Herr Lindemann, Ihr Büro hat den Zuschlag für die Landesgartenschau erhalten – was hat Sie an dem Projekt sofort gereizt?
Wir sind in der Vorbereitung der Ausschreibung zum ersten Mal hierhergekommen und haben uns das Gebiet angeschaut. Es gab zwei Flächen, die uns am meisten begeistert haben. Das war einmal der jetzige Parkplatz am Festplatz, weil es eine große versiegelte Fläche ist und man als Landschaftsarchitekt sofort ins Träumen kommt, wenn man sich vorstellt, diese Fläche zu planen.
Das Zweite, was uns begeistert hat, war, als wir von der Kleinen Wörnitz – die uns allein ja schon umgehauen hat – diesen kleinen Weg zum Heilig-Kreuz-Garten hochgegangen sind. Auf einmal sieht man die Weite dieser Wiese mit der Silhouette von Donauwörth auf der einen und diesem schönen Gehölz auf der anderen Seite. Es war bestes Wetter und als wir dort entlanggelaufen sind, dachte ich mir: Wie schön das ist und wie könnte man hier viel leicht noch mehr rausholen.
Bei einer Bürgerinfoveranstaltung haben Sie einmal gesagt: „Donauwörth ist so schön und wir machen es noch schöner.“ Was macht Donauwörth für Sie besonders, und welches Potenzial sehen Sie in der Stadt, das vielleicht bisher unterschätzt wurde?
Das ist keine Worthülse: Wir haben uns wirklich in Donauwörth verliebt! Angefangen bei der Reichsstraße und weiter an der Kleinen Wörnitz. Die Bürger nehmen viele schöne Ort vielleicht oft nur als Durchgangsräume war. Den größten Aha-Effekt hatten die Leute, mit denen wir gesprochen hatten, im Auenbereich unter halb des Heilig-Kreuz-Gartens entlang der Wörnitz. Eine richtig schöne Fläche, die sehr zentral liegt und fast keiner so wirklich auf dem Schirm hat. Allgemein schlummert in fast allen Uferbereichen großes Potenzial.
Sie arbeiten mit einem vergleichsweise jungen Team: Welche Vorteile bringt diese Dynamik für ein so großes Projekt mit sich?
Inzwischen sind wir 14 Leute, bei uns im Büro, die an dem Projekt in Donauwörth arbeiten. Von 45 Leuten, die bei uns insgesamt beschäftigt sind, ist das schon ein sehr großer Anteil. Auf jeden Fall ist unser Durchschnittsalter von unter 30 Jahren von Vorteil. Die Leute, die an dem Projekt sitzen sind die Kreativsten in unserem Büro und auch diejenigen, die sehr innovativ denken.
Dazu muss man sagen, dass wir eine sehr gute Qualitätssicherung im Team haben. Nur junge, frische Gedanken allein reichen nicht aus. Wir haben intern ein Werkzeug eingebaut, um den starken Bezug zur Realität nicht zu verlieren. Nur eine Vision zu kreieren, die nicht realisierbar ist, davon hat am Ende keiner etwas.
Ihr Büro ist in verschiedenen Projekten aktiv: Woran arbeiten Sie aktuell noch?
Das cooleste bei GDLA ist zum einen das Team, und zum anderen die Vielfalt der Projekte. Öffentliche Freianlagen sind unsere Lieblingsprojekte. Dazu gehörten Schulhöfe, Freiflächen von Kitas, Spielplätze, und das Schönste sind Stadtplätze.
Zurück nach Donauwörth. Die Landesgartenschau ist aber trotzdem ein besonders Projekt für Sie – nur wegen dem Zeitdruck?
Es ist ein unglaubliches schönes Projekt und aus verschiedenen Gründen besonders. Eine Gartenschau ist schon eine Art „Königsdisziplin“ in der Landschaftsarchitektur. Es ist sehr komplex und man kann in relativ kurzer Zeit sehr viel bewegen. In Donauwörth ist der Zeitdruck besonders hoch, weil die Stadt für eine anderen Kommune eingesprungen ist, die abgesagt hat. Von der Beauftragung bis zur Eröffnung sind es drei Jahre.
Für Projekte dieser Größe braucht man normal ein Vielfaches an Zeit. Fünfzig Prozent meiner Zeit als Geschäftsführer und Projektleiter fließen aktuell nach Donauwörth. Wir haben alle eine sehr starke emotionale Bindung zu Donauwörth entwickelt. Besonders ist auch, dass wir das Gefühl haben, die Menschen in Donauwörth haben wirklich Lust auf diese Gartenschau und verstanden, dass es eine Chance für die nächsten Generationen ist. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie motivierend das wiederum für uns ist, wirklich das Beste aus dieser Planung rauszuholen.
Wenn Sie die Landesgartenschau in einem Satz beschreiben müssten, wie lautet Ihre Vision?
Die Landesgartenschau in Donauwörth schafft es, dass Freiräume lebenswert werden, in denen man Lust hat, sich aufzuhalten, wie in einem Wohnzimmer im Freien und in denen die Stadt wieder stärker mit dem Wasser in Bezug kommt.
Gab es im bisherigen Planungsprozess einen Moment, der Sie besonders herausgefordert hat?
Das komplexeste war oder ist die Kaibachmündung. Sie ist eng gelegen und es gibt einen großen Höhenunterschied. Daneben gibt es ein privates Bauvorhaben, mit sehr erschütterungssensibler Technik. Und das Thema mit dem Hochwasser von Wörnitz, Donau und Kaibach muss berücksichtig werden. Es war komplex, da die richtige Lösung zu finden – aber diese haben wir ja jetzt gefunden.
Was macht Ihnen am Beruf als Landschaftsarchitekt am meisten Freude?
Das Arbeiten mit den Menschen macht mir große Freude. Ich darf die Projekte vorstellen und bekomme dadurch die direkte Reaktion der Menschen mit. Und ich erfahre unglaublich viel Dankbarkeit, Rückmeldungen und Feedback.
Wenn Besucher die Gartenschau 2028 verlassen: Was sollen sie fühlen oder mitnehmen?
Wir wollen, dass sie einen schönen Tag hatten, mit schönen Erlebnissen. Und dass sie durch eine schöne zeitgemäße Parkanlage inspiriert nach Hause gehen. Wir sagen immer: wenn jeder Besucher, der auf einer Gartenschau war, mit einer guten Idee nach Hause kommt, dann hat sich für uns die Arbeit gelohnt. (dra)