Krebs Selbsthilfegruppe Donauwörth

„Wir sind nicht nur Leidensgenossen, sondern Freunde!“

In der Krebs Selbsthilfegruppe finden Betroffene Ansprache und Freundschaften. Bild: Erna Dirschinger
Seit mehr als 40 Jahren gibt die Krebs Selbsthilfegruppe Donauwörth Betroffenen Halt, Gemeinschaft und vor allem eines: das Gefühl, nicht allein zu sein. Bei den regelmäßigen Treffen wird geredet, gelacht, gebastelt und gemeinsam Zeit verbracht.

Wenn Menschen an Krebs erkranken, verändert sich vieles. Neben der medizinischen Behandlung kommen Sorgen, Ängste und oft auch ein Gefühl der Isolation hinzu. Gerade deshalb ist der Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, so wertvoll. Bei der Krebs Selbsthilfegruppe Donauwörth wird dieser Gedanke seit den frühen 1980er-Jahren gelebt. „Früher wusste man ja auch viel weniger über Krebs, Chemotherapie oder Bestrahlung“, erzählt Erna Dirschinger, die heutige Leiterin der Gruppe.

Seit vielen Jahren kümmert sich die Buchdorferin, die mehrfach selbst an Krebs erkrankt war, um die Gruppe. „Wenn wir sie nicht hätten ...“, sagen die Mitglieder über ihre Leiterin. Sie organisiert die Treffen, hält Kontakt und ist für viele auch außerhalb der gemeinsamen Stunden eine wichtige Ansprechpartnerin. Nicht die Krankheit steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch.

Nicht ständig über die Krankheit sprechen

Im Sommer trifft sich die Selbsthilfegruppe in der Bäldleschwaige. Bild: Hörr

Heute gehören rund 25 bis 30 Menschen zur Krebs Selbsthilfegruppe Donauwörth. Die Mitglieder kommen vor allem aus dem südlichen Landkreis, unter anderem aus Donauwörth, Eggelstetten, Oppertshofen, Monheim und Buchdorf. Mehrere Personen betreut Dirschinger derzeit ausschließlich telefonisch. Die Gruppe ist an die Bayerische Krebsgesellschaft angeschlossen. Dadurch sind ihre Kontaktdaten auch in verschiedenen Informationsbroschüren zu finden. Manche Betroffene werden aber auch direkt von Ärzten auf das Angebot aufmerksam gemacht.

Eine Teilnehmerin erzählt beispielsweise, dass ihre Frauenärztin ihr von der Selbsthilfegruppe berichtete. Nach ihrer Erkrankung hatte sie sich stark zurückgezogen und nur noch wenige soziale Kontakte. In der Gruppe habe sie schließlich neue Freundschaften gefunden. Denn genau darum geht es den Mitgliedern: „Wir sind nicht nur Leidensgenossen, sondern Freunde.“ Die Diagnose verbindet die Menschen, doch bei den Treffen soll sie nicht im Mittelpunkt stehen. „Wir sprechen nicht ständig über unsere Krankheiten“, sagt Dirschinger.

Gemeinsam lachen und aktiv bleiben

Im Winter trifft sich die Gruppe im Gasthof Eisenwinter in Buchdorf, im Sommer geht es in die Bäldleschwaige. Außerdem stehen gemeinsame Ausflüge auf dem Programm. „Wir haben schon den ganzen Landkreis zusammen gesehen“, erzählt Dirschinger.

Auch bei den Treffen selbst wird es nie langweilig. Die Mitglieder basteln, musizieren oder machen Gedächtnistraining, um geistig fit zu bleiben. Und natürlich darf auch das Lachen nicht fehlen.

„Wir lachen viel gemeinsam, auch wenn wir nicht immer einen Grund zum Feiern haben“, erzählen die Mitglieder. Ihre Einstellung lässt sich am besten mit einem Satz zusammenfassen: Wir lassen den Kopf nicht hängen. Auch die Kommunikation ist längst im digitalen Zeitalter angekommen. Die Mitglieder tauschen sich über eine eigene WhatsApp-Gruppe aus und bleiben so auch zwischen den Treffen miteinander verbunden.

Was vor mehr als vier Jahrzehnten als Möglichkeit zum Austausch für Menschen mit einer Krebserkrankung begann, ist heute eine feste Gemeinschaft geworden. Das Ehepaar Erwin und Annelies Steib aus Zirgesheim gehört bereits seit mehr als 30 Jahren dazu. Auch sie erhielten einst die Diagnose Krebs und sind seitdem ein fester Bestandteil der Gruppe.

Für die Mitglieder ist die Selbsthilfegruppe deshalb weit mehr als ein regelmäßiger Termin im Kalender. Sie ist ein Ort, an dem man verstanden wird, ohne viel erklären zu müssen.

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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