2. Dezember 2020, 07:58

Umspannwerk in Harburg wird ausgebaut

Ein Spezial-LKW transportierte letzte Woche den neuen Transformator zum Märker-Gelände in Harburg Bild: LEW / Thorsten Franzisi
Die LEW Verteilnetz GmbH (LVN) erneuert das Umspannwerk (UW) in Harburg, das die umliegenden Gemeinden und die Firma Märker mit Strom versorgt. Durch den Umbau wird die Kapazität der Anlagen erhöht, um die Versorgungssicherheit sowohl für die privaten Kunden als auch den Firmensitz der Märker-Gruppe zu stärken.

Bisher betreibt LVN auf dem Gelände von Märker ein Umspannwerk mit drei Transformatoren. Zwei Transformatoren wandeln den Strom von der 110-kV-Hochspannungsebene auf 6 kV um, der Spannungsebene des Werksnetzes von Märker. Der dritte Trafo wandelt dann einen Teil des Stroms von 6 kV hoch auf 20 kV: Das ist die Mittelspannungsebene des regionalen Verteilnetzes. Dieser Strom wird vom Märker-Gelände zum Umspannwerk Monheim geleitet und trägt dazu bei, die umliegenden Gemeinden zu versorgen.

Das bisherige Umspannwerk liegt zentral auf dem Märker-Werksgelände und die beiden 110-kV-Kabel, die aus östlicher Richtung zu Märker kommen, müssen einen großen Teil des Geländes queren und dabei auch die Bahngleise kreuzen.

Von einem zu zwei Standorten: Mehr Versorgungssicherheit für die Region und für Märker
Künftig erfolgt die Versorgung von Märker und der Region von zwei Standorten aus, die über Kabel miteinander verbunden sind. Der eine Umspannwerksstandort ist neu und liegt am östlichen Rand des Märker-Geländes. Dort wird künftig ein neuer Transformator den Strom von 110 kV auf die 20-kV-Mittelspannung des regionalen Verteilnetzes umwandeln sowie zwei weitere Trafos, welche die Firma Märker selbst finanziert, von 20 kV auf 6 kV für die Eigenversorgung von Märker. Dieser neue Standort ist für LVN und die Stromversorgung der Region von Vorteil, da die Anbindung des Umspannwerk nun für Erweiterungen in der Mittelspannungsebene zugänglicher ist. Sofern zukünftig neue Kabel im Verteilnetz an dieses angebunden werden, müssen diese nicht mehr mit hohem Aufwand über das Werksgelände von Märker und unter der Hauptbahnlinie Donauwörth-Treuchtlingen verlegt werden, sondern können auf einfachem Wege an dem neuen Umspannwerk-Standort angebunden werden.

Aber der neue Standort ist ebenso für Märker wichtig. Denn er befindet sich in direkter Umgebung des Ofens 8, den die Firma derzeit baut und der zentraler Bestandteil des größten Investitionsprojekts in der 130-jährigen Geschichte des Zementherstellers am Standort Harburg ist. Hierfür ist eine sichere und zukunftsweisende Stromversorgung unumgänglich.

Das zweite Umspannwerk steht am gleichen Standort wie das bisherige. Ebenso wie am neuen Standort werden auch hier künftig drei neue Trafos eingesetzt, die den Strom von Hoch- auf Mittelspannung und dann auf 6 kV umwandeln. Der Strom auf 6-kV-Ebene versorgt die Märker-Anlagen in der Umgebung dieses Standorts. Der Strom auf 20-kV-Ebene kann über die Kabelverbindung der beiden Umspannwerk-Standorte in das regionale Verteilnetz eingespeist werden. So kann dieses Umspannwerk einspringen, sollte es am anderen Standort zu einem Ausfall kommen. Die Versorgung sowohl der Märker-Anlagen als auch der Haushalte in der Region ist damit künftig optimal abgesichert.

Die neuen, leistungsstarken 110-kV-/20-kV-Transformatoren auf dem Märker-Gelände haben jeweils ein Gewicht von 65,5 Tonnen. Die bisherigen Trafos werden von LVN abtransportiert und fachgerecht entsorgt.

Vorarbeiten haben begonnen. Abschluss bis August 2021 geplant
Die vorbereitenden Arbeiten für den Um- und Ausbau des Umspannwerks haben bereits begonnen. Hierzu zählt neben der Anlieferung des ersten Trafos auch die Errichtung von Fundamenten sowie der beiden Umspannwerks-Gebäude. Das Bauprojekt soll bis August 2021 abgeschlossen werden. Die Stromkunden merken von diesen Arbeiten nichts, da sie im laufenden Betrieb erfolgen und die Stromversorgung jederzeit gesichert ist.

LVN investiert rund 3,6 Mio. Euro in die Erneuerung des Umspannwerks Harburg und damit in die sichere Stromversorgung der Region. Die Kosten für die neuen 20-kV-/6-kV-Transformatoren, die den Strom für die Märker-Anlagen bereitstellen, trägt die Firma Märker.

Weitere Informationen zum Verteilnetzbetreiber LVN finden Sie unter www.lew-verteilnetz.de. (pm)

So funktioniert das Stromnetz in Deutschland

Das deutsche Stromnetz ist unterteilt in Übertragungsnetze (Höchstspannung) und Verteilnetze (Hochspannung, Mittelspannung und Niederspannung).

Die oft als „Stromautobahnen“ bezeichneten Übertragungsnetze nehmen den in den Großkraftwerken produzierten Strom auf und transportieren diesen mit einer Höchstspannung von 380 bzw. 220 Kilovolt (kV) über lange Entfernungen zu den Verbrauchsschwerpunkten.

Auf der Ebene der Verteilnetze wird der Strom in Hoch-, Mittel- und Niederspannung übertragen. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird Strom zunehmend auch auf der Verteilnetzebene in das Übertragungsnetz zurückgespeist.

Hochspannung (110 kV) im regionalen Verteilnetz: Hochspannungsnetze übernehmen die regionale Verteilung von Strom. Sie verbinden wichtige Netzknotenpunkte in einer Region, etwa Ballungszentren oder sehr große Industriebetriebe.

Mittelspannung (10 kV bzw. 20 kV) im regionalen Verteilnetz: Mittelspannungsnetze verbinden die kleineren Ortschaften. Auf dieser Spannungsebene erfolgt die Versorgung von Industrie- und größeren Gewerbebetrieben.

Niederspannung (230 V bzw. 400 V) im lokalen Verteilnetz: Niederspannungsnetze sind für die Feinverteilung von Strom zuständig. Private Haushalte, kleinere Industriebetriebe, Gewerbe und Verwaltung beziehen hierüber ihren Strom. Die Niederspannung entspricht damit dem „Strom aus der Steckdose“.

Umspannwerke beziehungsweise die Ortsnetzstationen und Trafohäuschen bilden die Verbindung zwischen den Spannungsebenen. Sie machen den Strom für die jeweilige Spannungsebene „kompatibel“, indem sie die Spannung hoch- beziehungsweise heruntersetzen.