Was in den meisten Friseursalons täglich im Müll landet, nutzt Isabella Ackermann gezielt weiter: Die Friseurmeisterin aus Oettingen gibt abgeschnittene Haare aus ihrem Salon Element Haar an einen Biobauernhof ab, wo sie als natürlicher Langzeitdünger zum Einsatz kommen. Ein einfaches Prinzip mit überraschend großer Wirkung und ein Beispiel dafür, wie viel ungenutztes Potenzial in einem Reststoff steckt, der sonst einfach nur unüberlegt in der Restmülltonne landet.
Haare bestehen zu einem Großteil aus Keratin, einem stabilen, stickstoffreichen Protein. Im Kompost übernehmen sie damit eine ähnliche Funktion wie Schweineborsten, ein in der Landwirtschaft seit Langem bewährter Dünger. Mikroorganismen im Boden zersetzen das Protein langsam und setzen dabei kontinuierlich Stickstoff frei, einen der wichtigsten Nährstoffe für Wachstum. Anders als schnell wirkende Dünger liefern Haare damit über einen längeren Zeitraum eine gleichmäßige Versorgung für Nutz- und Zierpflanzen.
Branchenschätzungen zufolge produzieren die rund 80.000 Friseursalons in Deutschland gemeinsam etwa 40.000 Kubikmeter Haarabfälle pro Jahr, umgerechnet rund 370.500 Kilogramm. Der Großteil davon wird bislang über den Restmüll entsorgt, obwohl er sich als Ressource weiterverwenden ließe.
Praxisbeispiel aus Oettingen
Isabella Ackermann setzt genau hier an: Bereits seit 2020 gibt sie die in ihrem Salon anfallenden Schnitthaare an einen Biobauernhof in der Region weiter. Dort werden sie in den Kompost eingearbeitet anstelle der Schweineborsten, die sonst als keratinreicher Zusatz zum Einsatz kommen. Ein kleiner Schritt im Salonalltag mit spürbarem Effekt für die umliegenden Böden.
„Nachhaltigkeit gehört für mich genauso zum Friseurberuf wie der Schnitt selbst. Als Spezialistin für Haarersatz weiß ich außerdem: Haare zu haben ist keine Selbstverständlichkeit. Umso mehr sollten wir mit diesem wertvollen Material sorgsam umgehen, auch nach dem Schneiden, statt es einfach im Müll verschwinden zu lassen", sagt Isabella Ackermann. (dra)