11. Februar 2021, 15:48

Wer wurde bereits geimpft?

Symbolbild Bild: pixabay
Dass Landrat Stefan Rößle und seine Stellvertreterin bereits eine Corona-Schutzimpfung bekommen haben, wirft weiter Fragen auf. Warum war für Pflegepersonal in Seniorenheimen kein Impfstoff mehr übrig und was passiert mit Impfdosen, die "übrig" bleiben?

Das gKU (gemeinsame Kommunalunternehmen) äußerte sich jetzt in einer Pressemitteilung zu den Abläufen am 4. Januar, als Krankenhauspersonal, aber auch Landrat Stefan Rößle und Claudia Marb im Donauwörther Krankenhaus eine Corona-Impfung erhalten haben. "Da die Haltbarkeit des am Morgen in der Klinik Donauwörth angelieferten Impfstoffs noch am gleichen Tag auslief, mussten alle Ampullen noch am gleichen Tag verimpft werden – insgesamt 227 Dosen. Zielgruppe war das Personal in Kliniken und Seniorenheimen. Der gKU-Krisenstab entschied, zunächst alle Mitarbeiter der Klinik Donauwörth zu impfen."

Weiter heißt es : "Als bis zum Nachmittag alle impfwilligen und impffähigen Mitarbeiter geimpft waren, standen noch drei Impfdosen in aufgezogenen, damals nicht als transportfähig eingestuften Spritzen zur Verfügung. Die Rationen drohten in Kürze zu verfallen. Es sollte jedoch kein Impfstoff ungenutzt bleiben" Daraufhin sei entschieden worden, dem gKU-Verwaltungsratsvorsitzenden und Landrat Stefan Rößle und der stellvertretenden Landrätin kurzfristig ein Impfangebot zu machen. "Der Verwaltungsratsvorsitzende befindet sich auf der Impf-Priorisierungsliste des RKI auf der dritten Stufe (erhöhte Priorität). Impfwillige der Stufen eins und zwei waren kurzfristig nicht mehr verfügbar beziehungsweise bereits geimpft", so die Pressemitteilung. 

Pfleger: "Es gab keinen Impfstoff mehr"

Nachdem bekannt wurde, dass Rößle und Marb bereits geimpft wurden, meldet sich ein Altenpfleger, der in einem gKU-Seniorenheim beschäftigt ist, bei unserer Redaktion. Der Mann, welcher anonym bleiben möchte, berichtet, er und einige seiner Kollegen und Kolleginnen seien an besagtem 4. Januar ebenfalls im Donauwörther Krankenhaus erschienen um sich impfen zu lassen. "Wir wurden wieder nach Hause geschickt. Es gab wohl keinen Impfstoff mehr", so der Pfleger. Nach seinen Angaben versorgte er in diesem Zeitraum Coronapatienten und infizierte sich dabei. "Ob mir eine Impfung zu diesem Zeitpunkt noch geholfen hätte, ist sicher fraglich. Aber zumindest mit dem Versuch mir zu helfen hätte ich gerechnet", sagt der gKU-Beschäftigte. Er kritisiert: "Das Verwaltungspersonal und der Haustechniker sind geimpft. Der Pfleger nicht."

Wie sein Arbeitgeber mitteilt, befinden sich unter 227 geimpften Mitarbeitern in der Klinik Donauwörth 84 Pflegekräfte, 26 Ärzte, 55 weitere Mitarbeiter mit unmittelbarem Patientenkontakt. Etwa 60 weitere Mitarbeiter – unter anderem gKU-Vorstände, Laborangestellte und Betriebstechniker – hätten mittelbaren Patientenkontakt. 

Was passiert, wenn Impfstoff "übrig" bleibt?

Bereits Ende Januar haben sich Landrat Stefan Rößle die beiden Vorständen des gKU, Jürgen Busse und Roland Buchheit, der Geschäftsführer BRK-Kreisverbands Arthur Lettenbauer und die beiden ärztlicher Koordinatoren für die Landkreise Donau-Ries und Dillingen darauf geeinigte, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, der lokalen Krankenhäuser, sowie alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte samt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schnellstmöglich impfen zu wollen, da diese tagtäglich in direktem Kontakt zu Erkrankten stehen und einen unmittelbaren Beitrag zur Aufrechterhaltung des lokalen Gesundheitssystems leisten.

Wer vom obengenannten Personenkreis noch nicht geimpft wurde, kann sich in sogenannte „Hop-On-Listen“ eintragen lassen. Auf den Wartelisten stehen laut Rößle auch Polizisten und Polizistinnen, Feuerwehrleute und Beschäftigte in den Impfzentren. Wenn beispielsweise Bürger und Bürgerinnen nicht zu Impfterminen erscheinen und somit Impfstoff übrig bleibt und zu verfallen droht, werden Impfberechtigte aus den Listen kurzfristig ins Impfzentrum gerufen. Dies wird in Zukunft durch das Impfzentrum koordiniert, dabei soll streng nach den jeweiligen Priorisierungsstufen vorgegangen.

Dass am 4. Januar auch Krankenhauspersonal geimpft wurde, welches nicht der höchsten Kategorie angehört, hatten eine Reihe von niedergelassenen Ärzten zuvor kritisiert.