Wer in Donauwörth schon einmal an der Kreuzung von der Nürnberger Straße in die Parkstadt unterwegs war, hat sie vielleicht schon entdeckt: glänzende, futuristisch anmutende Wohnwagen aus Aluminium, die wirken, als wären sie direkt aus einem Roadmovie der 60er-Jahre gefahren. Hinter diesen rollenden Designikonen steckt ein Unternehmen, das man zunächst kaum mit Camper-Romantik verbindet: der Nutzfahrzeugspezialist Jotha. Doch genau hier, zwischen Autotransportanhängern, Spezialaufbauten und hochpräziser Fertigung, entstehen seit einigen Jahren moderne Airstream-Umbauten für echte Liebhaber.
Vom Nutzfahrzeug zur Camper-Leidenschaft
Jotha ist seit Jahrzehnten in einer klar definierten Nische erfolgreich. Das Unternehmen entwickelt Anhänger und Fahrzeugaufbauten für professionelle Anwendungen, vor allem im Auto- und Containertransport. Serienproduktion spielt dabei kaum eine Rolle. „Wir bauen nur für professionelle Anwender“, erklärt Geschäftsführer Christian Huber. Die Kunden hätten hohe Anforderungen an Qualität und Sonderausstattung. Diese Spezialisierung ermöglicht individuelle Lösungen auf Manufakturniveau – getragen von erfahrenen Mitarbeitenden und moderner Technik. Dass daraus einmal restaurierte Airstream-Wohnwagen entstehen würden, war jedoch nicht geplant. Der Einstieg in die Airstream-Welt begann privat. Huber suchte vor rund zehn Jahren einen Familien-Camper, fand jedoch kein passendes Modell. Schließlich ließ er sich einen gebrauchten Airstream aus den USA importieren – mit unerwarteten Herausforderungen.
„Ich dachte, wir machen ihn innen etwas hübsch. Aber die Fahrzeuge sind oft über 50 Jahre alt und technisch nicht zulassungsfähig“, erzählt Huber. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte Jotha ein neues Fahrgestell, passte Konstruktion und Technik an europäische Standards an und kombinierte die originale Außenhülle mit moderner Ausstattung. Um 2020 entstand der erste Prototyp – der Beginn eines neuen Geschäftsfelds.
Aufwendiger Weg über den Atlantik
Airstream wurde 1931 von Wally Byam gegründet und ist bekannt für seine aerodynamischen Aluminium-Wohnwagen. Sie stehen bis heute für langlebiges Design und Reisekultur. Jotha greift diese Tradition auf und überarbeitet sie technisch. „Wir übernehmen die Grundidee, gestalten aber alles zeitgemäß“, sagt Huber.
Geeignete Modelle stammen meist aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Lokale Partner in den USA suchen passende Fahrzeuge, die oft nur kurz verfügbar sind. Der Transport erfolgt per Spezialverschiffung, da die Wohnwagen zu groß für Container sind. Hinzu kommen Zoll- und Transportformalitäten. Im Idealfall dauert es etwa acht Wochen, bis ein Airstream Donauwörth erreicht. Nach der Ankunft beginnt ein kompletter Neuaufbau. „Wir behalten nur die Hülle“, erklärt Huber. Fahrgestell, Technik und Innenausbau werden vollständig erneuert. Jotha fertigt verzinkte Fahrgestelle, modernisiert Elektrik und Abdichtungen und passt die Fahrzeuge individuell an Kundenwünsche an. Der industrielle Hintergrund hilft dabei. „Unser Maschinenpark ermöglicht uns, diese Nische professionell zu bedienen. „Wir arbeiten mit originalen Flugzeugnieten, das Polieren der Aluminiumhülle ist extrem aufwendig“, so Huber. Die Innenausbauten entstehen gemeinsam mit spezialisierten Partnern. Ob Camper, Foodtruck oder mobiler Showroom – nahezu jede Nutzung ist möglich. Die Produktion bleibt bewusst exklusiv: Zwei bis drei Umbauten pro Jahr sind laut Unternehmen realistisch.
Ein Wohnwagen als Wertanlage?
Die Nachfrage kommt dabei kaum bis gar nicht aus der unmittelbaren Region. Kunden reisen aus ganz Deutschland und Europa nach Donauwörth – manchmal sogar auf ungewöhnliche Weise. „Ein Kunde hat einmal angerufen und gefragt, ob er sich die Fahrzeuge anschauen kann“, erzählt Huber. „Zwanzig Minuten später ruft er wieder an und sagt: ‘Ich habe gesehen, ihr habt einen Flugplatz – ich komme mit meinem Flugzeug. ’“ Grundsätzlich gilt aber: Die Projekte sind meist sehr individuell. Manche Kunden orientieren sich am Baujahr, andere verfolgen spezielle Nutzungskonzepte oder Designideen. Trotz hoher Kosten – teilweise bei komplett restaurierten Airstreams bis zu 100 000 Euro - bleibt der emotionale Faktor entscheidend. Oder wie Christian Huber es selbst passend zusammenfasst: „Unser Airstream ist eine Investition, die Spaß macht.“