RiesKraterMuseum

Geologie im Ries macht Astronauten fit für den Mond

Im Nördlinger Ries untersuchen die ESA Astronauten und Ingenieure typische Impaktstrukturen. Bild: ESA-A.Romeo
Bereits zum dritten Mal besuchen diese Woche Astronautinnen und Astronauten sowie Missionsplaner der Weltraumorganisationen ESA und NASA im Rahmen ihrer geologischen Ausbildung das Nördlinger Ries. Auch der Leiter des RiesKraterMuseums Nördlingen, Prof. Stefan Hölzl, ist unter anderem mit Geländeführungen an der Schulung beteiligt.

Vom 13. bis 17. September 2021 sind Nördlingen und das Ries erneut eine von insgesamt drei Stationen, an der die Europäische Raumfahrtorganisation ESA Schulungen für Teilnehmer*innen und Planer*innen künftiger Raumfahrtmissionen durchführt. Neben grundlegenden geologischen Themen stehen diesmal besonders Lektionen zu Themen wie der Suche nach Lebensspuren oder der kontaminationsfreien Probenahme auf dem Lehrplan. Mit dazu gehören natürlich auch Exkursionen zu Aufschlüssen und Aussichtspunkten im umliegenden Ries, wo das theoretische Wissen in Begleitung der lokalen Spezialistinnen und Spezialisten erprobt und erweitert werden kann. Die ganz besonderen geologischen Gegebenheiten im Asteroidenkrater „Nördlinger Ries“ bieten hier – wie kaum sonstwo auf der Erde – die Gelegenheit, typische Impaktphänomene zu erkennen und zu studieren.

In diesem Jahr sollen die Teilnehmer*innen des Ausbildungsprogramms für das Sammeln von Gesteinsproben von der Mondoberfläche geschult werden – noch mehr mit Blick auf die in naher Zukunft geplanten Artemis Missionen der NASA, bei denen erstmals nach 50 Jahren wieder Menschen auf dem Mond landen sollen.

Astronautentraining hat Tradition im Ries

Der Rieskrater ist diesmal die zweite Station des sogenannten PANGAEA Programms 2021 (Planetary Analogue Geological and Astrobiogical Exercise for Astronauts) der ESA. Der Krater mit etwa 25 Kilometer Durchmesser ist vor knapp 15 Millionen Jahren durch die Kollision eines etwa einen Kilometer großen Asteroiden mit der Erde entstanden. Er gehört weltweit zu den besterhaltenen Kratern dieser Größenordnung. Bereits die Teilnehmer der Apollo 14 Mond-Mission absolvierten dort vor über 50 Jahren ihr Astronautentraining. Die ESA-Astronautinnen und Astronauten bekommen vor Ort Einblicke in Aufbau, Entstehung und Beschaffenheit eines Impaktkraters und seiner ganz speziellen Geologie.

Schulungsort für das Geologie-Trainingsprogramm der PANGAEA Teilnehmer ist das Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen (ZERIN), das als Forschungs-, Bildungs- und Dokumentationszentrum des RiesKraterMuseums Nördlingen dient und unter anderem eine umfangreiche Sammlung an Bohrkernen und Gesteinen aus dem Ries sowie ein Labor für Radiogene Isotope beherbergt. Das RiesKraterMuseum ist mit Geländeführungen, der Bereitstellung von Demo-Material, Labor-Demonstrationen und natürlich auch Museumführungen an der Schulung beteiligt. In diesem Jahr nehmen der ESA-Astronaut Andreas Mogensen, die NASA-Astronautin Kathleen Rubins sowie der EAC-Weltraumingenieur Robin Eccleston am Training teil.

Prof. Hölzl ist froh, unterstützen zu können

Das aktuelle Feldtraining musste pandemiebedingt bereits mehrfach verschoben werden und stellt auch unter den derzeitigen Bedingungen logistisch eine erhebliche Herausforderung für die Organisation bei der ESA und vor Ort dar.

Der Leiter des RiesKaterMuseums Nördlingen, Prof. Stefan Hölzl, freut sich, dass das Feldtraining 2021 trotz der schwierigen Rahmenbedingungen nun stattfindet und er und sein Team das Programm unterstützen und bereichern können: „Wir sind stolz, ein weiteres Mal das PANGAEA Team bei uns im RiesKraterMuseum empfangen zu dürfen und unsere Expertise zur Verfügung stellen zu können.“

Die Teilnehmer*innen besuchten in der ersten Woche des Kurses die Bletterbachschlucht in den italienischen Dolomiten und werden im November die Vulkanlandschaften der Kanareninsel Lanzarote erkunden. (pm)