1. Januar 2021, 09:32
Regionalgespräch

Auf ein Tässchen mit ... dem Musiker, Komponist und Dirigent Sebastian Schwab aus Donauwörth

Sebastian Schwab Bild: Jens Rötzsch
Im aktuellen blättle dreht sich alles um das große Titelthema Musik. Daher haben wir in unserem Regionalgespräch mit dem Musiker, Komponisten und Dirigenten Sebastian Schwab (24 Jahre) aus Donauwörth gesprochen.

1 Guten Morgen Herr Schwab. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser Regionalgespräch nehmen. Es steht immer unter dem Motto "Auf ein Tässchen...". Was darf es für Sie sein: Tässchen Tee oder Tässchen Kaffee?
Espresso.

2 Wie sieht Ihr Morgen aus, sind Sie eher Frühaufsteher oder Langschläfer?
Ich würde sagen, ich liege irgendwo dazwischen. Ich stehe zwischen sieben und acht Uhr auf, die Proben beginnen meist um zehn Uhr.

3 Zum Frühstück eher süß oder etwas Herzhaftes?
Eher süß.

4 Mögen Sie lieber die heimatliche Hausmannskost oder die exotische Experimentierküche?
Ich esse gerne Hausmannskost, aber auch sehr gerne italienisch und indisch.

5 Fernsehen oder Netflix?
Fernsehen: Fußball.

6 Facebook oder Snapchat?
Facebook, aber nicht zu viel.

7 Bei Ihren Auftritten sind Sie schick gekleidet. Darf es privat auch Jeans und T-Shirt sein?
Klar!

Lassen Sie uns über das Aufwachsen in Donauwörth und Ihre musikalischen Anfänge sprechen.

8 Wo sind Sie geboren?
In München.

9 Wie kam Ihre Familie nach Donauwörth?
Mein Vater wurde von der Bundeswehr nach Donauwörth versetzt, so kamen wir hierher.

10 Auf welche Schule sind Sie gegangen?
Zuerst auf die Sebastian-Franck-Schule, dann auf die Mangoldschule und schließlich aufs Gymnasium.

11 Sie haben schon mit fünf Jahren angefangen Geigenunterricht zu nehmen. Wie kamen Sie in diesem jungen Alter zu diesem Instrument?
Meine Schwester, die fünf Jahre älter ist als ich, nahm Geigenunterricht. Ich habe es mir wohl bei ihr abgeschaut. Außerdem fing mein Freund dann auch an Geige zu spielen.

12 Warum gerade die Geige?
Anfangs wahrscheinlich, weil meine Schwester sie spielte. Ich kannte ja nicht so viele Instrumente. Die Geige ist ein spannendes Instrument, sie erfordert eine hohe Körperkoordination, das hat mich auch begeistert.

13 Sie haben in diesem zarten Alter auch bereits Ihre erste Komposition geschrieben. Wie heißt sie und um was geht es?
Sie hat keinen Namen. Ich habe sie für einige Instrumente, ich weiß nicht mehr genau welche, und eine Gesangsstimme geschrieben, wobei der Gesang gar keinen Text hatte. Wenn ich sie heute spielen würde, würde das wahrscheinlich sehr avantgardistisch klingen.

14 Andere Jungs gehen in diesem Alter ja eher auf den Spielplatz oder zum Fußball. Waren Sie da auch?
Das habe ich natürlich auch gemacht. Ich habe zehn Jahre im Fußballverein gespielt.

15 Was ist Ihre erste musikalische Erinnerung?
Meine Mutter sang im Chor und ich war immer bei den Chorproben mit dabei. Da habe ich zugehört.

16 Wann wussten Sie, dass Sie einen musikalischen Beruf ergreifen wollen?
Ganz sicher wusste ich das mit dreizehn Jahren. Da wurde ich Jungstudent in München und als solcher wird man schon wie ein vollwertiger Musiker behandelt. Da kommt man auch schon mit vielen Profimusikern zusammen und möchte dann auch so werden.

17 Geige, Komponieren, Dirigieren, was hat Vorrang?
Geige spielen ist etwas in den Hintergrund getreten. Komponieren und Dirigieren halten sich etwa die Waage. Während der Spielpausen komponiere ich mehr, jetzt in der Spielzeit dirigiere ich mehr. Ich gebe auch noch ein paar Geigenkonzerte, aber mein Geld verdiene ich mit dem Dirigieren.

18 Wenn nicht Musiker, welche berufliche Karriere hätten Sie sich sonst vorstellen können?
Koch. Auch da kann man komponieren.

19 Eines Ihrer Stücke wurde gerade in Argentinien gespielt.
Ja. Ich selbst war nicht in Argentinien, aber mein Stück wurde dort vom Bayerischen Landesjugendchor aufgeführt.

20 Sie studieren in München und sind für Engagements viel unterwegs, kommen Sie noch oft nach Donauwörth?
Ja, meine Familie ist hier. Wenn es passt, komme ich her.

21 Was machen Sie, wenn Sie in Donauwörth sind?
Mit der Familie zusammen sein. Ich kann hier auch gut komponieren, aber oft genieße ich auch die Freizeit.

22 Haben Sie einen Lieblingsort in Donauwörth?
Ich finde das Ried sehr schön, das mag ich. Auch die Heilig Kreuz Kirche. Dort hat meine Schwester geheiratet, da habe ich also schöne Erinnerungen, wenn ich dort vorbeigehe.

Sprechen wir mal über das echowand Projekt, an dem Sie mitgewirkt haben. Es wurden Lieder des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis von Ihnen für Gesang und Klavier bearbeitet. Johanna Krumin und Peter Schöne singen, Markus Zugehör spielt Klavier.

23 Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Damals war ich 18 Jahre alt, und mein Lehrer hat den Kontakt hergestellt. Es wurde für das Projekt ein junger Komponist gesucht und mein Lehrer hat mich gefragt, ob ich Interesse daran hätte und mich dann empfohlen.

24 Zwischen Ihnen und Mikis Theodorakis (92 Jahre) liegt eine Generation, er könnte Ihr Großvater sein. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
Er ist trotz seines Alters sehr jugendlich vom Gemüt her und auch sehr humorvoll. Der Altersunterschied war wenig von Bedeutung. Es gibt Leute, die jünger sind als er, aber älter wirken.

25 Wie kommt ein so junger Mensch wie Sie zu seiner Musik?
Ich kam wirklich erst durch das Projekt zu seiner Musik. Er ist ja in meiner Generation nicht so präsent, leider, muss man sagen. Mit dem Projekt habe ich seine Musik entdeckt.

26 Theodorakis Themen sind sehr politisch, er ist nicht nur der bekannteste griechische Komponist des 20. Jahrhunderts sondern war auch Politiker. Seine Themen umfassen Krieg, Diktatur und den Freiheitsgedanken – wie aktuell empfinden Sie sein Werk in der heutigen Zeit und im Hinblick auf die politische Weltlage?
Er hat immer für Freiheit gekämft, für die kulturelle Mündigkeit seiner Landsleute. Ich glaube, das gilt heute und auch für alle Zeiten. Die Meinungsfreiheit war sein großer Verdienst und diese gilt immer und überall. Auch, dass man mit Musik, oder ganz allgemein mit Kunst, Grenzen überwinden kann.

27 Könnten Sie sich das für sich auch vorstellen, oder bleiben Sie lieber bei der Musik?
Theodorakis hat in einer ganz anderen Zeit gelebt, wie ich heute. Wir leben in Europa aktuell die längste Zeit im Frieden. Was ich kritisch sehe ist, dass wir dies nicht schätzen. Ich bin im Frieden aufgewachsen, daher finde ich es schwierig, mich in seine Situation zu versetzen. Ich würde selbst kein Thema bearbeiten wie zum Beispiel Krieg, weil ich es nicht selbst erlebt habe. Das fände ich anmaßend.

28 Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
Ich hoffe auf eine feste Stelle als Dirigent, am liebsten am Theater. Ich mag den Theaterbetrieb, es ist spannend und lebendig. Gerne möchte ich dann auch mit meiner Verlobten, die auch Musikerin ist, zusammenleben in einer Stadt, in der wir beide arbeiten können. Ich möchte auch weiterhin als Komponist tätig sein und die Möglichkeit haben, meine Musik zu veröffentlichen.

29 Und sagen wir mal in 50 Jahren?
Das ist schwer zu sagen (lacht). Ich denke, eine Familie haben und noch immer Dirigent und Komponist sein.

30 Woran arbeiten Sie gerade?
Derzeit arbeite ich an einem Projekt in Bern am Theater. Nächstes Jahr steht meine Kinderoper in Heidenheim an, da bin ich gerade dabei, gemeinsam mit dem Librettisten das Libretto zu entwickeln.

31 Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten, wenn Sie die freie Wahl hätten?
Das ist schwierig (überlegt). Ich denke mit John Elliot Gardiner. Er ist auch Dirigent, also wäre es eigentlich keine Zusammenarbeit, er ist eher ein Vorbild. Ihn würde ich gerne einmal treffen. Zusammenarbeiten würde ich wohl gerne mal mit Jörg Widmann.

32 Wenn Sie einen historischen Komponisten treffen könnten, wer wäre das?
Igor Strawinsky.

33 Warum gerade ihn?
Weil ich in Bern ein Ballett von ihm dirigiere. Er muss ein sehr eigentümlicher Mensch gewesen sein, sehr selbstironisch. Ich würde ihn weniger musikalisch kennenlernen wollen, sondern eher gerne wissen, was für ein Typ er so war.

34 Welche Musik haben Sie in Ihrer Mediathek oder auf dem Player?
Keine. Ich höre eigentlich keine Musik. Ich beschäftige mich den ganzen Tag auf andere Weise mit Musik, da mache ich in meiner Freizeit andere Dinge.

35 Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Joggen. Ich koche gerne. Ich treffe mich mit meiner Freundin oder gehe mit Kumpels ein Bier trinken.

36 Wobei können Sie entspannen?
Beim Kochen kann ich entspannen.

37 Was nehmen Sie mit auf die berühmte einsame Insel?
Meine Freundin und meine Familie.

38 Beruflich sind Sie viel unterwegs. Wo fanden Sie es bisher am schönsten?
In Bern finde ich es sehr schön.

39 Wo würden Sie unbedingt einmal gerne auftreten wollen?
Das wäre in Palermo am Theater.

40 Beschreiben Sie sich in drei Worten:
Lebendig, (überlegt) mit schnell wechselnden Gefühlen. Ich kann sehr schnell traurig, aber dann auch gleich wieder fröhlich sein. Freundschaftlich.

Vervollständigen Sie bitte folgende Sätze:

41 Musik ist für mich ...
Leben.

42 Inspiration finde ich ...
Im Alltag.

Kommen wir zu unserem Self-Rating Test: Schätze deine Fähigkeiten von 0 Punkten (völlig unbegabt) bis 10 Punkten (maximale Begabung) ein:

43 Student?
7 Punkte.

44 Social Media Nutzer?
1 Punkt.

45 Oktoberfest Besucher?
2 Punkte.

46 Weltenbummler?
5 Punkte.

Kommen wir zum Abschluss mal auf Weihnachten zu sprechen. Das Fest steht schon bald vor der Tür.

47 Haben Sie frei oder ein Engagement?
Ich werde arbeiten.

48 Welcher Geschenkekauftyp sind Sie? Jemand, der am 1. Dezember schon alles beisammen hat oder auf die letzte Minute shoppt?
Geschenke kaufe ich tatsächlich auf die letzte Minute.

49 Was gehört für Sie unbedingt zu Weihnachten dazu?
Das Menü für die Familie kochen und bei der Orchestermesse für die Kirche mitmachen.

50 Ihr liebstes Weihnachtslied?
Oh du fröhliche.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!