Carbon-Werke Weißgerber

Vom kleinen Kohlefaserhandel zum Hightech-Zulieferer

Unternehmensgründerin Annemarie Weißgerber (links) gemeinsam mit ihrer Tochter und heutigen Geschäftsführerin Christine Haußer. Bild: Carbon-Werke Weißgerber Wallerstein
Die Carbon-Werke Weißgerber aus Wallerstein beliefern Branchen weltweit. Sogar das größte Teleskop der Erde wird mit Carbonkomponenten aus dem Donau-Ries gebaut.

Inhaberin Annemarie Weißgerber bewies mit der Unternehmensgründung in den frühen 80er Jahren ein feines Gespür. Als Annemarie Weißgerber im Jahr 1982 in Wemding das Unternehmen Carbon-Vertrieb gründete, konnte sie kaum ahnen, welche Entwicklung ihr Betrieb einmal nehmen würde. Die gelernte Berufsschullehrerin im Bereich Hauswirtschaft stieß damals durch ihren Mann, einen leidenschaftlichen Modellflieger, auf das Potenzial von Kohlefaser. 

Das Material war in kleinen Mengen schwer erhältlich, weshalb sie beschloss, selbst einen Handel aufzubauen. Unterstützt von ihrem ebenfalls als Lehrer tätigen Ehemann entwickelte sie das junge Unternehmen mit viel Herzblut und Erfindergeist weiter.

Schon früh spielte ein Partner eine entscheidende Rolle: „Wir arbeiten seit Beginn an mit SGL Carbon aus Meitingen eng zusammen“, berichtet Christine Haußer, heutige Geschäftsführerin und Tochter der Gründerin. Diese Zusammenarbeit eröffnete dem jungen Betrieb damals neue technische Möglichkeiten und trieb die Weiterentwicklung voran. Mit steigenden Anforderungen und wachsenden Kundenwünschen zog das Unternehmen 1985 nach Wallerstein um. Dort nahm es zusätzlich zur Distribution erstmals die Produktion von Halbzeugen auf – vorgefertigten Materialformen, die als wichtige Zwischenschritte für zahlreiche Endprodukte dienen. 

Familie Weißgerber erkannte früh das enorme Potenzial der Kohlefaser. Die Eigenschaften des Materials – leichter als Metall, elektrisch leitfähig und äußerst formstabil, selbst bei großen Temperaturschwankungen – machten es zu einem Werkstoff mit Zukunft. Aus diesem Grund gab Annemarie Weißgerber schließlich den Lehrerberuf auf und wagte den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit.

Produktion auf 6.000 Quadratmetern

Heute produzieren die Carbon-Werke Bauteile für vielfältige Branchen. Die Einsatzgebiete reichen von der Medizintechnik über die Chip- und Automobilindustrie bis hin zur Astronomie und Anlagentechnik. Ein kleiner, aber bedeutender Teil findet seinen Weg sogar in die Raumfahrt. Gleichzeitig fertigt das Unternehmen auch Komponenten für Produkte des täglichen Gebrauchs: So beliefert es etwa die Marke Fossil und stellt Zifferblätter aus Carbon für deren Uhren her. 

Auch seine Wurzeln hat der Familienbetrieb nie vergessen: Denn heute wie damals können Hobby-Bastler und Handwerker auch Carbon-Faser und Technik in kleinen Mengen im Online-Shop der Firma erwerben. Am Standort in Wallerstein arbeiten inzwischen rund 20 Mitarbeiter auf einer Produktionsfläche von 6 000 Quadratmetern. 2002 entstand eine neue Halle, 2006 wurde eine ehemalige Schreinerei erworben. Christine Haußer betont, dass Holz eine sehr ähnliche Faserstruktur wie Carbon aufweise. 

Das Extremely Large Telescope (ELT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile befindet sich noch im Bau. Teile stammen aus den Carbon-Werken Wallerstein. Bild: Wikkicommons ESO/G. Vecchia

Daher beschäftige das Unternehmen viele Fachkräfte, die ursprünglich aus der Holzverarbeitung kommen. Auch zahlreiche Maschinen, die im Betrieb genutzt werden, stammten ursprünglich aus der Holzbearbeitung – ihre Weiternutzung sei ein besonders nachhaltiger Aspekt der Produktionsphilosophie. Dass die Carbon-Werke heute Kunden auf der ganzen Welt beliefern, hängt eng mit der breiten Branchenaufstellung zusammen. Annemarie Weißgerber sagt: „Wir beliefern nicht nur eine Branche, sondern haben Kunden überall auf der Welt.” 

Dies sei bis heute das Erfolgsrezept des Unternehmens. Zu den herausragendsten Projekten der vergangenen Jahre zählt die Produktion von Bauteilen für das Extremely Large Telescope (ELT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Das Riesenteleskop, das derzeit noch in der Atacama-Wüste entsteht, soll ab 2029 neue Erkenntnisse zur Entstehung des Universums liefern und die Erforschung von Exoplaneten revolutionieren. Die Carbon-Werke fertigten in enger Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut elementare Carbonkomponenten, an denen hochpräzise Messgeräte ausgerichtet werden.

Partner der Forschung und Ausbildung

Auch lokale Kooperationen spielen eine große Rolle für das Unternehmen, erzählt Christine Haußer. Seit Jahren bildet das Unternehmen nicht nur selbst aus, sondern unterstützt auch die Hochschule Augsburg und die Universität Augsburg, insbesondere das studentische Rennteam „StarkStrom Augsburg e.V.“. Jedes Jahr arbeiten dort 40 bis 70 Studierende aller Fakultäten gemeinsam an der Konstruktion eines Rennwagens. Die Carbon-Werke stellen ihnen nicht nur Material zur Verfügung, sondern ermöglichen auch die Nutzung der eigenen Produktionsanlagen. 

Diese Artikel ist bereits im blättle (Ausgabe 66 Januar/Februar 2026) erschienen. Hier E-Paper lesen: Zum Webkiosk

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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