10. Dezember 2018, 11:46

Packender Finaltag der Turner in Monheim

Die Turner des TSV Pfuhl ließen ihren Trainer Roland Zaksauskas nach dem Aufstieg hochleben. Bild: Michael Hitzler
Am Samstag waren die Monheimer Gastgeber der Aufstiegsfinals der DTL (Deutschen Turnliga), einer Veranstaltung, bei der in drei Durchgängen Vereine aus ganz Deutschland die Aufsteiger in die 3., 2. und 1. Bundesliga der Turner ermitteln.

Monheim - Schon häufig gelang es dem TSV Monheim, turnerische Großveranstaltungen in die kleine Stadt im Landkreis Donau-Ries zu holen. Obwohl sich die eigene Mannschaft durch einen 3. Platz in der 2. Bundesliga Nord nicht für die Finalkämpfe qualifiziert hatte, bekamen die Zuschauer sehr interessante, spannende und hochklassige Durchgänge zu sehen, bei denen heuer auch zum ersten Mal das neue Format des Sudden Death Anwendung fand.
 

Im ersten Durchgang ermittelten sieben Mannschaften fünf freie Plätze für die beiden 3. Bundesligen Nord und Süd. Die hohe Anzahl an freien Startplätzen war durch Rückzüge diverser Mannschaften von der 1. und 3. Bundesliga zustande gekommen. Anders als im Ligabetrieb der 1. bis 3. Bundesliga wurde der Wettkampf nicht im Score-System, sondern als Gesamtwettkampf nach Wertungspunkten ausgetragen. Hier siegte die zweite Mannschaft des aktuellen Deutschen Vizemeisters KTV Straubenhardt. Die mit bundesligaerfahren Turnern gespickte Mannschaft setzte sich trotz einiger Fehler, aber aufgrund der schwierigeren Darbietungen am Ende knapp vor dem TV Isselhorst und der TG Wangen-Eisenharz durch. Beide Mannschaften mussten als jeweils Staffelletzter der 3. Bundesliga diese Relegation zum Klassenerhalt turnen. Als Vierter und Fünfter kehrten der USC München und die TG Sulzbach in die 3. Bundesliga zurück. Verpasst haben den Aufstieg dagegen der TV Weißkirchen und die TG Pfalz.

In die 2. Bundesliga bereits aufgestiegen waren die beiden Meister TG Saar II und TG Hanauerland. Drei weitere Plätze wurden dann zunächst in zwei Duellen nach Score-System ermittelt. Dabei setzte sich die KTV Obere Lahn II gegen den MTV Ludwigsburg mit 49:24 durch, und die KTV Fulda gewann gegen den TV Bühl mit 51:33. Im Anschluss wurde der sogenannte Sudden Death der beiden unterlegenen Mannschaften ausgetragen, wobei in zwei Duellen an zwei verschiedenen Geräten ein Sieger ausgeturnt wird. Mit einem knappen 4:3 sicherte sich Bühl im Nachsitzen den dritten Aufstiegsplatz. Zuvor hatte Obere Lahns zweite Vertretung den Aufstieg perfekt gemacht.

Für den Verein war dies ein wichtiger Schritt in die Zukunft, da die Vereinsführung vor Saisonbeginn den Rückzug der ersten Mannschaft aus der 1. Bundesliga nach diesem Jahr bekanntgab. Dies ist umso bedauerlicher, als damit der frisch gekürte Deutsche Mannschaftsmeister und ehemalige Verein von Fabian Hambüchen in der Saison 2019 nicht mehr erstklassig sein wird. Immerhin können die Hessen aber wieder eine Mannschaft in der 2. Bundesliga ins Rennen schicken. In Monheim überließen sie nichts dem Zufall und gingen sogar mit ihrem Taktiker der ersten Mannschaft, Felix Wiemers, an den Start, der auch noch 12 Scorepunkte zum Mannschaftsergebnis beisteuern konnte. Von Beginn an, das war in diesem Duell das Gerät Sprung, zog Obere Lahn davon und profitierte insbesondere an Barren und Reck von Fehlern der Ludwigsburger, so dass bereits zur Pause eine deutliche 27:7-Führung zu Buche stand. Am Boden hielt Ludwigsburg gut dagegen und erturnte sich ein Unentschieden. Jedoch verloren die Schwaben am Pferd wieder deutlich an Boden, so dass sie vor dem letzten Gerät mit 16:46 zurücklagen. Wenigstens konnten sie an den Ringen das Ergebnis noch ein wenig beschönigen und sogar ihren einzigen Gerätesieg im Wettkampf erzielen.

Parallel zu dieser Begegnung entschied Bühl gegen Fulda die beiden ersten Geräte Boden und Seitpferd für sich. Ab den Ringen gelang den Hessen aber eine Aufholjagd, die bereits zur Pause in Form eines deutlich geschrumpften Rückstands von 22:24 sichtbar wurde. Bereits nach dem ersten Duell am Sprung wechselte zum ersten Mal im Wettkampf die Führung und brachte Fulda auf die Siegerstraße. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich am Barren konnten die Bühler nicht mehr viel zusetzen und verloren am Ende doch noch deutlich. 

Extrem spannend verliefen dann die Aufstiegswettkämpfe zur 1. Bundesliga. Hierbei gelang der StTV Singen durch ein 39:35 gegen Eintracht Frankfurt im dritten Anlauf in Folge endlich der Aufstieg. Garant für den Erfolg war der herausragende Ivan Stretovich, der allein 25 Scorepoints für Singen erturnte. An Sprung, Barren und Reck konnte das Team vom Bodensee die Gerätewertungen stets konstant gewinnen, was zu einem relativ beruhigenden 22:12-Pausenstand führte. Doch Frankfurt gab sich nie auf und erzielte am Boden ein Unentschieden, wobei Ivan Stretovich für Singen und Eduard Yermakov für Frankfurt mit zwei herausragenden Übungen glänzten. Nach zwei Pferdduellen lag Singen bereits mit 35:16 vorn. Somit schien die Begegnung bereits entschieden zu sein. Jedoch zeigte Frankfurt wiederum Kampfgeist und holte in den beiden anderen Duellen noch zehn Punkte. Als auch die beiden ersten Frankfurter Turner an den Ringen punkteten, stand es plötzlich nur noch 35:31 für Singen. Doch dann behielt Ivan Stretovich die Nerven, so dass Singen den ersten Aufstieg der Vereinsgeschichte perfekt machen konnte. Eduard Yermakov gestaltete das Ergebnis lediglich ein wenig freundlicher für Frankfurt.

Noch knapper verlief das zweite Duell TuS Vinnhorst gegen TSV Pfuhl. Die Niedersachsen, die ja in Monheim bereits den Ligawettkampf gewonnen hatten, waren als klarer Favorit angereist. Erstaunlicherweise hielten die Pfuhler aber von Beginn an konsequent dagegen. Am Boden zelebrierte zwar der Spanier Rayderley Zapata auf Vinnhorster Seite eine grandiose und sprunggewaltige Bodenübung, die weiteren Punkte erturnten aber die bayerischen Schwaben. Das erste Gerät entschied somit Pfuhl mit 7:4 für sich. Am Pauschenpferd präsentierte sich der Meister der 2. Bundesliga Nord ein wenig stabiler. Die Folge war ein Führungswechsel von 13:12 zugunsten von Vinnhorst. Ausgeglichen verlief das Ringeturnen, so dass das Scoreboard ein Ergebnis von 21:20 zur Pause anzeigte. Danach zogen die Niedersachsen an Sprung und Barren erst einmal davon. 32:21 stand es nach zwei geturnten Duellen am fünften Gerät. Die Neu-Ulmer jedoch nutzen kleine Unsicherheiten konsequent aus und schon war der Vorsprung auf vier Punkte vor dem Reck geschrumpft.

Was sich dann abspielte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Milan Hosseini legte für Vinnhorst souverän vor, der Pfuhler Tomas Kuzmickas stürzte beim Abgang – unentschieden. Thierno Diallo leistete sich zwei Stürze, Timo Rister turnte sicher durch, vier Punkte für Pfuhl und nur noch 32:31. Nun legte Pfuhl in Person von Linus Mikschl vor. Dieser flog beim Tkatschev gestreckt an der Stange vorbei. Vinnhorst antwortete mit David Schlüter, der beim gleichen Flugteil in gegrätschter Version gleich zweimal unfreiwillig auf der Matte landete – fünf Punkte für Pfuhl. Zwischenstand 32:36. Im letzten Duell zeigte Dominik Fett vom TSV Pfuhl eine solide Leistung, sein Kontrahent Mika-Tom Säfken war nur um drei Scorepunkte besser. Endstand 36:35 für Pfuhl. Damit war der Aufstieg des Außenseiters besiegelt. Dieser Erfolg ist umso höher einzuordnen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Mannschaft fast ausschließlich aus Eigengewächsen besteht.

Nach den eigentlichen beiden Aufstiegsduellen wurde ebenfalls ein Sudden Death durchgeführt, welches Vinnhorst mit 8:4 gegen Frankfurt gewann. Sollte sich nämlich noch eine weitere Mannschaft aus der 1. Bundesliga zurückziehen, darf Vinnhorst deren Platz einnehmen.
Der TSV Monheim konnte sich wieder einmal als Ausrichter einer hochklassigen Turnveranstaltung präsentieren, wobei für die lautstarke Unterstützung dieses Mal die Fans der teilnehmenden Mannschaften sorgten, insbesondere beim Aufstiegswettkampf zur 1. Bundesliga. (pm)