Die Sternwarte am AEG

Zwischen Sternenhimmel und Schulalltag

Ernst Christian Bild: Ernst Christian
Die Sternwarte am Albrecht-Ernst-Gymnasium Oettingen ist weit mehr als ein Raum voller Teleskope. Seit den 1980er Jahren entstand dort unter der Leitung von Ernst Christ ein außergewöhnlicher Lernort für Astronomie – mit selbst gebautem Planetarium, historischen Geräten und jeder Menge Begeisterung für den Sternenhimmel. Ein Blick auf ein Projekt, das bis heute Menschen für das Universum fasziniert. Mittlerweile ist Herr Christ seit über 15 Jahren im Ruhestand – seiner Sternwarte allerdings noch immer eng verbunden.

Wer heute die Sternwarte am Albrecht-Ernst-Gymnasium Oettingen besucht, begegnet weit mehr als nur Teleskopen und Sternkarten. Hinter der Einrichtung steckt die jahrzehntelange Leidenschaft von Ernst Christ – Lehrer, Tüftler und Astronomievermittler, der aus einer spontanen Unterrichtssituation ein außergewöhnliches Bildungsprojekt entstehen ließ.

„Ich hatte zunächst überhaupt keine Ahnung von Astronomie“, sagt Christ über seine Anfangszeit am Gymnasium. Als er 1979 an die Schule kam, unterrichtete er Physik und Mathematik. Schülerinnen und Schüler konnten damals auf dem Weg zum Abitur zwischen Kernphysik und Astronomie wählen – und entschieden sich mehrheitlich für die Sterne. Für Christ selbst bedeutete das: lernen, improvisieren und gemeinsam mit den Jugendlichen Neuland betreten.

Bereits 1985 entstand auf sein Betreiben hin die erste Sternwarte der Schule. Aus Unterricht wurde Leidenschaft – und daraus ein Ort, der bis heute Wissen und Begeisterung für den Himmel vermittelt.

Lernen durch Erleben

Die Sternwarte zeichnet sich durch ihren praxisnahen Ansatz aus. Viele Geräte wurden selbst gebaut, umgebaut oder über Jahrzehnte weiterentwickelt. Christ spricht dabei weniger von Technik als von Möglichkeiten: „Es muss flexibel sein.“

Besonders stolz ist er auf das moderne Sonnenteleskop mit H-Alpha-Filter, mit dem sich Sonnenprotuberanzen und Strukturen auf der Oberfläche gefahrlos beobachten lassen. Über einen Monitor können Beobachtungen gleichzeitig erklärt und verfolgt werden. Auch ältere Technik hat weiterhin ihren Platz. In der Sternwarte stehen große Spiegelteleskope, ein klassischer Zeiss-Refraktor sowie zahlreiche Modelle und Demonstrationsobjekte, die teils seit vierzig Jahren im Einsatz sind. Vieles stammt aus dem eigenen Fundus oder wurde restauriert. „Mein Grundprinzip ist: alles nachhaltig und dauerhaft wiederverwenden“, erklärt Christ. Dieses Credo gilt bis heute: So fußen Ideen und die spätere Projektumsetzung in den meisten Fällen komplett auf Eigenleistung. Dadurch werden übermäßige Kosten bewusst umgangen.

Ein Planetarium aus Eigenregie

Als Beobachtungsabende immer wieder von Wolken oder Nebel durchkreuzt wurden, entstand Anfang der 1990er Jahre die Idee eines eigenen Planetariums. 1992 wurde es eröffnet – komplett in Eigenleistung. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern baute Christ eine faltbare Kuppel mit selbst konstruiertem Sternenprojektor. Die Konstruktion funktioniert bis heute. „Die Löcher im Tonpapier sind vor dreiunddreißig Jahren von mir selbst gestochen worden“, erzählt der mittlerweile 79 Jahre alte pensionierte Lehrer stolz. Im abgedunkelten Raum entsteht ein realistischer Sternenhimmel, an dem Sternbilder und Himmelsbewegungen anschaulich erklärt werden können.

Astronomie zum Anfassen

Die Sternwarte versteht sich nicht als klassische Vorführung, sondern als interaktive Lernumgebung. Besuchergruppen mit meist maximal zwölf Personen erleben den Himmel unmittelbar und können selbst aktiv werden. Dabei erhält Christ auch immer wieder Hilfe von außerhalb – u.a. von Uwe Bahadir, der sich bereits seit der Gründung der Sternwarte engagiert und dabei zahlreiche Führungen betreut. Das Besondere: Er und die Rieser Sternfreunde trugen ganz erheblich beim Aufbau der dritten Version des Planetariums bei. Heute wird die Sternwarte weiterhin für Führungen, Vhs- Angebote und Astronomietage genutzt. Schulklassen, Vereine oder private Gruppen können Führungen buchen – oft beginnt der Abend im Planetarium und endet unter freiem Himmel am Teleskop. Dass die Schule die Einrichtung theoretisch stärker nutzen könnte, bedauert Christ ein wenig. „Man hätte viel mehr Möglichkeiten“, sagt er. Die Sternwarte am AEG Oettingen ist deshalb nicht nur ein Ort der Astronomie. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Begeisterung, handwerklicher Kreativität und pädagogischer Leidenschaft.

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

Telefon: 0906 / 977 598 - 25

toesterer@donau-ries-aktuell.de