Am vergangenen Freitagmittag (27.03.2026) ist in Oberndorf am Lech die bisher größte Agri-Photovoltaik-Anlage Süddeutschlands offiziell in Betrieb genommen worden. Realisiert wurde das Projekt vom Münchner Startup Feldwerke, das erst im Jahr 2023 gegründet wurde. Vor rund zwei Jahren sind die Gründer des Unternehmens mit ihrer Idee im Gepäck auf Oberndorfs Bürgermeister Franz Moll herangetreten. Im Gespräch mit unserer Redaktion vor knapp einem Jahre sagte Moll: „Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl."
Auf einer Fläche von 28 Hektar vereint die Anlage Landwirtschaft und Stromerzeugung. Möglich macht das ein einachsiges Trackersystem: Die Solarmodule sind mittig auf den Reihen angebracht und folgen im Tagesverlauf dem Sonnenstand von Ost nach West. Dadurch bleibt der Flächenverlust gering. Rund 90 Prozent der Fläche können weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, sowohl konventionell als auch im Bio-Bereich. Insgesamt erreicht die Anlage eine installierte Leistung von 16,75 Megawatt und kann etwa 8.000 Haushalte mit 100 Prozent grünem Strom versorgen.
Für Marco Mielenz, Geschäftsführer von Feldwerke, ist das Konzept eine Antwort auf aktuelle Herausforderungen: „Die Landwirtschaft steht zunehmend unter Druck und muss sich neu aufstellen. Gleichzeitig befindet sich auch der Energiesektor im Wandel.“ Agri-PV biete hier eine „Win-Win-Win-Situation“: Neben der Energiegewinnung und der landwirtschaftlichen Nutzung soll auch die Natur nicht außer Acht gelassen werden. Unter den Modulen werden Grün- und Blühstreifen angelegt, die die Biodiversität fördern sollen.
Auch Oberndorfs Bürgermeister Franz Moll zeigte sich bei der Inbetriebnahme beeindruckt. „Wenn so viele Gäste nach Oberndorf kommen, muss es etwas Besonderes sein." Besonders hob er die kurze Genehmigungs- und Bauzeit (im August 2025 konnte der Spatenstich gefeiert werden) hervor und dankte dem Gemeinderat für die schnelle Unterstützung. Anfangs sei man sich im Gremium der Tragweite des Projekts nicht bewusst gewesen. Inzwischen erhalte die Gemeindeverwaltung wöchentlich Anfragen zur Anlage. Für Moll ist die Anlage ein „Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung“.
Zu den Gästen zählte auch Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger. Er sagte: „Wir sind bundesweiter Spitzenreiter bei der Solarenergie mit insgesamt rund 32 Gigawatt installierter Leistung. Allein im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen Rekordzubau von 4,7 Gigawatt. Unsere Politik, konsequent auf den Ausbau erneuerbarer Energien zu setzen, zahlt sich aus.“ Gerade für Landwirte stellen Einnahmen aus Agri-PV eine zusätzliche Einkommensquelle bei gleichzeitigem Erhalt der landwirtschaftlichen Hauptnutzung dar, so Aiwanger. „Die Erzeugung von Solarstrom stärkt die wirtschaftliche Resilienz der Betriebe. Das ist gut für die Bauern und gut für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“
Aiwanger zeichnete das Projekt zudem als „Gestalter“ im Team Energiewende Bayern aus. Die ideelle Auszeichnung würdigt herausragendes Engagement für die Energiewende und soll zugleich als Vorbild dienen. Mit der Anlage in Oberndorf zeige sich eindrucksvoll, wie sich Photovoltaik und Landwirtschaft nachhaltig kombinieren lassen.