehr geschätzt wird. 

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
Telefon: 0906 / 977 598 - 22,  E-Mail: jwagner@donau-ries-aktuell.de