Sie haben sich das Wort „nahbar“ als Motto für Ihren Wahlkampf gegeben. Was bedeutet das für Sie?
Ich gehe gerne unter die Leute und versuche alles aufzunehmen, was die Menschen bewegt. Niemand muss Vorbehalte oder Angst haben, mit mir ins Gespräch zu kommen. Ich bin nahbar, ich weise niemanden ab. Und es gibt ein Wortspiel, weil wir tatsächlich eine „Nahbar“, also eine eine Theke, die wir bei Veranstaltungen aufbauen. Triff die Landratskandidatin an der Nahbar, weil sie nahbar ist!
Sie haben einmal gesagt, das Landratsamt soll mehr sein als eine Behörde. Welche konkreten Schritte planen Sie für mehr unkomplizierten Kontakt?
Was ich unbedingt machen möchte, ist mindestens einmal im Quartal eine Kommune zu besuchen. Da nimmt man sich eine Stunde für den Bürgermeister Zeit und fragt „Was liegt euch auf dem Herzen?“. Auch die stellvertretenden Bürgermeister oder die Fraktionssprecher können dabei sein. Und wenn man schon in der Kommune ist, gibt man den Termin vorher bekannt: „Die Landrätin kommt! Meldet euch an zur Bürgersprechstunde mit ihr vor Ort.“
Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Menschen hier im Landkreis künftig auch auf dem Land ärztlich gut versorgt werden?
Es ist für uns ein besonderer Vorteil, dass wir jetzt Lehrkrankenhaus sind. Die Studenten können ihr PJ bei uns machen. Auf meiner „Zuhörtour“ habe ich etwas von einer Medizinstudentin aufgenommen und ich würde gerne prüfen lassen, ob das funktioniert. Sie hat mich angesprochen, ob man als Landkreis nicht eine Art Stipendium vergeben könnte. Die Studierenden werden finanziell unterstützt. Im Gegenzug macht man einen Vertrag, dass sie sich nach dem Ende ihres Studiums für eine gewisse Zeit hier arbeiten.
Die Kreisumlage ist jedes Jahr ein sensibles Thema. Wie wollen Sie sicherstellen, dass der Landkreis handlungsfähig bleibt, ohne die Städte und Gemeinden finanziell zu überlasten?
Wir stehen wirtschaftlich sehr gut da und haben durch unsere Kommunen sehr gute Einnahmen. Das bewirkt natürlich, dass in diesem Haushalt die Umlagekraft wieder gestiegen ist. Darüber freut man sich. Aber wir müssen es auch wieder weitergeben - das holt sich der Bezirk.
Das grundsätzliche Problem ist, dass Sozialstandards exorbitant gestiegen ist und wir uns diese Standards in Zukunft nicht mehr leisten können. Man muss von den Standards runter! Man könnte zum Beispiel prüfen, ob eine Schulbegleitung vielleicht zwei oder drei Kinder in einem Klassenzimmer betreut. Muss es wirklich immer eine eins-zu-eins Betreuung sein?
Aus Ihrer ganz persönlichen Sicht: Wie unterscheiden Sie sich von Ihrem Amtsvorgänger und den Mitbewerbern?
Von Stefan Rößle unterscheidet mich, dass ich die Dinge aus der Sicht einer Frau betrachte. Ich bin emotionaler und habe eine andere Herangehensweise bei manchen Themen. Bei manchen Dingen, wo ich vielleicht noch abwarten würden, da prescht unser Landrat auch mal gerne nach vorne. Da bin ich vorsichtiger.
Der größte Vorteil gegenüber meiner Mitbewerber ist, dass ich schon fünfeinhalb Jahre die Stellvertreterin des Landrats war. Ich habe die Urlaubsvertretungen im Amt gemacht, kenne das Haus, das Büro, die Führungsriege der verschiedenen Abteilungen. Ich bin bei allen Sitzungen, Ausschüssen, Fraktionsführerbesprechungen und so weiter dabei. Und auch bei schwierigen Themen, wie damals in der Pandemie war ich bereits in Führungsverantwortung.
Wir haben Claudia Marb gebeten, einen Gegenstand mitzubringen, der für sie persönlich und bzw. oder für ihre Politik steht.
Die Kandidatin hat daraufhin gleich Gegenstände zum Interviewtermin mitgebracht: Ihren Kalender, den sie braucht, um sich zu organisieren, einen Notizblock, auf den sie sich immer alle wichtigen Namen von Gesprächspartner und deren Anliegen notiert. „Ich kann mir das alles sonst ja nicht merken“, sagt sie. Sowie eine Postkarte, die im Umschlag ihres Kalenders steckt. Darauf steht der Satz: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“. Dieses Motto motiviert die Kommunalpolitikerin in schwierigen Situationen.