27. Januar 2021, 14:27

Der Traum vom "Bähnle 2.0"

Der alte Bahndamm ist heute ein Radweg, bei Mertingen erinnert eine Signalbrücke an die Geschichte der Eisenbahn. Bild: Matthias Stark
Seit 1997 fahren keine Züge mehr zwischen Mertingen und Wertingen, die Strecke des liebevoll "Bähnle" genannten Zuges wurde 1998 abgebaut. Nun bringt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer den Vorschlag auf, die Strecke zu reaktivieren.

Im Jahr 2020 veröffentlichte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer ein Positionspapier. Darin aufgeführt sind Mittelzentren, die keinen Anschluss an den Bahnverkehr haben. Dazu zählt auch Wertingen, dass von 1905 bis 1998 über eine Nebenbahn an die Strecke Donauwörth Augsburg angebunden war. "Die Strecke Wertingen - Mertingen ist in unseren Reaktivierungsvorschlägen aus dem letzten Jahr als Prüffall aufgeführt. Wir haben bei der Erarbeitung dieser Vorschläge bundesweit die Möglichkeiten abgeschätzt, die Mittelzentren ohne Bahnanschluss wieder an den Eisenbahnverkehr anzubinden. Wertingen ist ein solches Mittelzentrum. Grundsätzlich sollten Mittelzentrum per Schiene an die Oberzentren angebunden werden. Dies ist auch die Sicht der Heimatabteilung des Bundesinnenministeriums", so Dr. Martin Henke, Geschäftsführer für den Bereich Schienenverkehr beim VDV.

"Da über die Strecke nach Mertingen ein Anschluss an ein Oberzentrum nicht direkt herstellbar ist ,sind aus unserer Sicht noch Prüfungen erforderlich, ob und wie attraktive Anschlüsse in Richtung Donauwörth und Augsburg herstellbar wären. Ich bin zuversichtlich, dass Konzepte für einen attraktiven Anschluss gefunden werden können. Dabei ist auch zu klären, ob aus Richtung Wertingen wieder Anschluss an das Hauptstreckennetz in Mertingen Bahnhof gesucht werden soll oder mittels einer Verbindungskurve unmittelbar ohne Fahrtrichtungswechsel Bäumenheim und Donauwörth angefahren werden soll. Wir sind optimistisch, bis zur nächsten Auflage unserer Empfehlungsliste, die voraussichtlich Anfang 2022 erscheinen wird, diese Frage positiv geklärt zu haben, also im Sinne einer Reaktivierungsempfehlung", so der Geschäftsführer weiter.

Entlang des Radwegs, der heute auf der ehemaligen Bahnstrecke führt, erinnern mehrere Infotafeln an die Vergangenheit als Bahnkörper. Bild: Matthias Stark

Mertingens Bürgermeister bezweifelt eine Reaktivierung

"Bei Bahnreaktivierungen schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits finde ich Bahnreaktivierungen aus ökologischen Grundüberlegungen sehr interessant, andererseits müssen diese aber im konkreten Einzelfall auch wirklich sinnvoll sein", so Mertingens Bürgermeister Veit Meggle auf Anfrage. "Bei der Bahnstrecke von Mertingen nach Wertingen handelt es sich um eine vor vielen Jahrzehnten stillgelegte und auch komplett zurückgebaute Nebenstrecke. Die Grundstücke wurde auch zum großen Teil verkauft. Der Gleiskörper ist zwar zum großen Teil noch vorhanden, aber nicht mehr durchgängig. Für eine Reaktivierung bedeutet das: Grunderwerb und dann den Bau der gesamten Infrastruktur mit dem Gleis, Schienenquerungen und Haltepunkten", macht der  Rathauschef deutlich, der vor allem eine Frage aufwirft: "Wer soll diese Strecke nutzen, um die notwendigen 1.000 Personenkilometer täglich zusammen zu bekommen?" 

Für den ehemaligen Mitarbeiter des Landratsamtes, der schon für den ÖPNV zuständig war, ist es kein neues Thema. Er war hier unter anderem in die Diskussion rund um die Reaktivierung der Hesselbergbahn eingebunden. "In der Zusammenfassung aller genannter Punkte kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass unter den genannten Voraussetzungen eine Reaktivierung der Bahnstrecke von Mertingen nach Wertingen in absehbarer Zeit realistisch wird."