Jagdverband

40 Jahre Tschernobyl – Wenn der Schuss im Wald ins Labor führt

Symbolbild Bild: pixabay
Vier Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wirken die Folgen weiter nach. Vor allem beim Schwarzwild bleibt die Kontrolle bis heute Teil der jagdlichen Praxis.

Ein sauberer Schuss, „die Sau liegt“ – und doch ist die Arbeit für den Jäger nicht beendet. Beim Schwarzwild führt der Weg oft erst einmal zur Becquerelmessung. Der Grund liegt 40 Jahre zurück: in der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986.

Damals gelangten radioaktive Stoffe bis nach Bayern. Besonders betroffen waren Regionen mit Niederschlägen während des Durchzugs der Wolke – vor allem der Alpenraum und der Bayerische Wald. Schwaben blieb vergleichsweise glimpflich verschont. Lediglich im Allgäu sowie punktuell in waldreichen Gebieten wurden erhöhte Werte festgestellt.

Bis heute zeigt sich die Folge vor allem beim Schwarzwild. Wildschweine nehmen beim Wühlen im Boden Pilze auf, die radioaktives Cäsium anreichern. Eine besondere Rolle spielt dabei der sogenannte Hirschtrüffel. „Gerade über diesen Pilz können auch heute noch erhöhte Werte auftreten“, erklären die Jägervorstände Albert Reiner und Robert Oberfrank vom Jagdverband Donauwörth. Typisch sind dabei auch jahreszeitliche Schwankungen.

So sieht es im Donau-Ries aus

Für die Jägerschaft bedeutet das Verantwortung und zusätzlichen Aufwand. In vielen Revieren wird immer noch jedes erlegte Wildschwein untersucht. Liegt der Wert über dem Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm, darf das Fleisch nicht vermarktet werden – ein wirtschaftlicher Verlust, der jedoch dem Verbraucherschutz dient.

Im Landkreis Donau-Ries sind Überschreitungen inzwischen äußerst selten geworden. Dennoch gehört die Kontrolle weiterhin zum jagdlichen Alltag – als verlässliche Absicherung für Verbraucher.

Nachwirkungen bis heute

Die lange Halbwertszeit von Cäsium-137 sorgt dafür, dass die Folgen bis heute nachwirken. Tschernobyl wirkt weiter – leise, aber messbar. Auch nach vier Jahrzehnten ist es nicht abgeschlossen, sondern bleibt weiterhin Teil der jagdlichen Praxis. (dra)