Was aussieht wie eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber, könnte die Zukunft der Drehflügler prägen. Mit dem Hochgeschwindigkeits-Demonstrator „Racer“ hat Airbus Helicopters gemeinsam mit europäischen Partnern ein Fluggerät entwickelt, das neue Maßstäbe bei Geschwindigkeit, Effizienz und Umweltverträglichkeit setzt. Forschungsleiter Christian Plaum stellte das einzigartige Projekt nun in Donauwörth vor.
„Etwas Vergleichbares gibt es weltweit kein einziges Mal“, betont Plaum. Der Name „Racer“ sei dabei Programm: Ziel sei es gewesen, die Geschwindigkeitsgrenzen klassischer Hubschrauber deutlich zu überschreiten. Bedeutet konkret: Während herkömmliche Maschinen meist bei rund 280 Stundenkilometern an ihre Grenzen stoßen, erreichte der Racer bereits bei seinen ersten Flugtests eine Spitzengeschwindigkeit von 440 km/h – und damit sogar deutlich mehr als ursprünglich geplant.
Europäisches Gemeinschaftsprojekt
Entwickelt wurde der Racer nicht allein von Airbus, sondern im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Clean Sky 2. Insgesamt arbeiteten 40 Partner aus 13 Nationen an dem Projekt. Komponenten kamen unter anderem aus Deutschland, Spanien, Rumänien und Italien. Für Plaum ist der Demonstrator deshalb auch ein „europäisches Vorzeigeprojekt der Luftfahrt“. In Donauwörth wurden u.a. entscheidende Teil des Rumpfs hergestellt.
Der Racer wurde mit klaren Zielen entwickelt: schneller, leiser und sparsamer als herkömmliche Hubschrauber. Nach Angaben von Airbus fliegt der Demonstrator nicht nur deutlich schneller, sondern verbraucht auch bis zu 25 Prozent weniger Treibstoff. Möglich machen das mehr als 90 technische Innovationen, darunter die markanten Tragflächen und seitlichen Propeller. Sie entlasten den Hauptrotor, reduzieren den Luftwiderstand erheblich und ermöglichen Fluggeschwindigkeiten von bis zu 440 km/h. Im Schnellflug übernimmt zudem ein spezieller Eco-Mode die Kraftstoffeinsparung, indem eines der beiden Triebwerke vorübergehend abgeschaltet wird.
Neue Möglichkeiten im Flugbetrieb
Der Racer verbindet die Vorteile von Hubschrauber und Flugzeug. Er kann senkrecht starten und landen, erreicht aber deutlich höhere Geschwindigkeiten als konventionelle Drehflügler. Darüber hinaus beherrscht er Flugmanöver, die bisher kaum möglich waren – etwa Landungen auf stark geneigtem Gelände oder besonders schnelle Steigflüge. Die Höhe von 3.000 Metern erreicht er in weniger als drei Minuten.
Die Tests sind noch nicht abgeschlossen. Künftig sollen unter anderem Rettungseinsätze mit Seilwinde sowie neue Verfahren zur weiteren Reduzierung der Geräuschemissionen erprobt werden. Für Airbus ist der Racer damit ein wichtiger Technologieträger für die nächste Generation von Hubschraubern. Anders als erwartet, sei der neue Demonstrator allerdings nicht für die Massenproduktion konzipiert, sondern lediglich ein Objekt an dem Zukunftstechnologien erprobt werden. Am Standort Donauwörth wird der Racer noch bis Donnerstag vor Ort sein - auch um den Mitarbeiter*innen die Möglichkeit zu geben, das Zukunftsprojekt selbst erleben zu können.