Freitag, der 30. April war der letzte Amtstag von Landrat Stefan Rößle. Mit stehenden Ovationen, persönlichen Worten und sichtbarer Rührung ist er am Nachmittag nach 24 Jahren im Amt verabschiedet worden.
Bei einer außergewöhnlichen Kreistagssitzung im Schulzentrum Rain blickten Wegbegleiter aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft auf eine prägende Zeit im Landkreis Donau-Ries zurück. “Man kann mit Recht von einer Ära Stefan Rößle sprechen“, so Ulrich Lange, CSU-Kreisvorsitzender, in seiner Festrede. Dieser Tenor zog sich durch den gesamten Nachmittag.
„Mehr Stefan Rößle wagen“
"Der sagt mir nichts“, habe Ulrich Lange geantwortet, als ihm damals Stefan Rößle als mögliche Kandidat für den Landratsposten vorgeschlagen wurde. Als sich Rößle im Jahr 2002 erstmals zur Wahl stellte, galt er für viele als Außenseiter. Umso größer war die Überraschung, als der damals junge Oberndorfer Bürgermeister die Wahl zum Landrat gewann.
Was folgte, war eine politische Laufbahn, die von Beharrlichkeit, Fleiß und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gekennzeichnet war. Helmut Beyschlag beschrieb ihn in seiner Rede als jemanden mit „eigenen Vorstellungen, Kampfgeist und der Fähigkeit, Chancen zu nutzen. Als Vertreter der Opposition lobte er, wie Rößle für ein „außerordentlich gutes Verhältnis“ unter den demokratischen Parteien im Kreistag gesorgt habe. Und appellierte an die Politik insgesamt: „Mehr Gemeinsamkeit suchen, mehr Stefan Rößle wagen“.
Stefan Rößle hinterlässt einen Landkreis, der heute als Vorzeigeregion gilt. 2017 war der Landkreis Donau-Ries der einzige schuldenfreie Landkreis Bayerns. Über Jahrzehnte hinweg wurden rund 50 Millionen Euro an Schulden zurückgeführt und gleichzeitig massiv in Bildung, Infrastruktur und Gesundheitsversorgung investiert.
Mehrfach wurde an diesem Nachmittag in der Aula des Schulzentrums in Rain betont, dass Rößles Politik nie als Machtausübung verstand, sondern als gemeinsames Ringen um Lösungen. Selbst bei unterschiedlichen Meinungen habe er stets den Dialog gesucht und auch kritische Phasen wie die Krankenhausdebatte und die Corona-Pandemie souverän gehandelt.
Müsste man ihm ein Zeugnis ausstellen, so würde darinstehen: „Der zielstrebige, hartnäckige und ausdauernde Schüler hat, die sich selbst gesteckten Ziele erreicht und hat sich auch in seinem Umfeld und darüber hinaus sozial sehr engagiert“, bescheinigte Alois Schiegg, der als Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags sprach.
„Ich habe mit allen Frieden geschlossen“
In seiner eigenen Rede blickte Rößle auf „24 spannende Lebensjahre zurück“. Neben Erfolgen sprach er auch offen über Herausforderungen. „Wir haben viel bewegt, aber wir hatten auch schwere Zeiten“. Besonders wichtig sei ihm rückblickend die Haltung gewesen, Brücken zu bauen: „Ich bin keinem böse. Ich habe mit allen Frieden geschlossen“.
Seinem Nachfolger Michael Dinkelmeier (Freie Wähler) gab er einen zentralen Rat mit auf den Weg: „Immer Demut vor dem Amt haben.“ Dinkelmeier saß bei dem Festakt selbst in der ersten Reihe. Die unterlegene CSU-Landratskandidatin und stellvertretende Landrätin Claudia Marb ließ sich unterdessen entschuldigen.
Im Rahmen des Festakts verabschiedete Rößle zudem zahlreiche Kreisrätinnen und Kreisräte, die teils 24 oder sogar 36 Jahre Mandatsträger waren. Viele von ihnen haben den Landkreis über Jahrzehnte hinweg mitgestaltet. Rößles persönliche Würdigung jedes Einzelnen zweigte erneut die enge und konstruktive Zusammenarbeit im Kreistag.
Rößle hat den Landkreis zusammengeführt
Landrat Stefan Rößle hat den Landkreis auch gesellschaftlich zusammengeführt. Aus dem einst durch die beiden Altlandkreis Donauwörth und Nördlingen geprägten Gebiet ist in der Amtszeit von Rößle eine gemeinsame Identität entstanden. „Dass das Donau-Ries unter dir zu einem Landkreis zusammengewachsen ist, halte ich persönlich für eine der größten Leistungen“, so Lange.
Neben seinen politischen Entscheidungen wird auch Stefan Rößles Persönlichkeit in Erinnerung bleiben. „Er hat die eigene Macht nie überschätzt und seine Person nie in den Vordergrund gestellt“, fasste es Helmut Beyschlag zusammen.
Und Rößle ging oft unkonventionelle Wege: Er nahm als erster Landrat Deutschlands Elternzeit; ein Schritt, der damals für Diskussionen in der Gesellschaft und seiner eigenen Partei sorgte. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auch seine Engagement über den Landkreis hinaus. Rößle verkaufte seinen Porsche, um mit dem Erlös eine Schule in Afrika zu bauen. Daraus entstand das Projekt „1000 Schulen für die Welt“, das inzwischen über 300 Schulbauprojekte durch Spendengelder finanziert hat. Dafür will sich Rößle auch in Zukunft weiter engagieren.
Emotionaler Abschied von Landrat Stefan Rößle
Die bewegendsten Momente des Nachmittags folgten gegen Ende der Veranstaltung. Rößle zeigte Bilder seiner Schulbauprojekten und Reisen in Afrika, zwei Musiker sangen die beiden Michael Jackson-Songs „We are the World“ und „Heal the World“. Danach kamen Rößles Frau, Kinder und Enkelkinder zu ihm auf die Bühne.
Der scheidende Landrat zeigte sich zu Tränen gerührt. Die offizielle Rolle fiel von ihm ab. Man hatte den Eindruck, dass sich etwas löste, nach vielen Jahren der Verantwortung. Gleichzeitig wurde spürbar, wie sehr ihn dieser Abschied berührt. Nach 24 Jahren im Amt war das nicht nur ein politischer, sondern auch ein sehr persönlicher Moment.