Die Trockenlegung von Mooren und Feuchtgebieten sowie die intensive Düngung der Wiesen haben den Brachvogel in Bayern an den Rand des Aussterbens gebracht. Um den seltenen Wiesenvogel zu schützen, leisten Landwirte und Landwirtinnen einen wichtigen Beitrag: Sie passen die Mahd an, legen Flachwassermulden an und schützen die Gelege. Für diesen besonderen Einsatz hat der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) bei einem Festakt in Pfaffenhofen an der Ilm 14 bayerische landwirtschaftliche Betriebe ausgezeichnet. Zwei davon stammen aus dem Landkreis Donau-Ries. „Die ausgezeichneten Landwirte und Landwirtinnen zeigen, dass Landwirtschaft und Artenschutz Hand in Hand gehen können. Mit ihrem Engagement geben sie dem bedrohten Brachvogel eine Zukunft in unserer Kulturlandschaft“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.
Mit viel Herzblut und speziell angeschafften Maschinen pflegt Landwirt Michael Bachmann zahlreiche Wiesen im schwäbischen Natura 2000-Gebiet Pfäfflinger Wiesen: Auf den Flächen des Rieser Naturschutzvereins praktiziert er die Wiesenmahd in enger Abstimmung mit dem Vorsitzenden Johannes Ruf und der Gebietsbetreuerin Lara Oblinger. Zur Schonung der Böden in den Feuchtwiesen setzt er extrabreite Reifen ein, für die Artenvielfalt verwendet er insektenschonende Mähtechnik. Jede Wiese, wo junge Brachvögel sein könnten, wird vor der Mahd durch einen kooperierenden Jäger vom Verein Wildtierrettung Ries-Mitte mit einer Drohne inspiziert. Werden Küken entdeckt, verschiebt Bachmann die Mahd auf einen späteren Zeitpunkt. „Ich will nicht versuchen, der größte Betrieb zu werden, sondern will versuchen der Beste zu werden – das ist unser Motto“, bekennt Michael Bachmann. Der Brachvogelbestand in den Pfäfflinger Wiesen ist mit über 30 Brutpaaren der größte in Schwaben.
Die Bio-Landwirtin Anna-Maria Bissinger bewirtschaftet ihren Naturland-Betrieb im Mertinger Ried rund um die Mertinger Höll und unterstützt den Brachvogel mit einem Bündel von Maßnahmen, das der Gebietsbetreuer für das östliche Donauried Marc Burggraf mit ihr abspricht. Auf ihrem Grünland verzichtet sie auf die Düngung der Wiesen und legt zahlreiche fünf Meter breite Altgrasstreifen an, in denen Insekten überwintern können. Die Brachvögel nutzen ihre Wiesen zur Nahrungsaufnahme und zum Führen der Küken. Speziell angelegte feuchte Mulden hält sie für die Brachvögel zugänglich, indem sie rundherum fräst und frühzeitig mäht. Die Küken suchen während der Dürrezeit die eigens von ihr bewässerten Mulden zur Nahrungssuche auf. Der Gebietsbetreuer Marc Burggraf hat in diesem Jahr sieben Brachvogel-Bruten im Mertinger Ried festgestellt, die fünf flügge Jungvögel hervorgebracht haben.
Matthias Luy, Landwirtschaftsreferent des LBV erklärt: „Mit der Auszeichnung wollen wir sowohl unsere Wertschätzung für Bäuerinnen und Bauern, die sich für den Artenschutz engagieren, ausdrücken, als auch die Gesellschaft über diese besonderen Leistungen informieren. Für uns ist die Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten zum Wohle der Natur enorm wichtig.“
Über die Arbeit des ausgezeichneten Landwirts Michael Bachmann hat der LBV mit Förderung der Stiftung Bayerisches Naturerbe ein kurzes Filmporträt produziert, das auf www.lbv.de/auszeichnung-feldvoegel aufgerufen werden kann. Als Dank für ihr Engagement erhielten die ausgezeichneten Landwirtinnen und Landwirte Brachvogelschutz-Plaketten sowie Vogelnistkästen und Insektennisthilfen. (dra)