Blättle

Ein Ort, zu schön, um ihn nicht mit der Welt zu teilen

Herr und Frau Wiedenmann auf Ihren Zeltlagerplatz Bild: famlie Wiedenmann
Im Jahr 1999 haben Elisabeth und Max Wiedenmann mit ihren Kindern auf einer Hofstelle im Kaisheimer Ortsteil Bergstetten ihre Heimat gefunden. Dort leben sie nicht nur ihren Traum der Selbstständigkeit, sondern stellen seit über 20 Jahren ihr idyllisches Zuhause für Zeltlager zur Verfügung.

Als Elisabeth und Max Wiedenmann mit ihren damals drei Kindern und einer kleinen Schafherde die alte Hofstelle in Bergstetten bezogen, hatten sie zunächst ganz bodenständige Pläne: mehr Platz, eine größere Halle und bessere Bedingungen für ihren Großhandel für Naturfloristik. Rund 18 000 Quadratmeter umfasst das Areal, das sie ihr Zuhause nennen dürfen. Am Ortsrand gelegen, bietet es einen atemberaubenden Blick auf den Naturpark Altmühltal.  

„Wir haben gebetet und gesagt, wir wollen diesen wunderschönen Platz nicht nur für uns allein haben“, blickt Elisabeth Wiedenmann zurück. 

Unzählige Jahre war Wiedenmann bei den christlichen Pfadfindern „Royal Rangers“ ehrenamtlich aktiv – so entstand auch die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem Pfadfinder ihre Zeltlager durchführen können. „Kinder haben damals auf unserem Dach die Fahne gehisst“, erzählt sie lachend und damit sei die Idee endgültig besiegelt gewesen. 

Gemeinschaft, Glaube und Lagerleben

2003 fand das erste Pfingstcamp mit 400 Pfadfindern statt. Der damalige Bürgermeister der Marktgemeinde Kaisheim, Franz Oppel, eröffnete das Camp – eine Tradition, die über die Jahre hinweg beibehalten wurde. In diesem Jahr wurde diese Ehre auch dem neuen Bürgermeister Andreas Strobel zuteil. Unter dem Motto „Exodus“ campierte die mehr als 600 Teilnehmer zählende Pfadfinderschar aus Mittelfranken in den Pfingstferien auf dem Zeltplatz. Im Mittelpunkt der Camps der Royal Rangers steht das Miteinander: Es wird gebaut, gelernt, gekocht, gespielt und das Zusammensein bewusst gelebt und gefeiert. Jeden Morgen und Abend kommen die verschiedenen Stämme – so nennt man die Ortsgruppen - zum gemeinsamen Gebet zusammen. „Die christlichen Werte werden im Zeltlager sehr intensiv vermittelt“, sagt sie. Zudem erwartet die Kinder jeden Tag ein abwechslungsreiches Programm.

An einem Nachmittag stehen sogenannte Workshops auf dem Plan, in denen sie gemeinsam neue Dinge ausprobieren, wie zum Beispiel Seifen schnitzen, Kerzen ziehen oder Messer schärfen. „Es ist grundsätzlich immer etwas Kreatives oder Praktisches“, sagt Wiedenmann. Auch außergewöhnliche Angebote hat es bereits gegeben, etwa Haare schneiden, Massagen oder Fußbäder. Für das Leben im Camp gibt es aber klare Regeln – nur so ist das Zusammenleben von mehr als 600 Personen überhaupt möglich. Während der gesamten Zeit verzichten die Jugendlichen auf Handy, Alkohol und Nikotin. Außerdem gehört es dazu, dass jeder in einem Team eine feste Aufgabe übernimmt – sei es beim Putzen, Kochen oder bei der Nachtwache. Johannes Sierl von den Royal Rangers aus Fürth leitete das Pfingstcamp 2026 und kommt seit 2003 jedes Jahr auf den Zeltplatz von Elisabeth und Max Wiedenmann. „Wir sind sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen“, sagt er. 

Sommercamp 2025 Bild: Familie Wiedenmann

Über 20 000 Gäste in mehr als 20 Jahren

Stichwort Dankbarkeit: In ihrem gesamten Handeln legen die Wiedenmanns großen Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität. „Die Ortsgruppen bringen natürlich viele Lebensmittel schon mit, wenn sie ins Lager einziehen. Wenn sie aber doch noch einkaufen gehen müssen, dann verweise ich immer auf regionale Produkte“, sagt Elisabeth Wiedenmann. Auch beim Thema Holz setzen sie auf kurze Wege und eine enge regionale Zusammenarbeit. Mit Förster Willi Weber, zuständig für das Forstrevier Monheim, stehen sie im regelmäßigen Austausch. Das Holz für Jurten, Tore und das gesamte Lagerleben stammt dabei überwiegend aus den heimischen Wäldern. 

Rund fünf bis sechs Camps finden auf dem Zeltplatz der Familie jährlich statt. Im Laufe der Jahre besuchten über 20 000 Menschen das Anwesen. Die meisten Pfadfinder kommen aus Bayern oder Baden-Württemberg, doch auch der Grundschule Kaisheim fühlen sich die Wiedenmanns eng verbunden. Seit 2018 finden auf ihrem Zeltplatz regelmäßig die Heimattage oder das Indianerfest statt. „Man kann sagen, dass seit 2018 fast alle Grundschüler der Marktgemeinde Kaisheim bei uns am Hof zu Gast waren“, erzählt Elisabeth Wiedenmann. Auf dem Programm stehen Singen, Basteln, Spielen, Malen und Pizza backen. Die Kosten übernimmt die Familie vollständig selbst, die Erlebnistage verstehen sie als „Geschenk an die Kinder“.  

Ehepaar & Unternehmer seit über 40 Jahren

Neben ihrem Zeltplatz betreibt das Ehepaar seit mittlerweile über 40 Jahren einen Großhandel für Naturfloristik. „Drei Kinder in der Schule, Haus, Hof, Garten, Firma und ein Baby – da hatte man wirklich alle Hände voll zu tun“, sagt Elisabeth Wiedenmann. Dennoch war es den beiden immer wichtig mit der Zeit zu gehen und so entschieden sie sich 2008 ein drittes Standbein zu etablieren: Sie gründeten den Online-Shop Bastelspaß24.de. „Auch dieses Projekt war kein Senkrechtstarter, wie so vieles in der Vergangenheit“, so die gelernte Floristin. Viel Aufwand und Zeit flossen im Laufe der Jahre in den Aufbau des Shops, auch heute noch ist die Selbstständigkeit kein Selbstläufer. „Wir sehen mit Gottvertrauen in eine Zukunft mit großen Herausforderungen und großem wirtschaftlichen Wandel“, sagt Elisabeth Wiedenmann. 

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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