23. Januar 2019, 15:31

Mit tierischer Hilfe zum Therapieerfolg

Am Johannes-Hof wird seit 2015 bereits eine tiergestützte Therapie angeboten. Ab Ende April wird dort ein erster Lehrgang starten, der Interessierte zur Fachkraft für tiergestützte Therapie" ausbildet. Bild: Stiftung Sankt Johannes
Der Johannes-Hof der Stiftung Sankt Johannes in Schweinspoint darf sich Zentrum für tiergestützte Therapie nennen. Ab Ende April werden dort nun auch Therapeuten ausgebildet.

Seit dem Jahr 2015 bietet die Stiftung Sankt Johannes auf dem neu gebauten Johannes-Hof tiergestützte Therapien an. Mittlerweile darf sich der Johannes-Hof auch "Zentrum für Tiergestützte Therapie" nennen. Ab Ende April werden dort nun auch Therapeuten ausgebildet, die in Zukunft mit Tieren arbeiten werden. Die Tiere sollen dabei als Verbindungsglied zwischen Therapeut und Klient fungieren. 

Unter dem Slogan "Einhörner für Alle" wirbt die Stiftung Sankt Johannes nun um Teilnehmer des Kurses. "Der Satz stammt von einer Werbeagentur und wir fanden ihn ziemlich gut," erklärt Doreen Paus lachend, ehe sie von dem Lehrgang erzählt. "Unser inklusiver Bauernhof ist der ideale Ort für die Weiterbildung. Hier begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderungen. In diesem Lernumfeld wird aus Theorie lebendige Praxis," so die stellvertretende Geschäftsführerin Doreen Paus und führt weiter aus: "Tiere bereichern nicht nur den Alltag, sondern sie bringen auch neue Ansätze in Therapie und Pädagogik. Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen, dass tiergestützte Interventionen einen positiven Effekt auf Menschen haben. Und zwar nicht nur auf körperlicher, sondern vor allem auf sozial-emotionaler und kognitiver Ebene."

Das Tier unterscheidet nicht zwischen behindert und nicht behindert. Es nimmt den Menschen wie er ist und wertet ihn nicht. Forscher nennen das den Aschenputtel-Effekt. Bild: Stiftung Sankt Johannes

Bayernweit einzigartig

Die nun angebotene Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie ist in Bayern einzigartig. "Wir haben uns als erster Standort nach den Standards der European Society for Animal Assisted Therapy und der International Society for Animal Assisted Therapy zertifizieren lassen, und freuen uns nun, wenn Ende April der Kurs beginnt," so Doreen Paus weiter.

Die Weiterbildung besteht aus 11 Modulen mit 226 Pflichtstunden. Der zeitliche Rahmen umfasst 18 Monate. Die ersten Absolventen des Lehrgangs wird es also Ende 2020 geben. Gelernt wird auf dem Johannes-Hof, der durch die vielen Verknüpfungen zwischen Praxis und Theorie perfekt geeignet ist. Nach dem erfolgreichen Ablegen der Prüfung und dem Abschluss des Lehrgangs, der von namenhaften Dozenten geführt wird, erhalten alle Teilnehmer das Zertifikat und dürfen den Titel "Fachkraft für Tiergestützte Therapie" führen. 

Der Aschenputtel-Effekt

In der Stiftung Sankt Johannes werden nicht nur Pferde und Esel, sondern auch die klassische landwirtschaftliche Arbeit mit Schwein, Rind und Huhn zu Therapiezwecken angewandt. "Die Tiere werten nicht, sie unterscheiden nicht zwischen behindert und nicht behindert. Die Tiere nehmen ihr Gegenüber in seinem Anders sein an und akzeptieren es. Das bezeichnen die Forscher als Aschenputtel-Effekt," erklärt Doreen Paus den Ansatz der Therapie und führt weiter aus: "Für die Klienten der Stiftung bedeutet die Arbeit mit den Tieren so angenommen zu werden, wie sie sind. Etwas, womit viele bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben." 

Die tiergestützte Therapie auf dem Johannes-Hof nehmen nicht nur Bewohner der Stiftung in Anspruch, sondern auch externe Besucher können Therapiestunden mit Pferden in Anspruch nehmen. "Mit ihrem sanften und freundlichen Wesen gelingt es den Pferden Türen zu öffnen, die sonst verschlossen bleiben. Sie fördern, helfen und motivieren – so unterstützen sie die Arbeit der Therapeuten. Heilpädagogisches und therapeutisches Reiten sind mit die erfolgreichsten Therapieformen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene," so Paus abschließend.