4. Oktober 2019, 10:36

Bewegung in frauenpolitische Themen bringen

Aktive Politikerinnen diskutieren auf Einladung des KDFB Diözesanverband Augsburg mit einem interessierten Publikum. Von links: KDFB Bildungsreferentin Maria Hierl, Dr. Simone Strohmayr, Claudia Marb, Eva Lettenbauer, Susanne Zehentbauer, KDFB Diözesanvorsitzende Ulrike Stowasser. Bild: KDFB Diözesanverband Augsburg
In den Räumen der VHS Donauwörth hat der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), Diözesanverband Augsburg, Politikerinnen zur Podiumsdiskussion eingeladen. Ziel der Veranstaltung war, Frauen in der Kommunalpolitik zu stärken und für die kommenden Kommunalwahlen zu aktivieren.

In ihren Begrüßungsworten erklärt KDFB-Diözesanvorsitzende Ulrike Stowasser, dass sich der KDFB als einer der größten Frauenverbände seit vier Jahren mit dem Veranstaltungsformat „Frauen.gefragt“ für frauenpolitische Themen einsetzt: Sei es die
Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege, der Reformbedarf in den Sozialen Frauenberufen oder die Schwachstellen im Bildungssystem, die 2020 unter dem Titel „Highway Bildung“ im Mittelpunkt stehen werden. Eine große Kampagne des KDFB auf Bundesebene lautet „Frauen! Wählt! Frauen!“ – damit macht sich der Verband stark für die Parité, also die Geschlechtergleichheit in allen politischen Gremien. Maria Hierl, Bildungsreferentin des KDFB Diözesanverband Augsburg, erinnert an 100 Jahre Frauenwahlrecht, ein Erfolg, an dem maßgeblich auch die Gründerfrauen des Frauenbundes beteiligt waren. Damit sich aber etwas bewegt bei frauenpolitischen Themen sei es unumgänglich, dass sich die Frauen für ihre Anliegen stark machen und auch politisch engagieren.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit hochkarätigen Politikerinnen unter der Moderation von Susanne Zehentbauer geht es um die Fragen: Was war die Motivation, in die Politik zu gehen? Wie werden frauenpolitische Themen in der Gesellschaft, aber auch in den verschiedenen politischen Gremien verstärkt wahrgenommen? Wie bringt man Frauen dazu, sich politisch zu engagieren?

Dr. Simone Strohmayr, MdL, und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPDLandtagsfraktion, ist in den 1990er Jahren aufgrund der schlechten Kinderbetreuungssituation in Bayern zur Politik gekommen. Sie plädiert vehement für eine Quotierung bei der Erstellung von Wahllisten. Für sie sei das ein erster Schritt, denn: „Wenn nach 100 Jahren Frauenwahlrecht nur 26% der Landtagsmandate von Frauen besetzt sind, sollen wir dann noch 100 Jahre warten, bis wir 50% erreichen?“ Nötig sei ein Umdenken, denn auch im Plenarsaal wird sachorientierter und weniger aggressiv diskutiert, wenn ein höherer Frauenanteil besteht. Und: Bestimmte Themen haben keine Chance, wenn der Frauenanteil zu gering ist, Stichwort Pflege oder Kinderbetreuung. Daher sind ihre politischen Schwerpunkte aktuell die Frauenpolitik, dabei besonders Frauenhäuser, sowie die Bildungspolitik und Nachhaltigkeitsthemen. Bei Eva Lettenbauer (MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Frauen- und Arbeitsmarktpolitik der Grünen Landtagsfraktion), war die Umweltkatastrophe in Fukushima der Auslöser, sich in der Politik Bildungswerk des KDFB Diözesanverband Augsburg e.V. stark zu machen. Bei den Grünen wird schon viel getan, damit es mehr Frauen in der Politik gibt. Hier haben die Frauen gesetzte Listenplätze. Außerdem, so fordert Lettenbauer, muss es für das politische Ehrenamt auch eine Freistellungsmöglichkeit geben wie für die Arbeit bei der Feuerwehr. Fakt ist leider auch, dass im Landtag die Ausschüsse sehr klischeehaft besetzt sind. Die junge Abgeordnete vermittelt aber auch ihre Begeisterung für die Politik: „Hier bekommt man alle Informationen aus erster Hand, erhält so einen guten Einblick in viele Themen und kann Entscheidungen auf den Weg bringen.“ Zukünftig will sie sich vor allem dafür einsetzen, die ambulanten Tagespflegeplätze zu erhöhen, damit pflegende Angehörige entlastet werden und einen geschlechtergerechteren Finanzhaushalt zu erreichen.

Claudia Marb ist Mutter von vier Kindern, Selbständige und bereits im Stadtrat und Kreistag aktiv. Nun bewirbt sie sich als Kandidatin für das Bürgermeisterinnenamt in Rain a. Lech, und ist überzeugt, diesen „Job“ auch gut zu machen. Ihr ist es ein großes Anliegen, Frauen zu bestärken und zu motivieren, auf die vorderen Listenplätze zu bekommen, damit die Politik insgesamt weiblicher wird. Sie sagt: „Mein Motto ist, dass ich nicht wissen will, dass etwas nicht geht, sondern ich will wissen, wie es gehen könnte!“ Besondere politische Anliegen sind ihr bezahlbarer Wohnraum, vor allem für Frauen, und Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr.

Alle Politikerinnen waren sich einig, dass die Erfahrungswerte von Frauen in die Politikmüssen. Um in die Politik zu gehen, braucht es ein gutes Durchsetzungsvermögen, frau muss sich gut verkaufen und ihre Überzeugung ausstrahlen. Doch nur so werden Frauenthemen auch voran gebracht und eine geschlechtergerechte Gesellschaft verwirklicht. (pm)