Es war ein Saisonabschluss ohne sportliche Tragweite – und doch einer, der in Erinnerung bleiben wird. Als die Schlusssirene in der Nördlinger Halle ertönte, war längst klar: Dieses Spiel war weit mehr als nur die letzte Partie einer Spielzeit. Die Eigner Angels bezwangen den USC Freiburg nach Verlängerung mit 75:74 – in einem Spiel, das sich vom zähen Beginn zu einem mitreißenden Basketball-Drama entwickelte und schließlich in einem Abend voller Emotionen mündete.
Zunächst deutete wenig auf einen besonderen Verlauf hin. Beide Teams taten sich schwer, leisteten sich zahlreiche Fehlwürfe und fanden kaum Rhythmus. Erst nach der Pause steigerten sich die Angels spürbar. Mit konsequenter Verteidigung und wachsender Sicherheit im Angriff erspielten sie sich im dritten Viertel eine scheinbar komfortable 60:39-Führung. Die Partie schien entschieden, die 650 Zuschauer, unter anderem mit Ireti Amojo, der neu gewählten Vorstandsvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft 1. Damenbasketballbundesliga, genossen den Moment.
Doch dann kippte das Spiel – und mit ihm die Stimmung. Freiburg zeigte Moral, traf plötzlich sicherer und kämpfte sich Punkt für Punkt zurück. Ein 29:10-Lauf im Schlussviertel brachte die Gäste zurück ins Spiel, ehe sie kurz vor dem Ende durch Dreier von Britta Daub und Summah Evans zum 68:68 ausglichen. Aus einer klaren Angelegenheit war ein offener Schlagabtausch geworden. Die Halle hielt den Atem an – Verlängerung.
Dort wurde es zum reinen Nervenspiel. Sekunden vor dem Ende war es schließlich Nicole Fransson, die nach einem wichtigen Offensivrebound an die Freiwurflinie trat. 1,4 Sekunden noch auf der Uhr, maximale Spannung – ein Treffer genügte. Fransson behielt die Ruhe, verwandelte einen ihrer Würfe und sicherte den Angels den knappen 75:74-Erfolg. Überhaupt Fransson: sie überragte mit 22 Punkten und 15 Rebounds ein Double/Double. Und dass, obwohl es am Anfang überhaupt nicht danach aussah.
Emotionale Verabschiedungen nach Spielende
Doch so sehr der Sieg umjubelt wurde, rückte er nach der Schlusssirene schnell in den Hintergrund. Der Abend gehörte den Emotionen. Trainer Nico Kuusi griff zum Mikrofon. Mit bewegenden Worten verabschiedete er in einer anrührenden Dankesrede den scheidenden sportlichen Leiter Martin Fürleger und würdigte dessen prägende Rolle für das Team und den Standort Nördlingen.
Der emotionalste Moment für ihn folgte jedoch wenig später, als er das Karriereende von einer seiner wichtigsten Spielerinnen verkündete: Kapitänin Laura Schinkel trat ein letztes Mal vor das Publikum. Sichtlich bewegt, begleitet von stehenden Ovationen und im Beisein ihrer Zwillingsschwester Janina, verabschiedete sie sich unter Tränen vom Parkett. Zwei Jahre lang hatte sie die Mannschaft geführt und angetrieben – nun endet ihre Karriere. Es war ein Abschied, der unter die Haut ging und zeigte, wie viel mehr Basketball in Nördlingen ist als nur ein Spiel.
So bleibt dieser Abend in Erinnerung: als sportlich lange zähe Partie, die sich zu einem dramatischen Krimi steigerte – und als würdiger, emotionaler Abschluss einer Saison, der das Publikum noch lange begleiten wird. (dra)
Das Spiel in Zahlen
Statistik Nördlingen:
Fransson (22 Punkte, 15 Rebounds), Pauline Mayer (10/3 Dreier), Schinkel (11/1), Ndi (10), Hasle-Lagemann (8), Kucowski (7, 10 Rebounds), Ashby (7/1)
Wurfquote: 28/74 (38 %)
Freiwürfe: 13/18 (72 %)
Rebounds: 50
Statistik Freiburg:
Kröger (17/1), Prohaska (16), Evans (10)
Wurfquote: 25/76 (33 %)
Freiwürfe: 20/32 (63 %)
Rebounds: 55