20. Mai 2021, 11:54
Tradition

Oettinger Nachtwächter suchen Mitstreiter

Die beiden Oettinger Nachtwächter Christian Zuber (links) und Karl Huber suchen nach neuen Mitstreitern. Bild: Karl Huber
Die Stadt Oettingen hat ein ungewöhnliches Amt zu vergeben: Es werden neue Nachtwächter gesucht. Bis Ende des 19. Jahrhunderts sorgten Nachwächter in Oettingen zur später Stunde für Ruhe und Ordnung. Heute gehen die beiden Nachtwächter allerdings einer ganz anderen Aufgabe nach.

Bis zur Silvesternacht im Jahr 1880 gingen in Oettingen zwei Nachtwächter - ein katholischer und ein evangelischer - ihrer Arbeit nach. Ausgestattet mit Hellebarde, Horn und Laterne zogen sie von der ersten Dämmerung bis um 04:00 Uhr morgens durch die Stadt. Die Aufgabenbereiche waren dabei vielfältig und nicht selten gefährlich, wie Christian Zuber erklärt: "Die Nachtwächter waren für die Sicherheit innerhalb der Stadtmauern zuständig. Sobald es dunkel wurde sorgten sie für Ruhe und Ordnung. Heute würde man ihr Aufgabenfeld wohl am ehesten als Kombination aus Feuerwehr, Polizei und Security beschreiben." Zusätzlich zu den Kontrollaufgaben "informierten" die Nachtwächter mit ihren Stundengesängen über die Uhrzeit und weckten frühmorgens die ersten Handwerker. 

Seit 1994 gibt es regelmäßige Nachtwächterführungen

Dass die Nachtwächter in Oettingen seit 1994 eine kleine Renaissance erleben dürfen, geht auf eine Initiative von Rainer Bauer, dem damaligen Vorstand des Oettinger Verkehrsvereins, zurück. Im Zuge des historischen Marktes wurden erstmals singende Nachtwächter rekrutiert, die während des Marktes eine nächtliche Stadtführung begleiteten. Christian Zuber ist seit Wiedereinführung der alten Tradition dabei - ein Nachwächter der ersten Stunde sozusagen. Seit 1994 mit wechselnden Partnern und seit 2004 gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Karl Huber ist er mit einer Mischung aus Gesang, geschichtlich fundierten Ereignissen und viel Liebe zur Stadt dafür verantwortlich, dass sowohl Einheimische, als auch Touristen den besonderen Charme des nächtlichen Oettingens erleben können. Die Tatsache, dass in Oettingen ein katholischer und ein evangelischer Nachtwächter existiert, ergibt sich dabei - wie so vieles in der Oettinger Historie - aus der klaren religiösen als auch räumlichen Trennung beider Konfessionen. Zwei Gemeinden lebten so über viele Jahrhunderte nahezu getrennt in einer gemeinsamen Stadt. 

"Nachtwächter sollte ein bisschen was für die Stadt Oettingen übrig haben" 

Da Christian Zuber bereits seit Längerem gesundheitlich angeschlagen ist, sucht er gewissermaßen nach Nachfolger*innen, die die Tradition des Nachtwächters in Oettingen aufrechterhalten wollen. Neben einem gewissen musikalischen Geschick, sei dabei vor allem wichtig, dass man sich mit der Geschichte Oettingens auskenne und ein echter Teamplayer sei, erklärt der langjährige Nachtwächter Zuber und führt weiter aus: "Für mich ist das Entscheidende, dass der neue Nachtwächter reden kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, er freundlich auf die Menschen zu gehen kann und er Humor hat - der Rest kommt dann ganz von allein. Außerdem sollte er schon etwas für die Stadt Oettingen übrig haben", fügt er lachend hinzu. 

Wer Interesse daran hat, sich als Oettinger Nachtwächter zu bewerben, findet weitere Informationen unter: 

Tourist Information im Rathaus
Schloßstraße 36
86732 Oettingen i. Bay. 
E-Mail: tourist-information@oettingen.de