28. Januar 2020, 14:39

Vortrag: "Richtig handeln an der Börse"

Norbert Betz Bild: Christina Zuber/RVB Ries eG.
Börsenexperte Norbert Betz sprach beim VR-AnlegerForum über Fehler, die man beim Handeln mit Aktien unbedingt vermeiden sollte.

Bis auf dem letzten Platz war der Genosaal gefüllt. Das Thema „Richtig handeln an der Börse“ interessierte 200 Besucher. Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachungsstelle der Börse München, überzeugte mit einem pointierten und fachlich fundierten Vortrag darüber, wie man gängige Fehler vermeidet und populären Irrtümern nicht aufsitzt.

Wer an der Börse aktiv ist, der brauche Geduld, Geduld und nochmal Geduld, sagte der Experte eingangs. Jeder könne an der Börse erfolgreich sein, wenn er nur Geduld mitbringe. Denn die Börse sei wie eine Sportart mit Rückenwind. Zwar spiele immer eine Portion Glück mit. Wenn man aber die Entwicklung über längere Zeiträume betrachte, seien immer positive Entwicklungen möglich.

Ein beliebter Fehler sei, sagte Betz, die Sektorenverliebtheit. Das heißt: Man neigt dazu, Aktientitel zu kaufen, bei denen man sich vermeintlich auskennt, zum Beispiel beruflich. So kaufen Ärzte Pharmaunternehmen und Bank-Angestellte Finanzaktien. „Dabei potenzieren Sie damit Ihr Lebensrisiko“, warnte Betz die Zuhörer. Beruf und Depot zu vermischen sei falsch und fahrlässig, denn wenn es einer Branche schlecht gehe, schadet das dem eigenen Job und dem Depot zugleich. Als „Kontrollillusion“ bezeichnete er genauso die Treue zur Heimat bei Aktiengeschäften. Zwar habe man leichter Zugang zu Informationen über inländische Unternehmen („da muss man nichts englisches lesen“), aber auch hier potenziere man das Risiko. Vom Erfolg eines Wirtschaftsstandortes hänge zum Beispiel auch der Wert einer Immobilie ab.

Überhaupt sei der Mensch gar nicht in der Lage, „die Wahrheit wahrzunehmen“, sagte Norbert Betz. Wenn man eine bestimmte Aktie im Depot hat, dann blende man negative Nachrichten über das Unternehmen gerne aus. „Wir sehen das, was wir sehen wollen“, konstatierte er. Allgemein sei es schwierig gegen Mehrheitsmeinungen zu kaufen. Einfacher ist es, der Herde nachzulaufen, oder bestimmten „Leithammeln“ zu vertrauen.

Urteilsverzerrungen führen auch dazu, dass man sich an merkwürdige Weisheiten hält. „Mit Verlust wird nichts verkauft“ sei eine dieser Weisheiten. Das führe dann zu unvernünftigen Nachkäufen.

Eine reine Selektion nach erhoffter Performance sei nicht anzuraten, führte der Referent aus: „Mischen Sie Langweiler-Aktien und solche mit mehr Sex-Appeal.“ Grundsätzlich ist Diversifikation, also Streuung das Mittel der Wahl. Und zwar über Anlageklassen, über Länder und Währungen – und über Branchen. Erst dann sollte man sich Einzeltitel auswählen.

Der Experte prognostizierte, dass die Zinsen vorerst nicht steigen werden. Wer heute eine Rendite von 3 Prozent und mehr erwirtschaften möchte, der müsse die Aktienquote in seiner Anlagestrategie deutlich erhöhen. Dividenden dienten dabei als Inflationsschutz, wenn man auf Unternehmen setze, die die Inflationssteigerung mitnehmen. (pm)