Mentale Gesundheit

Sven Hannawald spricht in Oettingen offen über Burnout und mentale Gesundheit

Sven Hannawald (Mitte) im Businesstalk mit Michaela Kluger (AOK) und Matthias Hausmann (IHK) Bild: Anna Falch
Emotionaler Abend in Oettingen: Ex-Skispringer Sven Hannawald sprach vor Unternehmern offen über seinen Zusammenbruch.

Es wurde ein Abend, der vielen der anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer wohl länger in Erinnerung bleiben dürfte. In Oettingen standen mentale Gesundheit, Burnout-Prävention und der achtsame Umgang mit den eigenen Kräften im Mittelpunkt einer Veranstaltung der AOK-Direktion Donauwörth und der IHK Schwaben mit ihrer Region Donau-Ries. Schon zu Beginn machten die Veranstalter deutlich, dass das Thema längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. „Und es soll der Auftakt für eine Zusammenarbeit sein“, betonte Michaela Kluger, Leiterin der AOK Donauwörth. Auch Matthias Hausmann, Geschäftsführer der IHK, freute sich über das gemeinsame Format und wünschte allen Besucherinnen und Besuchern viele Eindrücke, die man heute mitnehmen könne.

Einen passenden und würdigen Rahmen fand die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Firma Lessmann in Oettingen. Die Geschäftsführung um Jürgen Lessmann und Cornelia Kitzsteiner begrüßte die Gäste in der Kantine des Unternehmens. Gleichzeitig setzte der Abend ein wichtiges Zeichen: Psychische Gesundheit erhielt über viele Jahre oftmals nicht die Aufmerksamkeit, die notwendig gewesen wäre – gerade auch in der Arbeitswelt. Umso wichtiger war das gemeinsame Engagement von AOK und IHK, dieses sensible Thema offen anzusprechen.

Mitgebracht hatten die Veranstalter einen der bekanntesten ehemaligen deutschen Wintersportler: Ex-Skispringer Sven Hannawald. Der Sieger der Vierschanzentournee ist heute AOK-Botschafter für psychische Gesundheit. Ergänzt wurde der Abend durch einen Fachvortrag des Psychologen Dr. Philipp Hubert aus Memmingen.

„Burnout beginnt schleichend“

Hubert bezeichnete sich selbst augenzwinkernd als „Vorband von Sven Hannawald“, brachte aber zugleich den wissenschaftlichen Blick auf das Thema mit. Dabei machte er deutlich, dass Arbeit nicht grundsätzlich krank mache. „Sie strukturiert den Tag, ist sinnstiftend, sichert den Lebensunterhalt und vermittelt Anerkennung. Wenn das aber nicht mehr der Fall ist, dann kann die Arbeit ein Auslöser sein“, erklärte er.

Besonders eindringlich schilderte er, wie schleichend ein Burnout verlaufen könne. Oft beginne alles mit kleinen Warnsignalen, bis daraus eine Spirale entstehe, die schlimmstenfalls im völligen Zusammenbruch ende. Deshalb appellierte Hubert an die anwesenden Unternehmer, aufmerksam zu bleiben und Mitarbeitende anzusprechen, wenn Veränderungen auffallen.

Psychische Erkrankungen seien inzwischen die zweithäufigste Ursache für Krankmeldungen. Gleichzeitig habe sich der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema verändert. „Vor 25 Jahren hätte es eine solche Veranstaltung nicht gegeben“, sagte Hubert. Sein wichtigster Rat: Wer merke, dass es ihm nicht gut gehe, solle mit seinen Gedanken nicht alleine bleiben und Hilfe annehmen.

Sven Hannawald spricht über seinen Zusammenbruch

Spätestens mit dem Auftritt von Sven Hannawald wurde es im Saal emotional. Ein kurzer Dokumentationsfilm zeigte den ehemaligen Spitzensportler und seine Burnout-Erkrankung. Offen sprach Hannawald darüber, wie sehr ihn der ständige Druck und der Erfolg geprägt hätten. Erfolg sei für ihn „Fluch und Segen“ zugleich gewesen.

Im anschließenden Talk mit Michaela Kluger und Matthias Hausmann schilderte Hannawald sehr persönlich, wie sein Umfeld seinen Zustand oft früher erkannt habe als er selbst. „Das Umfeld wusste viel früher, wie es mir geht. Ich habe es mir aber nicht eingestanden, habe Lösungen verkauft und beschwichtigt“, erzählte er ehrlich. Erst der körperliche Zusammenbruch habe schließlich alles verändert.

Heute gehe der ehemalige Skispringer bewusster mit sich selbst um. „Ich will nie wieder an diesen Punkt kommen“, sagte Hannawald. Zwar begeistere er sich nach wie vor schnell für neue Dinge, inzwischen nehme er sich aber ganz bewusst Ruhepausen. Dass nicht immer alles perfekt laufen müsse, habe er ebenfalls lernen müssen. Mit einem Schmunzeln zitierte er dabei einen Satz seiner Mutter: „Hat halt einfach nicht sein sollen.“

Gerade diese Offenheit machte den Abend in Oettingen besonders. Zwischen fachlichen Informationen, persönlichen Einblicken und emotionalen Momenten wurde deutlich: Mentale Gesundheit ist kein Randthema mehr – sondern ein Thema, das jeden betreffen kann.

Zum Abschluss nahm sich Sven Hannawald noch viel Zeit für die Besucherinnen und Besucher. Bei Fotos, Autogrammen und persönlichen Gesprächen wurde schnell deutlich, wie nahbar der ehemalige Spitzensportler geblieben ist und wie wichtig ihm der offene Austausch über mentale Gesundheit heute ist. 

Geschäftsführer und Gründer. Immer direkt vor Ort wenn etwas passiert, auch in der Nacht. Verantwortlich für den Anzeigenverkauf. Bespricht dienstliches gerne bei einem Arbeitsessen. Fußballer. Hat ein Faible für antike Holzmöbel. Bringt Tochter und Hund gerne mit ins Büro.

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