Der Haushalt 2026 der Stadt Nördlingen ist beschlossen – und er zeigt eine Stadt, die sich finanziell zunehmend auf engerem Terrain bewegt. Was auf den ersten Blick wie ein weiterhin solides Zahlenwerk wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine deutlich angespanntere Lage als noch in den Jahren zuvor. Mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Euro bleibt der Etat zwar umfangreich, liegt aber unter dem Niveau des Vorjahres. 74,7 Millionen Euro entfallen auf den Verwaltungshaushalt, 26,2 Millionen Euro auf den Vermögenshaushalt. Gleichzeitig plant die Stadt Investitionen von über 24,6 Millionen Euro, darunter rund 15,5 Millionen Euro für Baumaßnahmen. Nördlingen investiert also weiterhin erheblich – allerdings unter deutlich schwierigeren Rahmenbedingungen.
Der Blick zurück macht die Entwicklung deutlich. 2025 lag das Haushaltsvolumen noch bei 106,1 Millionen Euro, die Investitionen bei fast 34 Millionen Euro. Insgesamt wurden in der laufenden Legislaturperiode über 156 Millionen Euro investiert. Eine Zahl, die zeigt, wie stark die Stadt in den vergangenen Jahren auf Ausbau und Modernisierung gesetzt hat – und die gleichzeitig erklärt, warum der finanzielle Druck nun spürbar wächst.
Einnahmen bleiben stabil - Ausgaben steigen deutlich
Auf der Einnahmeseite bleibt die Gewerbesteuer mit einem Ansatz von 23 Millionen Euro die wichtigste Säule, ergänzt durch rund 15,9 Millionen Euro aus dem Einkommensteueranteil und etwa 3,5 Millionen Euro aus der Umsatzsteuer. Gleichzeitig erhält Nördlingen weiterhin keine Schlüsselzuweisungen. Oberbürgermeister David Wittner ordnet ein: „Das ist einerseits Ausdruck wirtschaftlicher Stärke – bedeutet andererseits aber auch, dass viele Aufgaben ohne zusätzliche staatliche Unterstützung bewältigt werden müssen.“
Während die Einnahmen stabil bleiben, steigen die Ausgaben deutlich. Die Personalkosten klettern auf rund 17,6 Millionen Euro. Noch stärker fällt die Kreisumlage ins Gewicht, die auf etwa 21,7 Millionen Euro anwächst. „Die Spielräume der Kommunen werden kleiner – die Aufgaben größer“, erklärt Wittner. Genau hier liegt der Kern der aktuellen Haushaltslage: strukturell steigende Belastungen bei gleichzeitig begrenzten Einflussmöglichkeiten.
Stadt hält an zentralen Projekten fest
Hinzu kommt die Entwicklung der Verschuldung. Für das Jahr 2026 wird ein Schuldenstand von rund 31 Millionen Euro erwartet – möglicherweise etwas weniger, aber in jedem Fall deutlich höher als in den Vorjahren. Diese Entwicklung sorgte auch politisch für Diskussionen, besonders in den Vorplanungen. Diese seien - so die einhellige Meinung aller Fraktionen - ansonsten sehr konstruktiv und auf Augenhöhe verlaufen, trotz der über allem schwebenden Kommunalwahl im März.
Grundsätzlich hält die Stadt in ihrer Planung an zentralen Projekten fest. Besonders ins Gewicht fällt dabei der geplante Neubau der Feuerwache mit rund zwölf Millionen Euro. Auch im Bildungsbereich entstehen erhebliche Kosten durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung, etwa durch Erweiterungen an der Grundschule Schillerstraße und zusätzliche Räume für die Grundschule Mitte. Investitionen in Kindertagesstätten und entsprechende Zuschüsse kommen hinzu.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die finanziellen Spielräume enger werden. Mehrere Projekte werden verschoben oder zeitlich gestreckt. Die Sanierung der Augsburger Straße ist vorerst auf unbestimmte Zeit zurückgestellt, Straßenbaumaßnahmen innerhalb der Stadtmauer rücken erst in das Jahr 2029. Der Abriss der Holzbrücke im Rieser Sportpark ist nun für 2027 vorgesehen. Auch bei der Ausstattung der Ortsteilfeuerwehren wird gebündelt: Neue Fahrzeuge für Holheim, Schmähingen und Nähermemmingen sollen gemeinsam erst 2029 beschafft werden. Diese Entwicklung beschreibt Wittner selbst mit bemerkenswerter Offenheit: „Nicht alles, was im Investitionsprogramm steht, wird in exakt dieser Form und in exakt diesem Zeitrahmen umgesetzt werden können.“ Der Haushalt ist damit weniger ein festes Versprechen als vielmehr ein Rahmen, der unter Vorbehalt steht – abhängig von Fördermitteln, Baupreisen und personellen Kapazitäten.
Spannungsfeld zwischen finanzieller Stabilität und Zukunftsinvestitionen
Dennoch bleibt das Investitionsprogramm breit angelegt. Neben klassischen Infrastrukturmaßnahmen und dem Einstieg in den Glasfaserausbau spielen auch Klimaschutzprojekte und Investitionen der Stadtwerke eine Rolle. Deren Wirtschaftsplan umfasst rund 18,3 Millionen Euro, unter anderem für die Sicherung der Trinkwasserversorgung und die Modernisierung der Abwasserinfrastruktur.
Am Ende steht ein Haushalt, der versucht, beides miteinander zu verbinden: finanzielle Stabilität und Zukunftsinvestitionen. „Investitionen von heute sind die Lebensqualität von morgen“, sagt Wittner. Gleichzeitig bleibe „jeder Euro Kredit eine Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen“. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Nördlingen im Jahr 2026 – und wird es wohl auch in den kommenden Jahren tun.